Koblenzer Alpinisten räumen Loreley auf

| 8. November 2005 | Keine Kommentare

Mitglieder des DAV im Reinigungseinsatz am Sagenfelsen – Sektion feiert ihr 100-jähriges Bestehen

KOBLENZ/LORELEY. Dass die Loreley auf hartem Fels Platz nehmen muss, ist sie seit Urzeiten gewohnt. In Zeiten der Discounter-Gesellschaft hat die blonde Sagenschönheit aber auch immer mehr Müll und Unrat an ihrem angestammten Aussichtspunkt zu erdulden. Am Wochenende räumten Mitglieder des Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion Koblenz, und heimische Helfer mal wieder gründlich auf.
Die Koblenzer DAV-Sektion feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen und wollte daher auch ihrer jährlichen Umweltaktion eine besondere Note geben. „Es sollte etwas Größeres und Besonderes sein“, erklärt deshalb Naturschutzreferent Bernd Schmeißer. Drei Schraubkarabiner hängen an seinem Klettergurt, auf dem Kopf trägt der bärtige Mann einen Schutzhelm. Eine ungewöhnliche Ausrüstung zum Müll- sammeln, sollte man meinen. Doch die Bergfreunde heben nicht einfach nur Bonbonpapierchen am Wegesrand auf. Gut gesichert seilen sie sich ab, 125 Meter über dem Wasserspiegel des Rheines, um entlegene Stellen in den steilen Hängen zu erreichen.

„Mit Jeans und Turnschuhen wäre das lebensgefährlich“, warnt der Sektionsvorsitzende Thomas Leininger. Allzu dramatisch bewertet er den Einsatz an der subalpinen Loreley allerdings auch nicht: Als „Freizeitgelände“ bezeichnet er die schroffen Felsen. Es gebe genügend geübte und erfahrene Kletterer in den eigenen Reihen.

Die DAV-Gruppe in Kob-lenz zählt schließlich deutlich mehr als 3000 Mitglieder, denn sie deckt das gesamte nördliche Rheinland-Pfalz ab. Vor sechs Jahren hat die Sektion für ein ähnliches Engagement an der Festung Ehrenbreitstein einen Umweltpreis erhalten. Gerade die Männer und Frauen an den Seilen sammeln nicht nur Abfall, sondern schaffen ebenso mit der Motorsäge. Sie schneiden totes Holz heraus und fällen Robinien (Scheinakazien), die nicht in die mittelrheinische Kulturlandschaft passen. So entstehen Sichtfenster. Die Loreley mit ihrem Kamm und ihre Verehrer können wieder zu den Schiffen auf dem Strom hinunterblicken. „Das haben wir vorher mit der Landespflege abgestimmt“, erklärt Uli Lenz von der Verbandsgemeinde Loreley.

Schlimmer noch als unerwünschte Vegetation setzen aber die Müllmassen dem prominenten Herz des Welterbes Oberes Mittelrheintal zu. „Das wilde Entsorgen nimmt allgemein wieder zu“, fürchtet Thomas Leininger. Vor allem Dosen, Flaschen, Chipstüten und andere Plastikhüllen wandern in die blauen Säcke. Typische Dinge eben, die Touristen im Vorbeilaufen fallen lassen. Einige Fundstücke besitzen jedoch auch Unterhaltungswert: Ein halbes WC-Becken etwa oder eine Tasche voller Scheckkarten, einem amerikanischen Ausweis und altem deutschem Münzgeld. Ein Krückstock bereichert ebenfalls das Sammelsurium. „Da muss ein Wunder geschehen sein“, vermutet Uli Lenz, „den hat einer vor Freude weggeschmissen, als er die Loreley gesehen hat.“   Thorsten Stötzer

Rhein-Zeitung vom 8.11.2005

Kategorie: Natur & Umwelt, Presse

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