Nationalpark Stilfser Joch: Die Südseite für Wanderer 2012

| 17. Oktober 2012 | Keine Kommentare

Königsspitze und Cevedale sind Hochtourengehern wohlklingende Namen. Doch auch der Wanderer findet „seine“ Ziele. Die Zugänge dorthin sind das Valfurva (SO) sowie die Peio und Rabbi (TN).

Almen, Krieg und Seen
Nach 2 Tagen Unternehmungen auf halber Höhe (2.-3.9.) mit Talquartier im Valfurva aufgrund eines kurzen Wintereinbruchs fahre ich über den Gavia ins Val Viso zur ersten 2-Tages-Tour (4.-5.9.). Dort steige ich die Militärstraße von den Case, 1750m, urtümliches Almdorf, hinauf zum Rifugio Bozzi am Lago Montozzi, 2480m. Es bietet sich die Gelegenheit, im ausgedehnten Alpini-Lager die Geschichte des „Grande Guerra“ zu erleben und in der Zona Sacra den Opfern zu gedenken.

Klettersteigerfahrung vorausgesetzt kann die Punta Albiolo erklommen werden. Ich wähle statt dessen drei einsame Seen unweit der Forcella Montozzi, die ich unmarkiert querend erreiche. Bevor ich über den Gavia zurückfahre besuche ich das Bergdorf Pezzo: steile Gassen und uralte Brunnen, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Murmel, Steinbock, Eis und Fels
Die Bedingungen für die 3-Tages-Tour „hoch hinaus“ scheinen perfekt (6.-8.9.). Deshalb leiste ich mir den Taxijeep zum Rifugio Branca, 2487m im Forni-Tal. Mehrfach bereiten mir Murmel Freude. Fantastische Panoramen breiten sich über dem Val Cedec aus, von der Königsspitze über Cevedale und Monte Pasquale. Die Wiesen gehen in Moränen einstiger Gletscher über. Meinen Traum „Casati-Alpenglühen“ gebe ich aus Sicherheitsgründen auf, beende den Tag im Rifugio Pizzini, 2700m.

3005m weist die Tafel im Passo Zebru aus, den ich vom Val Cedec ins wilde Val Zebru überquere. Rote bis graue Felsgipfel prägen das Bild zwischen Cime Forni und Zebru. Rutschiger Schotter und ausgewaschene Gräben bereiten weniger Vergnügen. Die Höhenmeter von der Baita Pastore, 2160m, bergan werden mit der Aussicht vom Rifugio Quinto Alpini, 2878m, belohnt. Obwohl die Hütte gut besucht ist, genieße ich als einziger die magischen Momente, in denen die Nacht anbricht und wundervolle Konturen abzeichnet. 

In den Samstag-Morgenstunden beobachte ich einen Steinbock, der scheinbar seines gleichen in mir erkennt und Modell steht. Die Tagesetappe verkürzt mir zufällig ein Taxijeep. Über Passo Gavia und Tonale vollziehe ich anschließend den Ortswechsel ins Peio-Tal.

Künstliche Seen und Gletscher
Bestes Wetter zieht viele Ausflügler ins Val de la Mare, wo ich am 9.9. auf 2000m zum Lago Careser, 2603m, Italiens höchst gelegenen Stausee starte. Zweifellos monumental, nicht minder aber die Kulisse: Monte Vioz, Palon de la Mare, Cevedale mit ihren noch gigantischen Eisfeldern. Lago Nero, Lungo und Marmotte „garnieren“ das imposante Szenario. Genußwandern, das ich als einziger Gast über Nacht im Rifugio Larcher, 2608m, abschließe.

Rauschende Wasser, einsame Seen
Dem Abstieg zur Malga Mare folgt am 10.9. ein zügiger Ortswechsel nach Rabbi. Dort marschiere ich von 1360m ins Val di Saent zum Rifugio Dorigoni, 2437m. Die gewaltigen Cascate Saent bleiben als Höhepunkte in Erinnerung.

Am 11.9. hangele ich mich weglos durch Blockwerk von Steinmann zu Steinmann bis auf 2800m zu den Laghetti Sternai hinauf, erlebe ich Seen unterschiedlichen Charakters (offen und versteckt, türkis bis dunkelfarben), ruhig gelegen, bei kontrastarmer Aussicht.

An der Festungsfront
12.9., Dauerregen. Ich steuere Vermiglio am Tonalepaß an. Dieser war massiv befestigte Grenze zwischen österreichischem Trentino und italienischer Lombardei, wovon u.a. das Museo Forte Strino, zeugt. Eindrucksvoll wird vom Schicksal der Soldaten beider Seiten und dem des Ortes erzählt.

Fazit:
Der Nationalpark präsentierte mir, gerade als Alleinwanderer ohne straffen Zeitplan, eine Palette an Geschichtserlebnis, Natur und großer Bergszenerie. Lediglich blühende Wiesen fehlen Jahreszeit bedingt.

Tobias Krumnow, September 2012

 

Infos:
Wetter: www.3bmeteo.com, m.meteotrentino.it

Karten:
Tabacco 08, 48, 52 und 42.

Hütten:
rifugiebivacchi.cailugo.it

Orte:
www.santacaterina.it, www.valdisole.net

Mit dem Kfz über den Gavia: Die teils nur 2,50m breite, kaum abgesicherte Gavia-Südrampe erfordert fahrerische Erfahrung. Bei gutem Wetter starker Verkehr, besonders Rad- und Motorradfahrer.

 

Kategorie: Sonstige Touren

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