In den Hohen Tauern auf steilen Pfaden zum Großvenediger

| 21. September 2014 | Keine Kommentare

Wir trafen uns um 5.15 Uhr am Koblenzer Bahnhof. Wir sind Volker, Michael, Ruth, Sabine, Angelika, Elisabeth und Markus. Jutta kam mit dem Auto und Wolfram traf uns erst auf der ersten Hütte. Die Tour wurde von Volker perfekt (!) vorbereitet. So konnten wir entspannt zu unserem Abenteuer aufbrechen, trotz 3x umsteigen. In Kitzbühel erwartete uns schon ein Taxi, das uns bequem vor das Matreier Tauernhaus (1512m) brachte, unserem Ausgangspunkt, der direkt hinter dem Austritt durch den Felbertauerntunnel auftauchte. Das Wetter war gut und die steilen Berghänge bildeten ein tolles Panorama. Wir sind mal wieder in den Bergen, herrlich! Weiße Flecken ließen erkennen, dass der Schnee nicht ganz geschmolzen ist. Im Biergarten genossen wir den ersten Kaiserschmarrn und Palatschinken. Ein Teil der Gruppe lief ins Tal hinein am Tauernbach vorbei bis zum Außergeschlöß. Beim Abendessen kam der erste Zweigelt auf den Tisch, der gut zum Spinatknödl passte.
Am nächsten Morgen erwartete uns der erste größere Anstieg. Es ging auf die St. Pöltner Hütte (2481m). Es war warm und wir konnten im Schatten der Bäume in Serpentinen die ersten Höhenmeter überwinden. Es ging vorbei an drei malerisch gelegenen Seen (Bild 1). Am letzten See, dem Grausee nahmen wir eine längere Pause, genossen die Sonne und den Blick in die Berge. Ein Teil der Gruppe gönnte sich noch den ersten Gipfel, den Messelingkogl – 2694m (Bild 2), bevor es mit einer Stunde Verzögerung weiterging zur Hütte. Nach einer kleinen Kletterei lag die Hütte unter uns, ebenso Berghexen, die ein Sonnenbad nehmen. Der frische Apfelstudel schmeckte auf der Terrasse wunderbar. Nach 18 Uhr verschwand die Sonne und es wurde schlagartig kalt. Der freundliche Hüttenwirt Reinhold erklärte uns das morgige Wetter und die Wege. In der ersten Nacht auf rund 2.500m schliefen die meisten eher schlecht. Wir mussten uns noch an die Höhe gewöhnen.
Der nächste Tag ist ein Sonntag, aber davon merkt man in den Bergen nichts. Nach ausgiebigem Frühstück starteten wir um 8 Uhr. Angelika und Markus führten die Truppe in einer langen Tour zur Neuen Prager Hütte (2796m), die wir um 17 Uhr erreichten. Auf dem St. Pöltner Westweg, der gleichzeitig der Venediger Höhenweg ist, ging es ohne große Höhenunterschiede auf der Südseite einen Bergkamms entlang, im Blick immer den Großvenediger, der schnee- und eisbedeckt vor uns lag (Bild 3). Die ersten Schneefelder waren zu überqueren. Sie sollten uns auf der ganzen Tour reichhaltig zur Verfügung stehen. Überall schoss das Wasser vom Berg hinab. Es gab genug Möglichkeiten, seine Wasserflasche wieder aufzufüllen. Wir kamen