Klettersteigkurs Alpin 2013 – Simonyhütte

| 9. Oktober 2013 | Keine Kommentare

Grenzerfahrungen im Dachstein – jeder klettert was er kann

Anfang September startete eine spannende Woche im Dachsteingebirge. Wir trafen uns an der Seilbahn in Hallstadt – Obertraun. Wir, das waren: Wolfram, Volker, Peter, Jutta und Ruth. Und natürlich Paul, unser Ausbilder, der am Ende der Woche mit einer gut trainierten Herde durchs Gebirge zog. Der Aufstieg zur Simonyhütte auf 2200 m zog sich in die Länge, die Rucksäcke drückten auf den Schultern. Voller Vorfreude auf ein gutes Essen kamen wir rechtzeitig an. Nicht mehr da war der gute Koch Florian und so aßen wir, was auf den Teller kam. Unterm Dach machten wir es uns im Matratzenlager bequem und hörten in der Nacht das schlechte Wetter auf und durch die Ritzen ziehen.

Schöberl zum Einstieg:

Für unseren ersten Tag im Dachstein hatten wir uns die Klettersteige am 2422 m hohen Schöberl vorgenommen. Ein schöner, kugeliger Berg in der Nähe unserer Hütte. Aber erst mal machte der Wettergott einen Strich durch die Tour, weshalb wir in die überdachte Soline in Hüttennähe gingen. Der Vormittag hatte so einige Überraschungen für uns bereit. Ruth pendelte beim Abseilen gegen den Felsen und Jutta jauchzte “schööön“, als sie im Seil plötzlich ein Stück wie im Lift nach unten fuhr. Wir übten die Klettersteige und was man so brauchen kann: Seil- und Knotenlehre. Nützliches für Tourenplanungen und Ernstfälle standen ebenso auf dem Lehrplan, wie das Klettersteigalphabet von A bis D. Paul hatte alles und uns im Griff. Die erste Regenpause führte uns dann endlich an die richtigen Klettersteige “Moni“ und “Sigma“. Zufrieden erreichten wir Ruth’s ersten Gipfel, den Schöberl und hatten einen Vorgeschmack auf das, was uns in der Woche in der realen Bergwelt so erwartete.

Erster scharfer Test am Wildkarsteig:

So gut vorbereitet führte unsere nächste Tour zum Wildkarsteig und zum Vorderen Niederen Kreuz auf 2560 m Höhe. Peters großer Tag. Und das, obwohl er eigentlich an die Nordsee wollte und zwischendurch vom Strandkorb träumte. Stattdessen ging er tapfer und ohne Hilfe den Wildkarsteig hinauf. Jutta und Ruth waren noch nicht so gut eingelaufen und mussten an einer grimmigen D-Stelle an Paul`s Sicherungsseil. Weitere Gipfel fielen für den Tag ins Wasser.

Theorie- und Klöppelstunde in der Soline:

Schnarcher und Sturm zogen durchs Schlaflager. Planänderungen in aller Frühe. Wir konnten noch mal schlafen und träumten vom Strandkorb…Müßiggang kam nicht in Frage und so ging es wieder in den Naturfelsgarten. Klettersteige üben, Seilzüge bauen und schwere Männer von leichten Frauen durch kleine Ösen ziehen. Nachmittags nahmen wir uns noch mal den Schöberl vor, den “Steinbocksteig“ hinauf und den “Monisteig“ hinunter.

Hochalpine Gipfeltour und Dachsteinüberschreitung:

Die Sonne lachte und zeigte uns die Schönheiten des Dachsteins. Gut gerüstet brachen wir früh zu unserer großen alpinen Tour und Dachsteinüberschreitung auf. In Seilschaft mit Steigeisen querten wir den Hallstätter Gletscher. Spätestens da waren wir eine Herde im Gleichschritt. Manche hatten das erste Mal Steigeisen unter den Füßen. Am Besten gerüstet war Peter, ein leuchtendes Outfit mit perfekter Brille. Ähnlichkeiten mit Puck der Stubenfliege waren nur zufällig, aber unverkennbar. Zäh wie ein Puck meisterte er auch diese 11 stündige Tour. Ein leichter Klettersteig erwartete uns nach dem Gletscher und führte uns zum 2995 m hohen Dachsteingipfel. Wir waren dort nicht alleine, aber glücklich. Gipfelerlebnisse, karge bizarre Berge, verspielte Wolken und endlose Weite ließen Augen feucht werden. Gut gestärkt und berauscht von Gipfelgefühlen gingen wir an der anderen Seite hinunter über den nächsten Gletscher, zur Steinerscharte,  einen weiteren  Klettersteig hinauf und über den Hallstätter Gletscher zurück zur Simonyhütte. Zufrieden und noch pünktlich zum Abendessen kamen wir an. Eine der schönsten hochalpinen Touren der Ostalpen lag hinter uns.

