Radtour durch Rheinhessen auf den Donnersberg

| 17. März 2016 | Keine Kommentare

Hand auf´s Herz, hätten Sie´s gewusst: der höchste Berg der Pfalz? Es ist der 687 Meter hohe Donnersberg bei Dannenfels, in etwa mittig zwischen Bad Kreuznach und Kaiserslautern im Nordpfälzer Bergland gelegen. Im Vergleich zu den anderen Mittelgebirgshäuptern in der Nachbarschaft (Hohe Acht / Eifel: 747 m; Feldberg / Taunus: 879 m; Erbeskopf / Hunsrück: 816 m) ist der Donnersberg zwar nicht der allerhöchste, dafür aber eine sehr markante Berggestalt. Das etwa sieben mal fünf Kilometer große Massiv fällt an den Rändern steil ab und überragt deutlich seine Umgebung. Als Landmarke ist er weithin gut zu erkennen. Die keltische Befestigung auf dem Donnersberg und die Benennung eines ganzen Landkreises (Donnersberg-Kreis mit Sitz in Kirchheim-Bolanden) unterstreichen die Bedeutung, die der Berg seit jeher für die Menschen in seiner Umgebung hatte. Da eine Straße auf den Gipfel führt und ich ohnehin mal die rheinhessische Landschaft auf dem Fahrrad erkunden wollte, verband ich beide Ziele zu einer kleinen Rundfahrt.

 Ende September 2015 stellt sich eine stabile Hochdruck-Wetterlage ein, die viel Sonnenschein und genussreiches Radeln verspricht. Kurzerhand nehme ich einen Tag frei, packe das Rennrad in den Kofferraum und fahre zeitig am Morgen nach Wöllstein, einer kleinen Stadt in der Rheinhessischen Schweiz. Der Himmel ist blitzeblank, dafür sind die Frühtemperaturen mit knapp zehn Grad weniger angenehm. Dazu frischt im Tagesverlauf ein kräftiger Nordostwind auf, gegen den ich mich mit Sturmhaube, Handschuhen, Windstopperjacke und langer Hose wappne. Um neun Uhr starte ich also mit dem Rad in Wöllstein und fahre erst mal in südlicher Richtung durch das langgezogene Appelbachtal. Hier gibt es zwar einen ausgewiesenen Radwanderweg, ich bevorzuge aber die Landstraße, auf der wenig Verkehr herrscht und ich zügig voran komme. In dem weiträumigen Tal scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Ein verschlafenes Dorf reiht sich an das andere, dazwischen Wiesen, Felder und verbuschte Hänge. Das gemütliche Radeln in der Morgensonne durch die stille Landschaft macht Freude – zumal die Strecke flach ist und zusätzlich der Wind von hinten schiebt. Bevor es in den Anstieg auf den Donnersberg geht, lege ich noch eine Ess-, Umzieh- und Pinkelpause ein. Ab Marienthal geht es dann merklich steiler bergan bis zu einer Art Passhöhe. Hier, beim Bastenhaus, biege ich nach rechts auf die Kreisstraße ab, die direkt auf den Donnersberg hinauf führt. Nach drei Kilometern Steilstrecke, die mich ordentlich zum Keuchen bringen, bin ich auf der „Spitze“ des Berges, pünktlich um zwölf Uhr mittags. Auf dem weiträumigen Plateau steht neben etlichen Funkmasten der Ludwigsturm, ein hoher, steinerner Aussichtsturm aus dem 19. Jahrhundert. Natürlich muss ich auch dort noch hinauf und kann als Lohn der Mühe eine grandiose Rundumsicht genießen. Ich habe Glück, denn heute ist ausnahmsweise der Kiosk am Turm geöffnet. Hier gönne ich mir ein Stück Kuchen und einen heißen Kaffee, eine Wohltat. Inzwischen quellen Wolken auf, der Wind ist empfindlich kühl und nötigt mich zur Weiterfahrt. Mit siebzig Sachen rolle ich den Donnersberg wieder hinunter, im Nu sind die mühsam erkämpften Höhenmeter pulverisiert.

