Panoramatour im Piemont über dem Val di Susa zum Rocciamelone

| 3. November 2016 | Keine Kommentare

Rifugio Aurelio Ravetto: Wolfram, Jakob, Angelika, Markus, Thomas, Marion, Volker, Christian, Jens, Petra

Rifugio Aurelio Ravetto: Wolfram, Jakob, Angelika, Markus, Thomas, Marion, Volker, Christian, Jens, Petra


Angelika, Jakob, Marion, Markus, Petra, Volker und Wolfram starteten mit dem Vereinsbus um 6.10 Uhr nach Bardonecchia, dem Ausgangspunkt unserer ersten Tour in das Gebirgsmassiv des Piemont im Westen von Italien. Wir waren gespannt auf die Art und Qualität der Wege, der Hütten und des italienischen Essens. Gegen 17 Uhr kamen wir in Bardonecchia, 1.312 müNN an und trafen dort auf Thomas, Christian und Jens. Im Touristenbüro holten wir uns noch Infos und Karten sowie den Schlüssel für die erste Hütte, die Selbstversorgerhütte, Grange Posto Tappa Valfredda auf 2.255 m Höhe. Im Hotel La Quiete übernachteten wir und waren mit dem Abendessen und Frühstück sehr zufrieden.

Am Sonntag war das Wetter erwartungsgemäß gut, der Bus brachte uns zur Talstation, von der aus es mit einer Gondel auf 1.930 m ging. Nach kurzer Orientierung ging´s los und direkt in eine Kuhherde, die uns durch ein Waldstück begleitete. Die Hütte erreichten wir bereits um 12.30 Uhr und stellte sich als eine Etage (1. OG) einer großen Scheune dar. (Bild 1) Sie war gemütlich eingerichtet mit Küche und Essraum und einem „Schlafzimmer“ mit Einzel- und Hochbetten. Es gab genügend Gas, um Wasser zu kochen für z.B. Tee und Nudeln. Ein Holzofen stand bereit. Da im Außenbereich keine Möblierung vorhanden war, nahmen wir die Stühle aus der Küche, brachten sie nach unten auf die Wiese und genossen die warme Sonne. Jens, Wolfram und Thomas stiegen zur alten Militäranlage aus dem ersten Weltkrieg auf dem Berg Jafferau auf, die von unserer Hütte gut sichtbar war. Teile der Gruppe bestiegen einen nahegelegenen Berg und sammelten Holz für den Abend. Die gesammelte Menge würde sicher für die nächsten zwei Wochen reichen.

Am Montag gingen wir um 7.45 Uhr das Valfredda-Tal 800 Hm hoch zum Übergang des Passo Galambra (3.078m). Die Pause vor dem letzten steilen Anstieg tat gut. Nach 3 ¾ Stunden waren wir oben und konnten auf den umliegenden Bergen militärische Stellungen erkennen, die verlassen und zerfallen waren. Jens, Thomas und Wolfram machte hier noch einen Abstecher zum Punta Sommeiller, einem Berg auf 3.332m. Der folgende Abstieg hatte es in sich. Wir mussten zu unserer nächsten Hütte, der Rifugio Levi Molinari, 1.850m. Und jeder Schritt musste sitzen bei dem endlos erscheinenden Bergpfad, der in vielen Serpentinen hinabging. (Bild 2) Wir waren froh die Hütte zu erreichen und wurden freundlich aufgenommen. Man sprach italienisch, war aber an jedem deutschen Wort interessiert. Das kleine Vokabularium von Markus und seine guten italienischen Kenntnisse wurde gerne angenommen. Es gab wieder gutes Essen, Genepy, ein Schnaps aus dem Piemont kam nicht zum letzten Mal auf den Tisch und ließ uns gut schlafen.