vorbei an Kühen, Schafen, Bergziegen und einer Kreuzotter (Bild 4). Nach einem schwierigen Abstieg mit viel Wasser und Steinen erreichten wir die Talsohle (Bild 5), um dann wieder 600m aufzusteigen zur Hütte. Dabei führte der Weg auch an der alten Prager Hütte vorbei. Zum ersten Mal liegt der Gletscher (Keesboden) direkt vor uns. Wie wir später am Venedigerhaus im Tal nachlesen konnten, hat sich der Gletscher bereits vor 150 Jahren Stück für Stück zurückgezogen. Die letzten Meter durch Schnee und über viele Steine war beschwerlich. Eine Jacke und eine Uhr gingen verloren, kamen aber auch wieder zum Vorschein. In der Hütte wurden wir von Claudia, der Tochter des Hüttenwirts gut versorgt. Es gab sogar eine heiße Dusche.
Der Hüttenwirt hatte für den nächsten schlechtes Wetter prognostiziert und er hatte Recht. Bereits um 8 Uhr waren wir unterwegs zur Badener Hütte (2608m), Gehzeit ca. 5 Stunden. Zuerst ging es hinunter an der Alten Prager Hütte vorbei, wo wir die ersten Kleidungsstücke schon in die Rucksäcke verstauten. Auf dem Venediger Höhenweg ging es über riesige Felsplatten, die der Gletscher in der Vergangenheit glatt poliert hatte. An den Seitenmoränen konnte man die ursprüngliche Höhe des Gletschers gut ablesen. Ab dem „Auge Gottes“ führte der Weg wieder 600m aufwärts zum Löbbentörl (2770m). Es fing an zu regnen und wir zogen uns entsprechend an. Wir überquerten am laufenden Band Schneefelder und wir mussten gut aufpassen. Das Löbbental auf der anderen Seite erwartete uns mit viel Grün. Der Weg zur Hütte ist beeindruckend und abwechslungsreich und er wäre sehr schön gewesen, wenn die Sonne geschienen und kein Schnee gelegen hätte. Hinter jeder „Kurve“ erwarteten wir den Blick auf die Hütte und wir wurden oft enttäuscht. Endlich sahen wir immerhin eine Fahne, die zurecht darauf schließen ließ, dass die Hütte nicht mehr weit war. Die Hütten hatte einen kleinen Trockenraum, der bei der Vielzahl der Wanderer mit nasser Kleidung überfordert war. Überall in der Wirtsstube hingen Sachen zum Trocknen. Martin vom Hüttenteam überraschte uns damit, dass er sich in kürzester Zeit alle Vornamen merkte (Bild 6). Hier wurde auch das einzige Mal Skat gespielt. Das Hüttenteam versorgte uns bestens (Kaaspatzen, Spaghetti Bolognese, Palatschinken, Zweigelt), auch mit den Wetterprognosen für den nächsten Tag. Mit erhöhter Steinschlaggefahr an der Galtenscharte musste gerechnet werden.
Unsere nächste Hütte ist die Bonn-Matreier Hütte (2750m). Es ist bewölkt, aber trocken. Der Höhenweg führt uns durch grüne Wiesen, über Bäche, Stock und Stein Richtung Süden (Bild 7). An der letzten möglichen Abzweigung steigt Markus ins Tal ab. Auf der Johannishütte wollte man sich wiedersehen.

