Mit Alex u. „Franck“ auf Hochtour in Savoie

| 20. März 2016 | Keine Kommentare

Mit Alex u. „Franck“ auf Hochtour in Savoie

01.08. – 08.08.15

 

Teilnehmer: Regine, Bianca, Alex, Frank, Mario, Otto, Wladi

 

Der Himmel war Wolken verhangen und es war sehr mild als wir uns auf dem Parkplatz am Ortsausgang von Le Cugnon im Val Montjoie gen Mittag trafen. Inspiriert vom Buch „Die Gipfel des Montblanc“ hatten wir uns einiges vorgenommen. Das eine ist der Wunsch, die Realität sieht meistens anders aus.

Alle beisammen, Ausrüstung gecheckt ging es los. Durch Zirbenwald hinauf zum Berggasthaus Tre la Tete. Die Bäume schützten uns vor den einsetzenden Regen. Wir ließen es ruhig angehen und nach knapp 2h war das Gasthaus erreicht. Regine ging es schlecht und schweren Herzens wurde das ihre erste Bleibe. Nach tröstenden Worten machte sich der Rest auf den Weg Richtung Conscrits Hütte 2.580m. Bald setzte heftiger Regen gemischt mit Graupel und starken Wind ein, die Temperatur sank gegen Null! Es kam uns vor als würde der Regen horizontal auf uns nieder prasseln. Aus kleinen Rinnsalen wurden reißende Bäche die Felsen klitschig und wir trotz guter Ausrüstung durchnässt! Taube Fingerkuppen und teilweise nasse Füße – noch war die Hütte nicht zu sehen! Die Zeit verging und dann sahen wir sie endlich. Ca. 1km noch so schätzten wir und das heutige Ziel war erreicht. Jetzt wussten wir warum am Wegweiser zur Hütte im Tal die Zeitangabe von 4h auf 6h korrigiert war. Der ursprüngliche Weg über den Gletscher war nicht mehr zu passieren.

Der Trockenraum war voll mit triefend feuchter Kleidung und Schuhen, der Gastraum aber warm und nach einer heißen Suppe war die Welt wieder in Ordnung! So langsam verzog sich das schlechte Wetter und der morgige Tag sollte schön werden.

Wir beschlossen den nächsten Tag  zu nutzen um unsere Kleidung, Rucksäcke und Schuhe zu trocknen. Es macht keinen Sinn eine Tour über das Knie zu brechen. Wir hatten die Hütte für uns allein, die Wäscheleinen frei, die Sonne wärmte die Felsen und unsere Ausrüstung konnte trocknen. Am Mittag war das meiste erledigt, Wladi und Otto machten sich auf den Weg zur Aig. de la Berangere, Alex, Mario und ich Richtung Einstieg auf den Gletscher. Uns erwartete ein Trümmerfeld aus Toteis, Felsen, Geröll und Gletschertischen. Der Glacier Tre la Tete hat sich stark zurückgezogen. Schließlich fanden wir einen recht sicheren Zustieg. Steinmänner setzen und zurück zur Hütte. Mittlerweile hatte auch Regine wieder zu uns gefunden und so konnten wir gemeinsam am Montagfrüh zum Domes de Miage 3.673m  aufbrechen.

Noch im Dunkeln ging es los und plötzlich auf halben Weg zum Gletscher spiegelte sich das Licht unserer Stirnlampen in den Augen eines alten Steinbocks! Die ersten Sonnenstrahlen erweckten die umliegenden Gipfel als wir uns angeseilt auf dem Gletscher in Bewegung setzten. Nach 2h war der Col de Domes erreicht, kurze Pause und auf zum Mittelgipfel. Der Himmel war strahlend blau und jetzt lag er vor uns der herrliche schmale Grat! Die Überschreidung begann, was für eine Aussicht, rechts der Blick ins grüne Tal und links auf die vergletscherten Wände der Tre la Tete. Eine riesige Spalte versperrte uns den weiteren Weg kurz vor dem Ostgipfel! Kehrt Marsch und zurück zum Col, den Mont Blanc vor Augen.

