Ortler 3905m, Hintergrat 23.08. – 25.08.14

| 19. September 2014 | Keine Kommentare

Wie eine Wand so steht er da als wolle er das Vintschgau vor den neidischen Blicken der Össis schützen, blickt man zurück von der Passhöhe des Reschenpass! Er ist nun mal der höchste Alpengipfel östlich der Schweiz und steht auf italienischen Boden, wenn auch in Südtirol!!

Nun gut Spaß bei Seite, kommen wir zum Tathergang. Am Samstag den 23.08. starteten wir von St.Kassian nach einer Kletterwoche in den Dolomiten Richtung Sulden! Die Überfahrt gestaltete sich sehr zähfließend! Durch das Grödnertal ging es nur „stop and go“ und der Brenner war ebenfalls überfüllt! Der Abschied von den Dolomiten viel nicht schwer hatten wir doch sehr durchwachsenes Wetter mit Gewitter, starken Regen und sehr kühlen Temperaturen. Der kommende Sonntag sollte gut werden und siehe da als wir den Blinker Richtung Meran setzten zeigte sich nach langer Zeit wieder mal die Sonne!

In Sulden nach ca. 5h Fahrt angekommen packten wir unsere Sachen und auf ging es Richtung Hintergrathütte. Zuerst gemütlich durch den nebelverhangenen Zirbenwald, vorbei an der K2 Hütte und durch das Kar der Ostwand weiter zum Ausgangspunkt unserer Tour! 2 ½ h und wir saßen in der warmen Stube der Hütte. 4:00 Uhr wecken so die Ansage der Bedienung und den Hintergrat wollen morgen nur 10 Personen in Angriff nehmen! Sehr entspannt ging es dadurch am nächsten Morgen in der Hütte zu. Heißer Tee im Trinksystem und die Kletterausrüstung angelegt, machten wir uns um 5:00 Uhr auf den Weg. Die anderen Seilschaften waren bereits voraus geeilt, aber wir dachten, lass uns am Grat sein wenn das erste Morgenlicht die Szenerie erhält! Das war wichtig denn von Anfang bis Ende der Grattour war gute Orientierung gefragt!

Die Steile Flanke nach der Karmulde konnten wir in Serpentinen und guten Trittfirn ersteigen. Jetzt begann die erste Kletterei hinauf zum „ Oberen Knott“ aber was ist das, der Grat hüllte sich in Wolken! Keine Sonne die uns wärmt!! Weiter auf dem Firngrat hinauf zu den Felsen des Signalkopf. Da sahen wir die anderen Seilschaften, schließlich holten wir sie ein. Grund: Verhauer, zu früh nach Westen gequert! Alex folgte zielstrebig weiterhin unseren Weg aber ein Überholen an diesen ausgesetzten Grat war leider nicht möglich. So ging es weiter bis zur Schlüsselstelle, einem glatten, abdrängenden Riss. Hier war die italienische Dreierseilschaft etwas überfordert! Lange dauerte es bis sie endlich diese schwierige Stelle überwunden hatten. Wir zogen die Steigeisen aus und so war es kein Problem für uns!

Auch an der zweiten schwierigen Stelle, der „Platte“, hatte unsere Vorgänger-Seilschaft einige Probleme und so musste zu guter Letzt ein Flaschenzug einen der Nachsteiger über die Stelle bringen. Für uns brachte auch hier das Klettern ohne Steigeisen wieder die schnelle Lösung.

Jetzt noch über das zweite Schneefeld und ein paar Felszacken und wir stehen ganz oben! Noch war die Sicht auf den Gipfel versperrt aber wir hörten Stimmen, weit kann es nicht mehr sein! Plötzlich war die Sonne da, der Himmel riss auf und das Gipfelkreuz war zu sehen!

Geschafft, endlich nach ungefähr 8h purer Anspannung! Sitzend auf dem Querbalken des Kreuzes machten wir die Gipfelfotos, noch ein Riegel zur Stärkung und gemütlich über die Autobahn zum nächsten Ziel der Payer Hütte! So dachten wir, die anderen Seilschaften waren bereits voraus. Es ging gut, der Firn immer noch gefroren und kein Sulz! Schnell kamen wir voran, nach dem der Ortler Ferner passiert war, ging es aber noch mal zur Sache! 1 Kilometer Abkletterei mit Stellen 3 waren nochmals zu bewältigen, bis schließlich die Hütte erreicht war. Weiterer Abstieg? Wir waren uns einig nein, keine Eile, denn die Hütte lädt zum Verweilen ein. Ich sagte zu Alex: gut gemacht, lass uns einen Obstler auf diese tolle Tour trinken!!

Gut geschlafen ging es am nächsten Tag zurück ins Tal. Der Abstieg ist wirklich sehr schön und wesentlich einfacher! Wir hielten kurz an den großen Felsblock unterhalb der Nordwand inne! Hier sind eine Vielzahl derer festgehalten die ihr Leben am Ortler lassen mussten! Ehrfürchtig blickten wir nochmals auf den Grat und in die Nordwand. Fazit: alle Wege auf den Ortler sind anspruchsvoll!!

R.Goedecke schreibt in seinen Buch „ Auf dem Grat in den Ostalpen“, der Ortler ist eben ein großer Berg.

 

F.Lippmann, A.Werle

 

Kategorie: Aktuell, Hochtourengruppe

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