Plan C (JUMA im Wettersteingebirge)

| 22. Juni 2017 | 3 Kommentare


In dieser Tour haben wir vier Eispickel, zwei Paar Gamaschen und eine Trinkflasche verloren. Wie es dazu kam verrate ich aber erst später, beginnen wir lieber am Anfang!
Sechs Mitglieder der JuMa haben sich in den Kopf gesetzt, die Zugspitze über den Höllental-Klettersteig zu begehen… im “Winter”. Eine ambitionierte erste Hochtour. Wir wollten Abenteuer und das bekamen wir auch, auch wenn es anders kam als erwartet.
Am ersten Tag war noch alles ganz einfach. Wir mussten lediglich, nach der Anreise in Hammersbach, mit vollem Gepäck durch die Höllentalklamm zur neu erbauten Höllentalangerhütte wandern. Wie der Name schon andeutet, war es eine feuchte Angelegenheit. Dort angekommen haben wir die luxuriösen Zustände bewundert und die gute Küche genossen. Unser Ziel, die Zugspitze war jedoch von Wolken bedeckt.
Am zweiten Tag haben wir uns zur Eingewöhnung die südliche Riffelspitze vorgenommen, um die Zugspitze aus der Nähe zu betrachten, und die Schneefelder zu erkunden. Das Tal zeigte sich im Frühlingskleid und die Sonne hatte ihr schönstes Lächeln auf. Über Blumen geschmückte Wiesen brachte uns der Weg zu den ersten Drahtseilen, später zu den ersten Schneefeldern. “Kleine tritte, richtige Stufen!” rief Markus immer und immer wieder. “Wenn du nicht mehr weiter kannst steig aus der Spur und lass den nächsten weiter spuren!”. Mit Grinsen und viel Motivation kamen wir zur Spitze, ohne zu ahnen, dass der Abstieg sogar noch mehr Spass machen würde. Wie Pinguine tanzten wir den Hang runter, im teilweise geschmolzenen Schnee. Unbeschreiblich.
Die Lage wurde am Abend ernst, als drei separate Gruppen nach und nach von ihrem Gipfelsturm auf die Zugspitze zurückkehren mussten. Die Bedingungen waren einfach nicht mehr winterlich genug, besonders kurz unterhalb des Gipfels. So erhielten wir Bericht von zwei jungen Bundeswehrsoldaten, die durchnässt auf der Hütte ankamen. Zum Glück hat Vanessa mit beiden schon am Morgen Kontakt geknüpft, als sie vor allen anderen und ohne Frühstück losziehen wollten. So war es leichter, sie später nach den aktuellen Bedingungen zu fragen, die allerdings wenig Hoffnung für unseren geplanten Gipfelsturm aufkommen ließen.
Nach kurzer Jammer-Runde kam Michi schon mit der rettenden Idee: “Alpspitze!” So setzten wir uns an die Karten, riefen bei Mutti Becker für eine Internetrecherche an und haben eine schöne Route ausgesucht, die anspruchsvoll genug, aber durchaus machbar erschien. Über das Matheisenkar und Grieskarscharte sollte es auf den Gipfel gehen. Plan C läuft.
Nach dem Abendessen dann der nächste Schicksalsschlag: vier Pickel und zwei Paar Gamaschen sind aus dem Trockenraum entwendet worden. Keiner hat was gesehen, alle empört und wir am Boden. Es blieb uns nichts anderes übrig als zu schlafen und am Morgen die Versicherung zu klären.
Vom Frühstückstisch aus konnten wir beobachten wie drei Holländer voller Elan los marschierten um ebenfalls auf die Alpspitze zu kommen.
Von der Hütte gings steil Berg hoch und alle Sorgen wurden ausgeschwitzt. Gute Laune kam uns entgegen, wir waren schon wieder zu einer Spitze unterwegs, uns konnte nichts aufhalten… wirklich nichts. Als wir zum ersten Schneefeld angelangten kam einer der Holländer zurück gelatscht. Mit leerem Magen los zu laufen war wohl doch keine gute Idee…
Wir haben uns zu früh gefreut die Ausreisser fast eingeholt zu haben und deswegen die Pausen zu lange gestreckt. Das wird sich noch rächen. Unten war der Schnee noch schön fest, ideal zum Spuren. Näher zur Scharte wurde er aber immer sulziger, nasser. An einer Stelle ist Michi sogar zwei mal hüfttief eingesackt. Kein Weiterkommen. Denkste. Janos guckt sich um und denkt: da ist doch genügend Fels, dann gehen wir doch lieber klettern. Nicht gerade eine der besten Ideen, aber eine Stunde und eine semi-spektakuläre Nachsicherungsaktion später waren wir wieder im gesicherten Gelände. Von der Scharte aus liefen wir, mit Ausnahme der beiden Frauen, nur noch auf Sparflamme. Gipfelfoto muss sein, der Abstieg war auch nicht ohne Hindernisse. Auch hier zwang uns der sulzige Schnee in der Alpspitz-Nordwand zu zwei Abseilmanövern. Nach geschlagenen 14 Stunden erreichten wir die Hoch-Alm. Plan C, die Alpspitzüberschreitung war gelungen! Alles gemeistert waren wir letzten Endes froh wieder in einem Bett zu schlafen, bevor es dann über Staus und Umleitungen zurück nach Koblenz ging.
Dieser Film wäre nicht ohne unsere zahlreichen Ausbilder möglich gewesen. Unser Dankeschön geht an alle DAV Trainer die uns auf Kreativität und Zusammenhalt geschult haben!
Schauspieler: Michi Becker, Vanessa Beutgen, Julian Skorka, Robin Emil Kraus, Markus Hummrich, János Palik
Musik: Michi’s Hitradio. Produziert von der Juma. Regisseur: Das Leben.
P.S.: Wo die Wasserflasche hin ist, erfahrt ihr per Anfrage bei den Teilnehmern
P.P.S.: das gefährlichste an der Tour war wahrscheinlich der Duschkopf 😉

Stichworte:

Kategorie: Juma

Kommentare (3)

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  1. Michi sagt:

    Immer wieder gern mit euch 🙂

  2. Friedhelm & Heike sagt:

    Ganz große Klasse!!! Toller Bericht! So spannend und lustig geschrieben, dass man gerne dabei gewesen wäre 😉
    Weiter so!

  3. Paul sagt:

    Alles richtig gemacht, alle heil rauf und runtergekommen. Lustige Truppe, trotz allem Ungemach. So macht Bergsteigen Freude.

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