In den Lechtaler Alpen

| 14. Oktober 2017 | Keine Kommentare

Die Tour führt uns im Juli 2017 in die Nördlichen Kalkalpen. Auf dem Hauptkamm der Lechtaler Alpen folgen wir in einer Höhe zwischen 2.000 und 2.600 Metern von West nach Ost dem Lechtaler Höhenweg. Die acht Bergsteiger/Innen Christian, Harald, Jens, Jutta, Michael, Sabine, Wolfram und ich begeben sich auf acht anspruchsvolle Etappen.

Die Sonne scheint. Sabine denkt noch im Tal über eine neue Regenjacke nach. Schon beim Aufstieg von der Pension Gustl in Pettneu (Bild 00) zum Kaiserjochhaus können wir die wilde Ursprünglichkeit der Landschaft erahnen. Zunächst führt uns der auf der Südseite liegende Anstieg über die Nessleralm über Wiesen, durch steile Waldpassagen und später über drei Steilstufen hinauf zur Hütte. (Bild 01) Guter Sonnenschutz ist angesagt. Wir sind auf dem Hauptkamm. Jeder von uns kommt auf seine Weise an: Jens z.B. sprintet hoch zum Stanskogel auf 2.775m und ist in unglaublichen 2,5Std. wieder zurück. Andere steigen auf die zwei Hausberge unweit der Hütte, zum Malatschkopf und Grießkopf. (Bild 02) Von hier oben bietet sich eine schöne Aussicht in das Lechtal, den Allgäuer Alpen und südlich in das Verwall mit dem Hohen Riffler als Blickfang. Ein mir gut bekannter Gipfel von unserer vorjährigen Verwallrunde. (Bild 03)

Die Etappe zur Ansbacher Hütte führt durch viele Rinnen und Tobel und ist teilweise mit Stahlseilen gesichert. (Bild 04) Immerhin 5 Scharten bzw. Joche sind zu überwinden. An der Kridlonscharte haben wir einen großartigen Blick auf den ein gutes Stück unterhalb liegenden Hintersee. (Bild 05) Das Wetter ist stabil. Daher entschließen wir uns zur Überschreitung der Samspitze, 2.624m. Aus dem Alperschonjoch geht es anfangs auf Steigspuren, später auf geröllreichem felsigen Grat zum Gipfel. (Bild 06) Hinab führt ein guter Steig direkt bis zur Hütte. Der Hüttenwirt wirkt auffallend wortkarg als wir uns nach dem Wetter erkundigen. Am Abend steht fest: für die nächsten Tage ist Starkregen und Gewitter angesagt, die Schneefallgrenze sinkt auf 2.500m. Wir planen um: Memminger Hütte und Württemberger Haus werden aus dem Tourplan gestrichen. Harald bucht für uns in Landeck ein Hotel direkt am Inn. Am nächsten Morgen steigen wir bei kräftigem Regen und Hagel, anfangs über steile Wiesen, (Bild 07) in das Stanzertal ab und erreichen triefnass das Hotel. Wir bleiben 2 Nächte.

In Zams besuchen wir Tirols mystische Klamm: die Zammer Lochputz Klamm. In jahrtausender langer Arbeit hat das wilde Wasser diese Mystik geschaffen. Der Wasser-Erlebnis-Steig lässt uns über Stollen, Steige und Brücken in diese Naturschönheit vordringen. (Bild 08) Uns wird ein beeindruckendes Naturschauspiel geboten. Ein tolles Erlebnis. Haralds GPS führt uns zu einem schwer zu erreichenden Cache nahe dem Wasserfall. (Bild 09) Für Jens eine willkommende Klettereinlage. Und Sabine nutzt die Gelegenheit ihren vor 4 Tagen gehegten Gedanken endlich zu verwirklichen: die Regenjacke. Nicht vergebens.

Am 6. Tag steigen wir wieder auf. Bei durchgängig leichtem Regen erreichen wir ab Alpe Alfuz auf mäßig steilen Wanderwegen, durch Wälder und weite Almflächen die Steinseehütte. Wir befinden uns inmitten eines gewaltigen Gebirgskessels. Die Steinseehütte liegt wunderschön eingebettet in eine beachtliche alpine felsige Gesellschaft namhafter Klettergipfel bis zu 2.750m. (Bild 10) Die Berge sind bis hinunter auf 2.100m weiß. Die Hüttenwirtin hat für uns am Abend ein besonderes Schmankerl zubereitet: Spaghetti mit hausgemachtem Bergkräuterpesto.

Zur Hanauer Hütte wählen wir den Gufel-Weg in westliche Richtung über die Steinkarscharte. (Bild 11) Haflinger stellen sich uns in den Weg. (Bild 12) Es folgt ein landschaftlich schöner Abstieg zur Vorder Gufel. Über das Vorder Gufeljöchl erreichen wir den Gufelsee, (Bild 13) eine grün-türkise Perle direkt unter den steilen Wänden der mächtigen Parzinnspitze. Unweit vom Gufelseejöchl haben wir das Glück bis auf etwa 10m an eine Herde ausgewachsener Steinböcke heranzukommen. Wegen dem Schnee haben sie sich zur Futtersuche in eine tiefere Gegend begeben.

Am folgenden Tag sind ab Hanauer Hütte individuelle Touren geplant. Michael und Jens toben sich im I. und II. Schwierigkeitsgrad an den Felsen der Dremelspitze, 2.733m aus und Wolfram geht sportlich deren Umrundung über die östliche und westliche Dremelscharte an. Jutta, Sabine und ich entdecken gemeinsam mit Harald weitere Spielarten des ansteckenden Geocaching . Gelegentliche Regenschauer verhindern den Einsatz der für uns reservierten Klettersteigsets an den Klettersteigen in Hüttennähe.

Wir sind auf dem Weg zur Muttekopfhütte. Mit diesem letzten Übergang wird es nochmals richtig alpin. Nach dem Schlenkerkar folgen einige Kehren über einen Steilhang zum Galtseitejoch hinauf. Der Steig zieht ein wenig ausgesetzt durch die mürben Kübelwände auf schrägen, gebänderten Felsschichten höher. (Bild 14) Schließlich erreichen wir die Muttekopfscharte. (Bild 15) Einige lassen sich den Abstecher auf den nahen Muttekopf, 2.774m nicht entgehen. (Bild 16) Bergab zur Hütte geht es im Zickzack über steiles, seilgesichertes, gerölliges Terrain. (Bild 17)

Nach Imst nehmen wir den kürzesten Weg: den exponierten, gut gesicherten Drischlsteig zur Bergstation der Sesselbahn unter dem Alpjoch. Jens sagt: „Ich bin zu Fuß schneller im Tal als ihr mit der Sesselbahn.“ Die Wette gilt. Immerhin sind es 1.075Hm bis zur Talstation Hochimst. Wir schweben schließlich bequem ins Tal. (Bild 18) Für jeden von uns genügend Zeit für Rückblicke auf gemeinsame Tage in einer beeindruckenden, abwechslungsreichen, wunderschönen Landschaft, die nicht zuletzt durch eine grandiose Felswelt geformt wird. Auf den letzten Metern nach Imst lassen wir uns in der Rosengartenschlucht den Kampf zwischen Gestein und Wasser nicht entgehen. (Bild 19)

Text und Bildauswahl: Volker Glöß

Wer die Wette gewonnen hat erfahrt ihr in der BergPostille 1/2018.

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Kategorie: Bergsteigergruppe, Berichte

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