Reben und Rüben – eine Radrundfahrt durch Rheinhessen

| 16. Juni 2017 | Keine Kommentare

Am 14. August 2016 fand sich Zeit und passendes Wetter für eine schon länger geplante Radtour mitten durch das große rheinhessische Weinanbaugebiet, das sich im Rheinbogen zwischen den Städten Bingen, Mainz, Worms und Bad-Kreuznach erstreckt. Nachdem ich bereits im Jahr 2015 die rheinhessische Schweiz durch das Appelbachtal und auf den Donnersberg per Fahrrad erkundet hatte, wollte ich mehr von dieser lieblichen Hügellandschaft kennenlernen, die keine flache Ebene, aber auch noch kein richtiges Mittelgebirge ist.

Rheinhessen mit dem Routenverlauf

Von Koblenz fahre ich mit dem Auto nach Sprendlingen an der Autobahn A 61 in der Nähe von Bad Kreuznach. Das bewährte Sportgerät, mein rotes 18-Gang Alu-Rennrad, nehme ich im Kofferraum mit. Um 10 Uhr am Vormittag radle ich bei idealem Tourenwetter los – Sonne, kaum Wind, um die 20 Grad. Für meine Fahrtstrecke habe ich ruhige Landstraßen gewählt, die mich zügig und ohne großen Autoverkehr voranbringen werden. Die Route führt zunächst leicht bergan nach Osten. Über die Dörfer St. Johann und Wolfsheim erreiche ich eine Art Hochebene, von der sich ein erster, weiter Rundum-Blick bietet. In der dunstigen Ferne erkenne ich das Rheingaugebirge, den mächtigen Donnersberg und die markantenTaleinschnitte von Nahe und Rhein. Dann geht es zügig und beständig bergab über die Dörfer Partenheim, Jungenheim, Stadecken-Elsheim nach Nieder-Olm, knapp vor den Toren der Landeshauptstadt Mainz gelegen. Wiederum ist ein kurzer, aber knackiger Anstieg auf die Höhe zu bewältigen. Die nächsten Stationen sind die Dörfer Ebersheim, Gau-Bischofsheim und Lörzweiler. Hier verlasse ich die Landstraße und fahre einige Kilometer auf Wirtschaftswegen durch die Weinberge, auf direktem Wege hinab nach Nierstein am Ufer des Rheins.

Blick in die Rheinebene bei Nierstein

Dort wende ich mich nach Süden, also rheinaufwärts. Die Wegfindung in Nierstein und Oppenheim ist wegen der zahlreichen Radwege, der Rheinuferpromenade und der verkehrsreichen Bundesstraße B 9 nicht ganz einfach. Ich habe aber eine gute Landkarte dabei und kann mich irgendwie durch das Straßengewirr hindurch mogeln. Dann geht es zügig in gerader Streckenführung immer weiter gegen Süden, der warmen Mittagsonne entgegen. Dienheim, Ludwigshöhe, Guntersblum, Alsheim, Mettenheim und Osthofen heißen die nacheinander passierten idyllischen Winzerdörfer, die sicherlich einen ausführlicheren Besuch lohnen würden. In Ludwigshöhe ist gerade Feuerwehrfest und die zum Frühschoppen aufspielende Blasmusikkapelle verleitet mich zu einer ersten längeren Pause. Im Schatten des Dorfplatzes kann ich mich bei Bier und Bretzel ein wenig ausruhen und die Festtagsstimmung genießen. In Osthofen, kurz vor Worms, ist es mit dem gemütlichen Radeln auf flacher Strecke vorbei. Ich biege am Rand der Rheinebene scharf nach rechts ab und erklimme erneut die hügelige Hochfläche bei Bechtheim. Jetzt, am frühen Nachmittag, sind die Kräfte allmählich aufgebraucht. Die Beine sind schwer, die Trink- und Esspausen werden häufiger. Ich merke deutlich, dass ich mich von der vorangegangenen Kletter- und Wandertourenwoche in den Alpen noch nicht richtig erholt habe. Das letzte Drittel der Rundfahrt, das in nordwestlicher Richtung zum Ausgangspunkt zurückführt, wird dann auch das anstrengendste. Zusätzlich zu dem hügeligen Gelände mit ständig wechselnden Anstiegen und Abfahrten kommen die nachmittägliche Hitze und ein unangenehm auffrischender Gegenwind. Immer nordwestwärts geht es über die Dörfer Heßloch und Dittelsheim nach Gau-Odernheim, wo ich mir eine erfrischende, kühle Weinschorle genehmige.

Fachwerkhäuser in Gau-Odernheim

Wie gerne wäre ich hier sitzen geblieben, aber es hilft nichts, ich muss noch gut 20 Kilometer bis zum Auto zurück fahren. Weiter geht es über Biebelnheim und Spiesheim nach Wörrstadt. Ablenkung von der mittlerweile monotonen Kurbelei bieten ständig neue Aus- und Anblicke in der schönen Landschaft sowie kleine Farbtupfer am Wege – hier ein in voller Blühe stehendes Sonnenblumenfeld, dort die allgegenwärtigen blassblauen Blüten der Wegwarte.

Sonnenblumenfeld am Wegrand

In einem Obstgarten neben der Straße liegen reife Äpfel im Gras. Der Bauer hat bestimmt nichts dagegen, wenn ich einen davon aufhebe und mir einverleibe. Hmm, lecker! Immer wieder halte ich kurz an für einen Fotostop, um möglichst viele Bilder als Erinnerung mit nach Hause zu nehmen. Anschließend geht es über Vendersheim letztmalig auf die weitläufige Hochebene. Hier stehen keine Bäume, sondern zahllose Windräder. Die Windparks drücken der rheinhessischen Landschaft einen eigenen, markanten Stempel auf. Ansonsten bietet sich der Blick auf ein welliges Meer aus endlosen Feldern und Rebflächen. Die freie, ungehinderte Sicht, die weiten Räume – das gefällt mir besonders gut an diesem Hügelland.

Rheinhessische Landschaft

Tiefe Täler oder dunkle Wälder sucht man hier vergebens. Es ist – zumindest heute – eine helle, freundliche Landschaft, die aber keineswegs eintönig, sondern durch Dörfer und Buschwerk gegliedert und aufgelockert ist. An den markanten Rundfunk-Sendetürmen bei Wolfsheim erreiche ich endlich wieder die Straße, die mich hinab nach Sprendlingen führt. Hier komme ich nachmittags gegen vier Uhr nach gut sechs Stunden Fahrzeit und 97 Kilometern Wegstrecke am Ausgangspunkt der Rundfahrt wieder an. Ziemlich ausgelaugt, aber voller Eindrücke kann ich mit Fug und Recht behaupten, Rheinhessen intensiv erfahren zu haben.

Geschafft – am Ziel in Sprendlingen

 

Empfohlene Karte: Topografische Karte „Mainz und Rheinhessen“ 1 : 50 000 mit Wander- und Radwanderwegen, ISBN 978-3-89637-301-4

 

Peter May

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Kategorie: Klettergruppe

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