Alle anderen gingen weiter. Ein hochalpiner Übergang (Bild 8) lag vor uns. Ausgesetzte Passagen, Felsstufen zum Teil mit Seilversicherungen, ein steiles Geröllfeld mit Seilversicherung in luftiger Höhe (für die Kleinen von uns eine große Herausforderung) und ein steiles Schneefeld waren zu überwinden bis wir Galtenscharte (2871m) und Kälberscharte (2791m) gut hinter uns bringen konnten (Bild 9). Geschafft und trocken erreichten wir die Bonn – Matreier Hütte. Wolfram hatte noch Energie übrig und nahm sich noch schnell einen Dreitausender (Raukopf) in Hüttennähe und genoss in Ruhe die Bergwelt (Bild 10). Wir haben warm geduscht, schon ein Bierchen oder Weinchen verdrückt, bis auch er zufrieden bei uns eintrudelte. Der aufziehende Regen war uns diesmal egal und wir genossen ein Buffet mit Salat und Gemüse.

Am nächsten Tag, Dienstag lachte die Sonne (Bild 11) . Stetig bergauf und bergab wurden wir endlich mit einer ordentlichen Mittagspause in der Eissee-Hütte (2511m) belohnt (Bild 12). Wir genossen die Sonne…, um dann doch im Regen aufzubrechen. Diesmal blieb es bei einem kleinen Schauer. Wir wanderten in das Timmeltal und in steilen Kehren hinauf zur Zopatscharte (2958m). Geröll und Schneefelder haben nicht gefehlt. Über blumige Bergwiesen ging es dann hinunter zur Johannishütte (2127m). Unterwegs kam uns Markus entgegen, mit neuer Frische und neuem Filzhut. Wir waren wieder komplett. Die Hütte war voll und wer im Schlaflager schnarchte, wird nicht verraten.
Zum Frühstück nahmen viele das reichhaltige Bergsteigerfrühstück, obwohl der Weg zur nächsten Hütte, dem Defreggerhaus (2962m) recht kurz ist. Aber wir wussten, wie man den Weg verlängern kann (Bild 13). Wir erklommen unbeabsichtigt einen Teil eines nahe liegenden Berges, schossen ein Paar schöne Fotos und stiegen dann wieder etwas ab. An der Talstation der Materialseilbahn mussten wir uns den Weg zwar etwas suchen, finden ihn aber und kamen an eiskalten kleinen Seen vorbei, in denen noch das Eis schwimmt. Im Defreggerhaus überwiegt dunkles Holz, die Räume sind eher klein. Das Haus ist alt und dient vorzüglich als Startpunkt für die Gipfelerstürmung des Großvenedigers. Hier trafen wir auch auf unsere Bergführer Siggi und Wolfgang, die uns auf den folgenden Tag einschwörten und ein Bier mit uns tranken. Zwei sollten auch noch einen Enzian mit den beiden getrunken haben. Wir gingen (fast alle :-)) zeitig schlafen, da es am kommenden Tag früh losging.
Das Frühstück am nächsten Tag war für 5.30 Uhr geplant. Die vorherige Toilette fiel knapp aus, da das Wasser echt kalt war. Wir waren zum Frühstück nicht die Ersten, sondern eine Gruppe ist schon eine halbe Stunde vor uns auf dem Weg. Um kurz nach 6 Uhr versammelten wir uns vor der Tür und stiegen hinter Wolfgang ganz langsam hinauf. Nach einer halben Stunde erreichen wir die Anseilstelle am Fuß des Gletschers. Wir bildeten zwei Gruppen à 6 Personen. Die ersten schönen Fotos wurden geschossen (Bild 14). Die Sonne war nur knapp draußen. Die erste Stunde liefen wir im Schatten. Da kaum ein Wind ging, fühlte es sich nicht kalt an. Wir kamen an der ersten großen Gletscherspalte vorbei, die rund 30 m tief ist. Die Sonne strahlte jetzt und erleuchtete den Gipfel wunderbar, der sich wolkenlos in den Himmel reckte. Die Blicke in die Bergwelt sind immer wieder ergreifend. Leider konnten wir nicht dauernd stehen bleiben, um uns daran satt zusehen. Die Bergführer mahnten zum Weitergehen, da der Schnee auf dem Eis von Minute zu Minute durch die Sonne weicher wurde und wir bereits beim Aufsteigen teilweise ordentlich einsanken. Bei der Pinkelpause wies uns Siggi Plätze zu, unter den keine Spalten