Am Dienstag machten wir uns wieder bei strahlendem Sonnenschein auf zum Rifugio Vaccarone (2.747m). Zuerst ging es durch die kleine piemontesische Siedlung „Grange della Valle“ mit malerisch am Hang gelegenen Häusern, die meistens mit riesigen Steinplatten belegt sind. Wir trafen auf einen alten Italiener am Brunnen, der uns freundlich den Weg erklärte und aus seiner Militärzeit im Trentino einen deutschen Satz kannte: „Liebes Fräulein, hast du Zeit, mit mir spazieren zu gehen?“ Auf dem Weg kamen wir am Wassertunnel Colombano Romean (oder auch: Pertus) vorbei, der im 16. Jahrhundert mit bloßen Händen innerhalb von sieben Jahren gegrabenen wurde. Er ist 600 Meter lang und wurde benötigt, um die Felder der Weiler Cels und Ramats mit Wasser zu versorgen – war echt beeindruckend. Wir erreichten die Quattro denti, die vier Zähne (Bild 3). Hier verbrachten wir die erste Pause im Schatten der letzten Bäume, um den anstehenden Anstieg über den Grad zum Passo Clopacà zu meistern. Wir genossen herrliche Blicke ins Susa-Tal und weiter bis Turin. Auch der Rocciamelone, der höchste Berg in der Umgebung, den wir in einigen Tagen ersteigen wollten, lag direkt vor uns. Im Aufstieg trafen wir einen Schafhirten mit seiner Herde. Mit Höhenangst haben die Schafe nichts am Hut, so knapp, wie diese am Abgrund standen. Der Weg war anstrengend in der Hitze und wir mussten eine heikle Stelle passieren, die uns vorher unbekannt war. Erst nach dem Passo Clopacà konnten wir erstmals auf der Tour Bergwasser nachfüllen. Ohne nennenswerte Höhenunterschiede erreichten wir die Hütte Vaccarone. (Bild 4) Der Hüttenwirt und seine 3-jährige Tochter Anita freuten sich auf uns und wir genossen ein kühles Getränk sowie die prächtige Aussicht. An der Hütte konnte man Steinböcke aus der Nähe erblicken. Um 18.55 Uhr ging die Sonne hinter den Bergen unter. Der Koch auf der Hütte kochte richtig gut. Wir bekamen eine Gemüsesuppe mit zerbrochenen Crossini und Wildschwein-Lummerfleisch mit Kartoffelpüree aus frischen Kartoffeln (!), zum Nachtisch Kuchen. Im Dunkeln kam noch eine Herde Steinböcke vorbei, die am nahen, vom Mond erhellten Horizont gut beobachtet werden konnten. Turin im Lichtermeer war ebenfalls leicht erkennbar.

Am Morgen lag im Tal malerisch der Nebel und die Steinböcke streiften wieder die Hütte. Die heutige Tour begann mit einem steilen Abstieg, teilweise seilversichert und im Rückwärtsgang. (Bild 5) Nach einer Stunde kamen wir unten auf einer Ebene an und überschritten im großen Bogen einen Bach und kleine Seen und erreichten den Col Clapier (2.475m). Ein Grenzstein verwies auf die italienisch-französische Grenze. Außerdem ist hier Hannibal 218 v.Chr. vorbeigekommen und hat drei Tage kampiert. Hier liegt auch der Lac Savine, in den Verwegene die Füße oder den ganzen Körper eintauchen. Nach einer ausgiebigen Pause trennte sich die Gruppe. Einige stiegen nochmals hoch zum Lac Giaset. Die anderen gingen weiter durch das Tal, alle mit dem Etappenziel Refuge du petit Mont Cenis (2.110m), der einzigen Hütte auf französischer Seite auf unserer Tour. Auch hier wurden wir gut versorgt mit französischen Gepflogenheiten wie Käse zum Nachtisch. Wir hatten eine lange Tour vor uns, waren um 7.50 Uhr bereits auf dem Weg talwärts zum Lac du Mont Cenis und zur östlich gelegenen Staumauer, die wir überquerten. Der Weg zog sich und wir machten eine erste Rast auf der anderen Seite des Sees. Danach ging es auf einem alten militärischen Weg leicht bergauf und erst gegen Ende mussten wir noch 450 Hm zum Rifugio Stellina bis auf 2.610m aufsteigen. Die Hütte liegt sehr schön auf einem Felsvorsprung mit Supersicht rundum. Vom Hüttenwirt Giuseppe und seiner Frau Nadia wurden wir herzlich und mit Handschlag begrüßt. Wir nahmen uns Zeit für herrliche Bergblicke, auch hinunter ins Susatal, das im leichten Nebel lag. Wir bekamen wie immer gutes und schmackhaftes Essen. Es war ein lustiger und unterhaltsamer Abend mit den Wirtsleuten. Sie erzählten, dass sie die kommunale Hütte ehrenamtlich betreuen und immer aufsteigen, wenn sich Gäste angesagt haben. Außerdem gibt es nur eine Preisliste für die Übernachtung aber keine für Essen und Trinken. Wir bezahlten gerne für die tolle Verpflegung. Wer nachts mal raus zur Toilette musste, konnte einen tollen Sternenhimmel sehen. Am liebsten hätte man sich die ganze Nacht auf den Rücken gelegt und in den Himmel geschaut.

