„Naturschutz mit Sicherheitshaken“

| 23. November 2002 | Keine Kommentare

Internationales Jahr der Berge 2002: Landrat, Alpenverein und UNO-Infozentrum an der Teufelsley – Faszinierende Felsformation ist „in guten Händen“

„Klettersport und Tourismus lassen sich mit Naturschutz in Einklang bringen.“ Landrat Dr. Jürgen Pföhler kehrte von einem Trip in eine der urtümlichsten und wildesten Gegenden des Kreises Ahrweiler zurück. Im tiefen Wald zwischen Hönningen, Dümpelfeld und dem Denntal besichtigte er eine imposante Felsformation: die Teufelsley. Anlass: das von der UNO erklärte „Internationale Jahr der Berge 2002“.

AHRKREIS.Das Jahr der Berge ist auch im Kreis Ahrweiler Thema. „Naturschutz mit Sicherheitshaken“: Landrat Jürgen Pföhler machte sich auf in die Wildnis zwischen Hönningen und Dümpelfeld – und stand bald vor einem beeindruckenden Felsen. Die Teufelsley, ein riesiger Quarzitblock, ist beliebt. Klettersportler aus ganz Deutschland messen ihre Fähigkeiten an der im 90 Grad-Winkel nach oben ragenden Wand.

Das Gestein ist hart. Beim Beklettern bricht es nicht, die eingeschlagenen Sicherungshaken halten. Weil aber immer neue Haken in den Fels gehämmert wurden und das wilde Klettern überhand nahm, musste etwas geschehen. Außerdem war die Teufelsley bereits 1926 als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden. Der Deutsche Alpenverein übernahm 1987 die Patenschaft über den Kletterfels. Der Verein regelt das Klettern und hat sich verpflichtet, keine neuen Haken einzuschlagen. „Wir haben das im Griff“, erklärt Fritz Wiederhold, der Vorsitzende der Sektion Koblenz im Deutschen Alpenverein. Der Kletter-Experte, der den Landrat zur Teufelsley begleitete, legt Wert auf die Feststellung: „Der Alpenverein setzt sich aktiv für das Verständnis gegenüber der Natur und die Pflege der Landschaft ein.“

Der Verein hat unterhalb der Teufelsley eine eigene Hütte errichtet und bildet junge Leute an der Steilwand aus. Neue Haken sind wegen der vorhandenen und festgelegten Kletterpunkte tabu. Landrat Pföhler lobte die organisierten Alpinisten um Fritz Wiederhold als „kompetente Partner“. Die Freizeitaktivitäten an der Teufelsley liefen „in geordneten Bahnen“. Die Felsenlandschaft im Ahrtal sei ein attraktives Wander- und Kletterziel, das einen besonderen Stellenwert in der Tourismuslandschaft einnehme.

„Dieses einmalige Naturerlebnis liegt beim Alpenverein in guten Händen“, sagte Pföhler. Und Wiederhold schwärmte: „Der Bergkegel bietet uns Klettermöglichkeiten wie im Hochgebirge.“ Begleitet wurden der Ahrweiler Amts-Chef und der Alpinist von zwei Fachleuten: Rainer Berg ist – passend zu seinem Familiennamen – Outdoor-Ausrüster und betreibt das „Basislager“ in der Ahrweiler Wilhelmstraße. Und Arne Molfenter ist Pressereferent des Informationszentrums der Vereinten Nationen (UNIC) in Bonn. Molfenter berichtete, was es mit dem UNO-Jahr der Berge auf sich hat: „Dies ist eine Initiative, die an den Umweltgipfel 1992 von Rio anknüpft und Berggebiete stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken soll.“ Ein Drittel der Erdoberfläche seien Berggebiete. Rund zehn Prozent der Menschen lebten in Bergregionen, jeder zweite Weltbürger sei unmittelbar von Veränderungen in dieses Gebieten betroffen. Das Jahr der Berge solle auch dazu beitragen, die sensiblen Gebirgs-Ökosysteme zu schützen und die nachhaltige Entwicklung in den Mittel- und Hochgebirgen zu fördern.

Der UNIC-Referent: „Berge haben eine entscheidende Funktion für das Überleben der Menschheit.“ Eingebunden in diese weltweite Aktion sind alle Regionen, die mehr als 500 Meter über dem Meeresspiegel liegen, was vor allem für Bereiche des westlichen Kreises Ahrweiler zutrifft. Wie im gesamten Ahrkreis, so war es auch bei der Teufelsley der Vulkanismus, der dem Felsblock zu seiner imposanten Form verhalf.

Der 25 Meter hohe Quarzitklotz ragt aus dem devonischen Grundgestein heraus. Durch gigantische Kräfte im Erdinnern drückte sich heißes Silizium im Devongestein hoch und ist dort zu Gangquarzit erkaltet. Erzeinlagerungen sind uralte Zeugen dieses Prozesses. Das wesentlich weichere devonische Gestein ist schneller verwittert als der Quarzit, der wegen seiner Härte stehenblieb.

Rhein-Zeitung vom 23.11.2002

Kategorie: Natur & Umwelt, Presse

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