sind, die Herren talseits, die Frauen bergseits positioniert. Das Wetter hielt sich sensationell. Überall um uns stiegen Wolken auf, so dass man den Großglockner kaum sehen konnte. Nur über uns kein Wölkchen am Himmel, top. 300 Meter vor dem Gipfel legten wir unsere Rucksäcke ab, gingen über einen letzten schmalen Grad (Siggi ermahnte uns zur Vorsicht – Bild 15) ) und erreichten nach 3 Stunden die Bergspitze des Großvenedigers mit 3660m, die bereits gut belagert wurde von weiteren Bergsteigern, die auch das gleiche Ziel hatten. Wir beglückwünschten und umarmten uns gegenseitig. Natürlich wurden viele Bilder geschossen (Bild 16) und dann mahnten die Bergführer höflich bereits zum Abstieg. Vorher musste noch das Wirrwarr der Seile aufgelöst werden, da wir alle angeseilt waren und mehrere Gruppen munter durcheinander gelaufen sind. Unser Ziel war wieder die Neue Prager Hütte, in der wir bereits übernachtet haben. Mit zügiger Geschwindigkeit führten uns die Bergführer ab 9.45 Uhr hinunter. Der Schnee war mittlerweile wirklich sehr weich geworden. Wir sanken tief ein. 1,5 Stunden später waren wir an der Gletschergrenze oberhalb der Hütte angekommen. Wir bedankten und bei Siggi und Wolfgang, die umgehend den Rückweg antraten zum Defreggerhaus. Wir hatten viel Zeit, machten Pause, telefonierten fleißig und genossen die Sonne auf unseren von der Sonne getrockneten Felsen. Wir waren ohne Steigeisen und Grödel unterwegs. Die haben wir auch nicht benötigt, da wir gut geführt wurden und uns diese Hilfsmittel nur behindert hätten. Die Neue Prager Hütte erreichten wir gegen 13 Uhr. Die Zimmer waren noch nicht fertig, was aber nicht störte. Wir entspannten uns, manche duschten später und bereiteten sich auf die Rückreise vor. Wolfram erkletterte noch eine benachbarte Bergkette und konnte dort mehrere Steinböcke beobachten (Bild 17). Wer sich nicht so gut fühlte oder einfach Lust darauf hatte, nahm einen Underberg oder zwei. Der hilft über jeden Berg. In ausgelassener Stimmung klang der Tag bei einigen Zweigels und destillierten Flüssigkeiten aus.
Am nächsten Tag freuten sich auch alle auf die Heimreise. Eine gute Woche in den Bergen bei tollem Wetter und Bergsteigererlebnis reichte. Wir waren gefühlte 100.000 km von der Zivilisation entfernt. Wir verabschiedeten uns vom Hüttenteam und liefen ins Tal. Vorbei ging es natürlich wieder an der Alten Prager Hütte und wir kamen auch wieder über die Moränen, die der Gletscher geschliffen hat. Im Tal angekommen, machten manche eine Brotzeit und dann ging es weiter zum Venedigerhaus. Bis zur Ankunft unseres Taxis konnte man noch schnell etwas essen und trinken. Das Taxi fuhr uns zum Matreier Tauernhaus, unserem Toureneinstieg. Dort durften wir Wechselkleidung für die Heimfahrt hinterlegen, so dass sich jeder frisch machen kann. Auch das Wetter wurde frisch. Wir gingen ins Haus und hatten offensichtlich die richtige Zeit in den Bergen erwischt. Die nächsten Stunden brachten bereits Regen, der uns nichts mehr anhaben konnte. Ein weiteres vorab bestelltes Taxi brachte uns nach Kitzbühel an den Bahnhof. Um 15.40 Uhr ging die Zugfahrt los über Umsteigen in Wörgl im Inntal, München und Frankfurt. Mit leichter Verspätung kamen wir in Koblenz gegen 01.00 Uhr wieder an. Die Truppe hatte sich gut verstanden in den letzten Tagen. Sie sind bereits ein eingespieltes Team. Auf die Tour im nächsten Jahr darf man sich fast ein ganzes Jahr freuen (Bild 18) .

Bericht von Ruth und Markus – Bilder ausgesucht von Wolfram

 

 

 

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Kategorie: Aktuell, Bergsteigergruppe

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