Am Freitag hatten wir für 6.30 Uhr das Frühstück bestellt, da wir eine lange und anstrengende Tour vor uns hatten. Wir verabschiedeten uns herzlich nach einem gemeinsamen Abschlussfoto (Bild 6) und stiegen langsam und steil auf in Richtung Rocciamelone, dem höchsten Berg unserer Tour mit 3.538m. Der Aufstieg im Geröll war sehr anstrengend und festen Halt zu finden war schwierig. (Bild 7) Am Joch, Paso Novalesa angekommen waren wir froh, dieses anspruchsvolle Stück gemeistert zu haben und genossen den Blick auf die umliegenden Berge, den Gletscher vor unseren Füssen und den Rocciamelone. Nun kamen die letzten 300 Hm bis zum Gipfel, die wir am Grad langsam emporstiegen. Oben angekommen lagen wir uns in den Armen und machten das obligatorische Gruppenfoto. (Bild 8). Nach einer ausgiebigen Pause stiegen wir zufrieden ab zur Rifugio Cà d’Asti. Sie ist eine Zwischenstation für die Pilger und für uns eine Pause wert. Wir mussten aber bald wieder weiter, der Weg war noch lang. Die letzte Hütte unserer Reise war die Capanna Sociale Aurelio Ravetto, 2.545m. Es handelt sich um ein eingeschossiges Militärgebäude, das zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg errichtet wurde und heute von einer kleinen engagierten Gruppe betreut wird. Auf dem Weg zur Hütte querten wir viele Taleinschnitte und es dauerte, bis endlich gegen 18.30 Uhr die Hütte vor uns sichtbar wurde. Der Hüttenwirt Franco nahm uns freundlich auf, aber sein italienisch war nur schwer zu verstehen. Nach einem guten und reichlichen Abendessen lagen alle um 21.30 Uhr in Hochbetten aus den Gründerjahren.

Auch am letzten Tag in den Bergen war das Wetter sommerlich ohne Wolken. Seelenruhig kam die Sonne hinter den Bergen hervor und strahlte das Nebelmeer unter uns im Tal an und weg. Wir wussten, dass der Abstieg ins Tal lang wird. Es ging 2.100m runter! Die Hüttenwirtin begleitete uns ein Stück, damit wir auch sicher auf den richtigen Weg gehen zu unserem ersten Ziel dem Col delle Coupe. Dann führte uns der Weg in Serpentinen in der vollen Sonne bergab, im offenen Gelände und später durch Latschenfelder, in denen „die Luft stand“. Immer wieder warfen wir letzte Blicke in die schöne Bergwelt. Nach einer Pause im Schatten großer Haselnusssträucher erreichten wir einen Bauernhof. Hier half uns die Oma Perino ein Taxi zu bestellen, mit dem Marion, Petra, Markus und Jakob in Tal gebracht wurden. Als Dank wollte sie nur von jedem eine Ansichtskarte bekommen. Die übrige Gruppe ging geführt vom GPS-Track ins Tal zum Bahnhof von Bussoleno. Im Hotel wurden wir wieder freundlich empfangen und nach einem üppigen Abendessen ließen wir die schöne Woche noch mal Revue passieren. Es war eine schöne, anstrengende Tour – allen hat es gefallen.
Markus und Wolfram

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Kategorie: Allgemein, Bergsteigergruppe

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