Rimpfischhorn (4.199 m)

| 7. Oktober 2012 | Keine Kommentare

Das 4.199 m hohe Rimpfischhorn gehört Gebietskennern zufolge (Banzhaf/Biner/Burgener) zu den „grandiosen Bergsilhouetten“ und ist doch trotz seiner topografischen Prominenz von den Talorten Zermatt und Saas Fee nicht zu sehen. „Der wie der Kamm eines vorzeitlichen Reptils gezackte Gipfelgrat wird nach Südosten und Osten von einer im Sommer fast reinen Felswand, im Westen von einer kombinierten Wand flankiert. Sowohl nach der Länge der Zustiege als auch nach der Kletterei am Gipfelaufbau ist dies einer der anspruchsvolleren Berge des Gebietes, selbst wenn man sich zur Verkürzung des Hüttenzustiegs das Bähnli genehmigt“ (Goedecke).

Verkürzt man hingegen nicht die Länge des Hütten-, sondern die des Gipfelzustiegs, so erhöht man die Chancen, die Tour auf diesen formschönen Gipfel inmitten des gewaltigen Saaser und Zermatter Panoramas auch genießen zu können, ohne auf künstliche Steighilfen angewiesen zu sein:

In der zweiten Juli-Woche 2012 trafen wir uns im Mattertal. Thorsten reiste aus Koblenz an; Martin kam mit der Bahn aus Martigny, nachdem er zuvor eine Woche im italienischen Monte-Rosa mit der HTG unterwegs gewesen war. Gemeinsam wollten wir dem Rimpfischhorn auf’s Haupt steigen. Auf dem Normalweg vom Gasthaus Flue (2.618 m) werden für diese Tour (WS+, II+) im Aufstieg nicht weniger als sechs Stunden veranschlagt. Da das Wetter aber bei Gewitterneigung wechselhaft werden sollte, suchten wir nach einer Möglichkeit, den Gipfelzustieg zu verkürzen. Nachdem sich ein vorgeschobenes Biwak bereits bei einer Eistour in den Ostalpen wenige Wochen zuvor als sehr hilfreich erwiesen hatte, stand die Idee eines Biwaks schnell im Raum. Von Thorsten stammte dann der Vorschlag, lediglich mit Schlaf- und Biwaksack ausgestattet bei leichtem Gepäck loszuziehen, um bei gutem Wetter gleich weitere Überschreitungen im Einzugsgebiet des Rossi-Biwaks anhängen zu können.

Schnell war die Sache ausgemacht und so zogen wir vom Campingplatz Attermenzen in Randa montagmorgens in aller Frühe los, um über den Europaweg zum Gasthaus Flue und von dort zur Pfulwe zu gelangen. Auf diesem Weg hat man alle großen Berge des Mattertals einmal im Blick: Dom, Täschhorn, Monte-Rosa, Lyskamm, Matterhorn, Dent Blanche, Obergabelhorn, Zinalrothorn, Weisshorn… Allerdings sind bis zur Pfulwe auch etwa 2.000 Hm inklusive Gegensteigungen zu bewältigen und mit Ausrüstung sowie Essen für fünf weitere Tage ausgestattet, erreichten wir diese erst am späten Nachmittag. Dort angekommen – einem Geröllfeld mit größeren Felsblöcken – wurden wir bei unserer Suche nach einem geeigneten Biwakplatz schnell fündig: Auf etwa 3.100 m richteten wir uns in einer überdachten Felsnische (liebevoll „Biwak Asozial“ genannt) häuslich ein und gingen nach mehrgängiger Pasta früh zu Bett, denn bereits um 3:00 Uhr sollte der Wecker läuten. Der Verzicht auf ein Zelt hatte sich bereits hier bewährt gemacht, denn Zeltplätze gab es hier keine – Thorsten’s Vorschlag erwies sich also als goldrichtig.

Nach einem Frühstück im Bett starteten wir gegen 3:30 Uhr in Richtung Gipfel der Pfulwe (3.314 m), um von dort an Fixseilen zum Längfluegletscher hinunter und schließlich zu P. 3.402 zu gelangen. Dort mussten wir feststellen, dass wir nicht die Ersten des Tages zu sein schienen, denn auf dem harten Firn waren bereits die Spuren eines Einzelgängers auszumachen, der uns im oberen Gipfelaufbau – schon im Abstieg begriffen – begegnen sollte. Doch bis dahin war es noch ein längerer Weg. Zunächst wollten zahlreiche gletschergeschliffene Felsbänder überstiegen sein – wie sich auf dem Rückweg herausstellte, können diese weitgehend auch leicht links haltend auf Firn umgangen werden. Trotz dieser zeitraubenden Aktion standen wir mit Sonnenaufgang am Frühstücksplatz (3.700 m), wo sich uns der erste Felsaufschwung in den Weg stellte. Diese Felswand wird weitgehend in der Südflanke in einem Couloir aus Brösel und Eis gewonnen. Anschließend erreichten wir den Schneehang, der direkt unter den Gipfelaufbau bei P. 4.001 führt. Nun stiegen wir in einem noch gut mit Schnee gefüllten und ca. 50° steilen Couloir bis zu einem markanten Absatz in den linken Begrenzungsfelsen auf. Von dort steuerten wir weiter leicht links haltend in einem Felscouloir hinauf auf eine Gratschulter, wo einige mit II+ bewertete Platten (u.E. eher III) die Schlüsselstelle der Tour bereithielten. Über einen ausgesetzten und schmalen Grat erreichten wir schließlich vom Vorgipfel aus nach knapp viereinhalb Stunden den Hauptgipfel.

Nicht weil der Gipfel, dessen grandiose Aussicht bereits vielfach beschrieben, kaum Platz für eine Person bietet, sondern wegen des starken und kalten Windes, der nicht gerade zum verweilen einlud, machten wir uns schnell wieder an den Abstieg auf der gleichen Route. Die Kletterstellen konnten trotz einiger Abseilstände bei relativ guten Verhältnissen abgeklettert werden und nach ca. drei Stunden erreichten wir wieder unseren Biwakplatz, räumten unser Hotel und stiegen noch am gleichen Tag wieder ins Tal, denn das Wetter verschlechterte sich nun zusehends; an die geplanten weiteren Touren war nun leider nicht mehr zu denken.

Fazit: Durch den vorgeschobenen Ausgangspunkt lässt sich die Tour auf das Rimpfischhorn um ein bis zwei Stunden verkürzen, was bei schlechtem Wetter einen nicht unerheblichen zeitlichen Vorteil bringt und zugleich ein entspanntes Steigen auf diesem relativ langen Normalweg ermöglicht. Die teilweise luftigen Klettereien sind gut abzusichern und nicht übermäßig schwierig. Leider ermöglichte uns das Wetter auch in den Tagen danach keine größeren Touren mehr und so begnügten wir uns mit einer Besteigung des im Saastal gelegenen Lagginhorns (4.010 m) über den Westgrat, das eine Woche zuvor traurige mediale Bekanntheit durch den Absturz von fünf Bergsteigern erlangt hatte.

Tour und Text: Thorsten Ringel und Martin Heuser

Kategorie: Hochtourengruppe

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