Jetzt geht es in Richtung Norden, zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Allerdings nicht wieder durch das Appelbachtal, sondern weiter östlich, weil ich mir die rheinhessischen Weinberge und Winzerdörfer noch anschauen möchte. Zunächst durchquere ich auf der Landesstraße ein größeres Waldgebiet, bis ich bei dem Dorf Orbis wieder offenes Gelände erreiche. In Orbis entspringt die Selz, eines der Hauptgewässer des uralten Siedlungsgebietes Rheinhessen. Hier beginnt auch der Selztal-Radweg, der bis nach Ingelheim an den Rhein führt. Ich verfolge für einige Kilometer den schön angelegten Radweg bis kurz vor die Autobahnbrücke bei Alzey, dann biege ich links ab nach Weinheim. Der Name des Örtchens ist Programm: das Dorf liegt idyllisch in einer sanften Mulde und eingerahmt von Weinbergen. Es ist nicht zu übersehen, dass die Weinlese begonnen hat: Erntemaschinen in den Wingerten, klebriger Traubenmost auf den Wegen und ständiges Böllerknallen zum Verscheuchen der diebischen Vögel. Durch die Weinberge schlängelt sich die Landstraße hinauf zu einer weitläufigen Hochebene. Hier bietet sich von Horizont zu Horizont ein atemberaubender Rundumblick: im Süden der mächtige, soeben erst erklommene Donnersberg, im Westen die tiefen Taleinschnitte von Nahe und Rhein, im Norden das Rheingaugebirge und der Taunus mit dem nicht zu übersehenden Großen Feldberg, im Osten der Odenwald über der weiten Rheinebene. Meine Augen saugen das Panorama auf und speichern die Bilder tief drinnen ab. Auf der windigen Anhöhe steht ein ganzer Wald aus gigantischen Windrädern, durch die mich mein Weiterweg führt. Der heftige Ostwind lässt die Rotorblätter sausen und zischen, ich komme mir vor wie Don Quichote beim Kampf mit den Windmühlen. Durch die Felder und Weinberge führt ein weiterer markierter Radwanderweg: die Hiwwel-Route. Sie ist nach den charakteristischen Hügeln in Rheinhessen benannt und führt auf einer Strecke von 165 Kilometern von Bingen über Alzey nach Worms. Diese Route verfolge ich nun auf gut befestigten Wirtschaftswegen bis nach Flonheim, einem weiteren hübschen Winzerdorf. Nur ein kurzes geschottertes Wegstück schiebe ich das Rad, um keinen Reifenschaden zu riskieren. Nun geht es weiter über die gut ausgebaute Landstraße nach Wendelsheim und anschließend ein noch kurzes Stück über die „Deutsche Alleenstraße“, eine touristische Autoroute. Rechterhand erstrecken sich zwischen den Weinbergen gelb-weiße Hänge und Steinbrüche. Dabei handelt es sich um ein altes Brandungskliff, das entstanden ist, als die Gegend von einem urzeitlichen Meer überflutet war. Ich fahre an der geologischen Sehenswürdigkeit entlang bis kurz vor Eckelsheim. Hier steht am Fuß der Weinberge direkt an der Straße die Ruine der alten Beller Kirche. Ich mache einen Fotostopp und schaue mich ein wenig in dem verfallenen Gemäuer um. Das fehlende Dach und die leeren Fensteröffnungen sorgen für ein sehr romantisches Ambiente. Noch ein kurzes Stück radle ich auf der Landstraße, dann erreiche ich Wöllstein, den Startpunkt meiner Rundreise. Als ich wieder am Auto bin, ist es erst drei Uhr am Nachmittag. Das macht 6 Stunden Fahrzeit bei rund 80 Kilometern gefahrener Strecke und 550 Metern Höhendifferenz; somit eine vergleichsweise gemütliche Tour, bei der weniger der sportliche Aspekt als vielmehr das landschaftliche Erlebnis im Vordergrund stand. Mir hat die Radtour Lust auf „mehr Rheinhessen“ gemacht – die Tourenmöglichkeiten, vor allem auch zum Wandern, sind schier unüberschaubar.

Für weitere Planungen empfiehlt sich die Topografische Karte 1 : 50 000 mit Wander- und Radwanderwegen „Mainz und Rheinhessen“, ISBN 978-3-89637-301-4.

 

Peter May

 

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Kategorie: Klettergruppe

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