Schontag über den Koppenkarsteig und Psychotest auf der Seilbrücke:

Wir hatten uns einen Schontag verdient oder das, was Paul dafür hielt: Den ganzen Tag durch die Berge laufen, aber in “einfachem“ Gelände. Hinter der Simonyhütte den Berg hinauf, über Geröll und den Hallstädter Gletscher zum großen Koppenkarsteig. Ein leichter Klettersteig mit grandioser steiler Aussicht ins Tal. Eine Grat-Wanderung, die Peter den Schontag ernst nehmen ließ. Die eigentlichen Herausforderungen waren zunächst noch nicht sichtbar. Und dann tauchte sie auf – die Seilbrücke! Volker und Wolfgram gingen rüber, cool wie immer.  Jutta und Ruth waren nicht cool und nahmen die Umleitung, wurden aber von Paul erwischt. So dünne, schwankende Seile über dem Abgrund, das konnte nicht gut gehen… Paul kannte keine Gnade und demonstrierte ein Sherpa-Dancing in luftiger Höhe. Mit guten Ratschlägen und Geduld trieb er uns aufs Seil. Jutta schaffte ein Stückchen. Ruth bewegte sich starren Blickes langsam vorwärts über das schwankende Seil auf die andere Seite. Schon wieder wurden Augen feucht. Der Schontag ging weiter. Ein langer Abstieg über den Hunerkogel-steig zur Südwandhütte, auf 1910m Höhe. Ein traumhafter Sonnenuntergang und ein Schlaflager unter dem Dach ließen uns endlich zur Ruhe kommen. Der Schontag fing an…

Härtetest am “Anna-  und Johannsteig“:

Volkers und Wolframs großer Tag. Peter entschloss sich endlich seinen Schontag in der Sonne und ohne Nordsee zu genießen: „Ich habe mehr geschafft, als ich jemals gedacht hätte“. Und so haben wir es ihm gegönnt. In Sichtweite zur Südwandhütte streckten “Anna“ und “Johann“ uns ihre steile, abweisende Seite entgegen. Jutta und Ruth gingen mit und hatten sich den “Annasteig“ vorgenommen. Der Einstieg klappte, aber Umkehr war dann die klügere Entscheidung. Zu viele grimmige Stellen. Ein Treffpunkt nachmittags auf der Seethaler Hütte war ausgemacht. Anna-, und Hunerkogelsteig wurden kräftesparend mit der Hunerkogelbahn gebypasst. Jutta und Ruth gingen noch mal den Koppenkarsteig. Ruth ging mit einem Grinsen im Gesicht über die Seilbrücke. Paul, Volker und Wolfram schafften zuerst den “Anna-Steig“ und stellten sich dann dem noch schwierigeren “Johann-Steig“. Willensstark und ehrgeizig haben sie alle Hürden genommen, bis auf eine besonders grimmige E-Stelle. Volker und Wolfram kamen nun auch an ihre Grenzen. Nach 2-3 Sprüngen ins Klettersteigset hat eins der Sets seine Funktion als Bandfalldämpfer unter Beweis gestellt und Paul war mit seinem “Sicherungsseil“ gefragt. Aber dennoch, die Leistung war herausragend. Nach sechs Stunden und 900 Höhenmetern war der Gipfel und die Seethaler Hütte erreicht. Ein großes Bier war mehr als verdient! Kurz darauf traf auch der Rest der “Herde“ ein und mit noch einem großen Bier wurden unsere drei Helden gefeiert.

Resumè:

Eine intensive Woche mit Härtetest‘s ging zu Ende. Wir waren Anfänger. Jeder hatte andere Vorstellungen und fing woanders an. Das Durcheinander wurde zum Miteinander. Wir haben uns weiter entwickelt, Stärken und Grenzen kennen gelernt, mit „eigenen“ Bergen, Seilbrücken, hochalpinen Touren oder abweisenden Stellen. Jeder weiß, was er kann und wo er ohne fremde Hilfe heil rauf und wieder runter kommt. Und  Paul lernte Frauennamen zu unterscheiden und die Grenzen seiner Notfallmedikamente kennen….

„Unsere Wünsche sind die Vorboten der Fähigkeiten, die in uns liegen“
Johann Wolfgang von Goethe

Ruth Carl

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Kategorie: Ausbildungsberichte

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