War der Firn im Aufstieg noch fest wurde er jetzt immer sulziger. Mit Vorsicht passierten wir die Spaltenbrücken und zum Mittagstisch waren wir wieder auf der Hütte! Es war sehr warm und das sollte auch den Rest der Woche so bleiben! Ganz entspannt und im Geiste den Focus schon auf den „du Tacul“ gerichtet, stiegen wir am Dienstagmorgen ab. Jetzt konnten wir auch die schöne Hängebrücke über ein tiefes Couloir genießen. 4 h und der Parkplatz war erreicht. Leichter Niesel setzte ein, die Ausrüstung in die Autos verstaut begann die Überfahrt nach Chamonix. Auf den riesigen Parkplatz der Seilbahn zur Aig. du Midi 3.800m angekommen wurde die Ausrüstung abermals geprüft und der Proviant erneuert. Hin und zurück buchten wir Tickets.

Oben im Vorraum zu den Tunneln seilten wir uns an, die Steigeisen fest an die Stiefel! Zwei massive verschlossene Gatter mussten wir übersteigen und wir standen auf dem Nordostgrat der Aig. du Midi. Es ging sofort zur Sache, Nebel versperrte die Sicht und es war ausgesetzt, nur keinen Fehltritt dachten wir! Es wurde flacher und nach einem kurzen Gegenanstieg war die Cosmiques Hütte erreicht! Von dieser hat man eine wunderschöne Sicht auf den Montblanc und seine Trabanten uns jedoch versperrten immer wieder Wolkenfetzen den Blick auf die steile Flanke des Tacul 4248m! Für den nächsten Tag war sonniges Wetter gemeldet, allerdings lag die Nullgradgrenze bei 4800m was Alex und mich nachdenklich stimmte. Die Planung für den folgenden Tag war klar, schnell sollten wir sein und um die Mittagszeit auf der Hütte wieder zurück. Otto und Wladi nahmen den Montblanc ins Visier, alle Achtung toi toi toi ist es doch ein weiter Weg, auch und gerade für sie galt das gleiche! Am nächsten Morgen, Otto und Wladi waren bereits einige Stunden schon unterwegs erreichten wir schnell die Flanke. Weit rechts (östlich) war der Einstieg und auf ca. 3.900m passierten wir mit Hilfe einer Leiter eine riesige Spalte. Vorbei an weiteren Eisbrüchen war die Schulter erreicht und kurz vor dem Gipfel hieß es nochmals kräftig zupacken. Der felsige Aufbau mit Stellen im 2/3 Grad verlangte unsere Konzentration! Im Abstieg begegneten wir Otto und Wladi die leider ihren Aufstieg zum Mont Blanc abbrechen mussten! Am Mittag war die Hütte erreicht, kurze Verschnaufpause und zurück zur Aig. du Midi. Im gleißenden Sonnenlicht machten wir uns auf den Weg. An der Station angelangt trennten wir uns, Otto und Wladi fuhren hinab ins Tal und der Rest überquerte mit der Kabinenbahn das Val Blanche Richtung Turiner Hütte! Wie Anfangs schon erwähnt, Wunsch und Realität Zwei die selten zueinander finden. Geplant hatten Alex und ich den Rochefort Grat und ev. den Dent du Geant als Sahnehäubchen und der andere Teil die Tour Ronde! Die hohen Temperaturen hatten sowohl den Gletschern wie auch den Graten stark zugesetzt! Die meisten der Gäste wollten am nächsten Tag auf Grund der Verhältnisse auf den Dent du Geant! Auf Grund all dieser Fakten fiel die Entscheidung  nicht leicht und wir beschlossen für den kommenden Tag ins Tal nach Chamonix zurück zukehren! Die Kabinenbahn hält bei ihrer Fahrt an bestimmten Stellen inne und man hat somit einen faszinierenden Blick auf den Gletscher, die umliegenden Granitpfeiler und Gipfel! Hier wurde große Alpine Geschichte geschrieben! Zurück in der Zivilisation wieder angekommen suchten wir uns in Les Houches ein kleines Hotel. Am Abend waren wir wieder vereint und blickten erfolgreich bei einem Essen auf die vergangenen Tage zurück. Regine, Wladi, Otto kehrten am Freitag zurück in die Heimat, wir bummelten durch Chamonix. Der Boulevard mit seinen zahlreichen Geschäften der renommiertesten Outdoor Firmen, die vielen Cafes laden zu einem Besuch ein! Ausgestattet mit regionalen Spezialitäten traten auch wir am Samstag die Heimreise an.

Fazit: „ Haute Savoyen ist eine Reise wert, in jeder Hinsicht“

 

Frank Lippmann

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Kategorie: Aktuell, Hochtourengruppe

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