Klettern der HTG im Aostatal Juni 2010

| 21. Juni 2010

Eigentlich hatten sich alle auf´s Klettern im Wilden Kaiser gefreut – aber, wie das in den Bergen halt so ist, es hat Neuschnee gegeben und die Wetteraussichten waren auch nicht vielversprechend. So musste relativ spontan ein neues Ziel gefunden werden.

Laut Alpenvereinswetterbericht würde es unter anderem im Aostatal sonnig und warm werden. Also schauten wir uns im Internet an, was es dort für Klettermöglichkeiten gab- und wir wurden fündig und freuten uns auf ein für uns unbekanntes Gebiet.
Stützpunkt wurde der sehr schön gelegene Campingplatz Mombarone in Settimo Vittone, geeigneter Ausgangspunkt für Klettertouren im Gebiet zwischen Arnad und Bard.
Als Kletterführer empfiehlt sich der dreisprachige Mani Nude 2 von Massimo Bal und Patrick Raspo (ISBN-978-88-90112-57-7), den man im Buchladen vor Ort kaufen kann.
Von den Klettergebieten, der Landschaft und der Kletterei selbst waren wir begeistert. Mehrseillängentouren ohne Ende in rauem Granit mit anfänglich gewöhnungsbedürftiger, später aber begeisternder Reibungskletterei und super Absicherung warteten auf uns. Wenige Touren findet man im Grad 5b, die meisten finden sich ab 5c aufwärts, vornehmlich im sechsten und siebten Grad.
Zum Einklettern begannen wir mit einer neuen Fünfseillängen-Tour im Grad 5b im Settore sinistro der Placche di Oriana. Auf einer kleinen Bergstraße erreicht man das verträumte Bergdörfchen Courtil, von dort sind es noch etwa 40 Minuten bis zum Einstieg. Ab der dritten Seillänge schaut man von Süden her auf Breithorn und Matterhorn.
Eine absolute Traumtour ist die Bucce d`Arancio am Paretone. Ein leichter Klettersteig führt vom Parkplatz zum Einstieg. 7 SL im Grad 5c mit anhaltender Schwierigkeit, aber auch sehr guter Absicherung warten auf uns mit immer neuen Ein- und Ausblicken auf die unter uns liegende Festung Forte di Bard und die umliegenden Berge.
Und es war warm, um nicht zu sagen heiß, weshalb das Aostatal als Kletterziel auch eigentlich nur im Frühjahr oder Herbst empfohlen wird. Erfrischend ist der Wind, der oft ab Mittag aufkommt, bei stärkeren Böen dann aber auch schon wieder störend wirken kann.
Der Abstieg war für uns ein Erlebnis für sich. Über blühende Bergwiesen ging’s durch einen kleinen Meiler mit frischem Brunnenwasser und durch alte Kastanienhaine schließlich auf einem sehr gut angelegten Klettersteig am Fuße des Paretone zurück zum Parkplatz.
Der dritte Klettertag führte uns in das Bergdörfchen Albard di Bard von wo aus wir am Monte Coudrey klettern wollten. Allerdings hatten wir hier richtig Mühe, den Einstieg zu finden und mit einigen Verhauern war die Zeit dann doch schon fortgeschritten.
Wir beschlossen die ersten vier SL unserer geplanten Tour Dr. Jimmy zu klettern und dann wieder abzuseilen. Aber wir kommen wieder – es war der reine Genuss an diesen herrlichen Platten in völliger Einsamkeit zu klettern- und dann werden wir die 12 SL angehen…

Heike Schuster-Hulley

Kategorie: Hochtourengruppe

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