Klettergrüppchen in den Vogesen

| 17. März 2016 | Keine Kommentare

Es ist schon ein wenig vermessen, unter der Rubrik „Klettergruppe“ einen Bericht über unsere diesjährige Pfingst-Kletterfahrt in die Nordvogesen zu veröffentlichen – ganze 2 (in Worten: ZWEI) Mitglieder der Klettergruppe der Koblenzer Alpenvereinssektion haben an der Tour teilgenommen: Katrin und meine Wenigkeit.

Bei derzeit etwa 15 weiteren aktiven Mitgliedern der Klettergruppe fragt sich der Berichterstatter schon, woran die enttäuschende Beteiligung liegt und ob es überhaupt noch Sinn hat, solche Fahrten im Rahmen eines offiziellen Vereinsprogramms anzubieten und durchzuführen. Dass die Fahrt letztendlich dennoch ein „Erfolg“ für den DAV wurde, lag maßgeblich an den Mitgliedern der Sportklettergruppe Albatros, die sich ebenfalls für ein Kletterwochenende im Vogesen-Sandstein eingefunden und spontan mit uns zwei Klettergrüpplern „verbündet“ hatten: Ralf, Kerstin, Horst und Björn sowie Frank und Andrea nebst ihren beiden Kindern. Insgesamt waren wir eine kleine, aber feine Truppe, die auch in gemischten Seilschaften bestens funktionierte, und das nicht nur in sportlicher, sondern auch und vor allem in zwischenmenschlicher Hinsicht.

Bei gutem Wetter konnten wir neue Kletterfelsen kennen lernen und etliche lohnende Routen klettern. Die „Gruppe Ralf“ war schon am Samstag angereist und hat den Rocher de Point de Vue, den Langenfels und die Waldeck unsicher gemacht. Am Pfingstsonntag hatten Katrin und ich uns am Rocher Philippe bei Philippsbourg verabredet, kurz danach traf auch Frank mit seiner Familie dort ein. Erstaunlicherweise waren wir den ganzen Nachmittag völlig allein am Fels und konnten in aller Ruhe die großzügigen Linien an der hohen Talwand genießen wie die Quitte ou double (6b), Feeling (6a+), La marche de Siècle (6a), Prudence ou abstinence (6a+) oder Itinéraire de délestage (5c). Die schöne Kletterei, die sehr gute Absicherung und der kurze Zustieg zum Fels haben die die zugegebenerweise doch recht weite Anfahrt allemal gelohnt. In Erinnerung wird mir die Schlüsselstelle der Quitte ou double bleiben: in einer senkrechten Platte muss man gleichzeitig auf zwei halb-Fingernagelgroßen Kieselsteinen antreten und sich gaaaanz laaaang machen, um einen guten Griff zu erwischen. Man will es zunächst nicht glauben, aber es funktioniert!

Zum gemeinsamen Abendessen trafen wir uns alle kurz hinter der deutschen Grenze in Schönau, wo Ralf eine Ferienwohnung gemietet hatte. Frank und seine Familie waren mit dem Wohnmobil unterwegs und verbrachten die Nacht auf dem Naturfreunde-Campingplatz bei Vorderweidenthal. Nur Katrin und ich wussten noch nicht so recht, wo wir unsere Zelte aufschlagen sollten. Nach dem ausgiebigen Abendessen dämmerte es schon stark und die Campingplätze waren bereits zu. Also fuhren wir kurzerhand zum Parkplatz an den Fladensteinen oberhalb von Bundenthal. Wir waren nicht die einzigen, die dort ein ruhiges Plätzchen für die Nacht gesucht hatten. Schön war es, noch mal „wild“ zu campen. Am Morgen begrüßte uns die Sonne und blauer Himmel, wir frühstückten gut und packten unsere trockenen Zelte ein. Für Pfingstmontag hatten wir uns alle zusammen verabredet: wir wollten uns mal den Krappenfels anschauen, der gleich hinter der Grenze in der Nähe der Burg Fleckenstein beim Gimbelhof liegt. Das Besondere an diesem Fels ist seine leicht geneigte Talwand, die an einer Schichtfläche zahlreiche kleine, aber sehr harte und gut griffige Leisten aufweist. Derartige „Eisenplatten“ sind auch aus anderen Sandsteingebieten, z. B. dem Elbsandsteingebirge oder dem Berdorfer Klettergebiet bekannt. Sie bieten tolle, genussvolle Kletterei, die auch uns begeistert hat. Es fällt schwer, unter den zahlreichen 5c – 6a Touren die schönste herauszupicken. Ralf stieg mit der auf der Ostseite gelegenen Les voies du CAF sont impénétrables (6c+) die schwerste Route des Tages vor – eine tolle Leistung.

Am frühen Nachmittag hatten wir alle genug vom Fels und als ob es so sein sollte, setzte gerade, als wir zurück an unseren Autos waren, der schon länger angekündigte Regen ein. Es war das Glück der Tüchtigen und Unerschrockenen. Oder so ähnlich. Uns haben die zwei Klettertage in den Vogesen jedenfalls sehr gut gefallen und jeder, der nicht dabei war, hat etwas verpasst.

 

Peter May

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Kategorie: Klettergruppe

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