Im Angesicht der Marmolada

| 4. November 2016 | Keine Kommentare
Gipfelkreuz auf dem Plattkofel

Gipfelkreuz auf dem Plattkofel

Die Dolomiten, bekannt für schroffe Berge, lange Skipisten und natürlich für Klettersteige. Genau diese haben auch acht Wanderer aus Koblenz und Umgebung auf das Sellajoch in Südtirol gelockt. Am 7. August ging es morgens mit zwei Autos gen Süden. Man traf sich wieder in Weyran beim ‚Alten Wirt‘, wo Jutta, Angelika, Volker, Wolfram, Paul, Michael, Christian und Jens sich mit Weißwürsteln und Obazda auf den Urlaub einstimmten. Doch es war erst die Hälfte der Anreise geschafft. Es ging weiter über den Brenner in das Grödnertal, wo man schon von einem hölzernem Luis Trenker empfangen wird. Hier war man richtig. Schon bald türmten sich Lang- und Plattkofel hinter den bewaldeten Hängen auf. Nun wuchs die Vorfreude bei allen auf tolle Touren in den Bergen.
Unter kam die Gruppe in der Refugio Carlo Valentini, die kurz unterhalb des Sellajochs liegt. Direkt von der Rifugio aus hatte man auf der einen Seite Blick auf das Lang- und Plattkofel Massiv sowie auf den Sellastock und auf der anderen Seite konnte man die Marmolada bewundern, auf die es noch später in der Woche gehen wird. Aber erst einmal gab es schon am Anreisetag ein spitze Abendessen. Ein Salatbuffet als Einstieg, dann die Vorspeise, die typischerweise sättigender war als die Hauptspeise, da es sich bei der Vorspeise meistens um landestypische Pasta handelte. Natürlich gab es zum Schluss auch noch eine Nachspeise, bei der manche alt eingesessene Bergsteiger das erste Mal in den Genuss des Geschmackes der Crème brûlée kamen. Aber ich möchte ja keine Restaurantkritik schreiben, sondern ein Bericht über unsere Bergtouren.
So ging es am nächsten Morgen relativ gemütlich bis zum nächsten Lift, der nur einige Gehminuten entfernt war. Dieser brachte uns 550 Hm hinauf auf die Toni Demetz Hütte. Dort wurde das erste Gruppenfoto der Woche aufgenommen. Nachdem einige noch die Sonnencreme aufgetragen und die Sonnenbrille ausgepackt hatten, ging es die schattige Langkofelscharte hinunter zur Langkofelhütte. Bild 1 Schon bald darauf und nach einigen Höhenmetern erreichten wir den Einstieg des Oskar-Schuster-Steiges, der auf den Plattkofel führt. Wir legten unseren Klettergurt unter Anweisung von Paul Bild 2, der die Woche die Touren aus dem Hintergrund leitete, aber auch Aufgaben an jeden verteilte, an. Nun ging es los auf dem relativ einfachen Klettersteig, der aber einen guten Anfang für die Woche bot. Bild 3 Immerhin war es für meinen Vater und mich der erste Klettersteig in den Alpen. Wie erwartet ging es reibungslos hinauf zum Plattkofel, wo uns eine Horde von Italienern empfing. Den Plattkofel kann man von Westen her ohne Klettersteig erklimmen. Deshalb ist er ein beliebtes Ausflugziel. Doch wie wir am eigenen Leib erfahren mussten, entpuppte sich der vermeidlich einfache Weg als ein Knochenbrecher durch Stein und Geröll. Doch als wir dann endlich einige Höhenmeter hinunter geschafft hatten, ging es auf der Gebirgsautobahn um das Massiv herum zurück zur Refugio Carlo Valentini. Dort genoss man auf der Terrasse noch die wärmenden Sonnenstrahlen und wartete darauf, dass man an der Reihe für die Dusche war. Dieses Ritual zog sich durch die ganze Woche. Nach dem Abendessen ging es an die Planung für den nächsten Tag. Ab Nachmittag war Gewitter angesagt, also hieß es, dass man eine kürzere Tour geben wird: Den Pößnecker hoch und wieder runter. So die Planung!
Am 9. August ging es wegen des drohenden Gewitters früh los. Der Einstieg war von unserem Quartier aus nach ca. 45 Minuten erreicht. Dort deponierten wir unsere Stöcke und machten uns klettersteigsicher. Zu Beginn galt es ein paar schwierigere Passagen zu überwinden. Dabei entschlossen Jutta und Michael lieber wieder abzusteigen, auch wegen des Gedankens, diese Stellen bei möglichen Regen später am Tag wieder auf dem Weg hinunter passieren zu müssen. Deshalb ging es nach etwas Verzögerung mit sechsen die Senkrechte hinauf. Nachdem man aber die schwierigeren Anfangsstellen passiert hatte, wurde es gemütlicher. Nun gab es auch eine Planänderung. Wir entschieden uns dafür den Klettersteig nicht wieder herunter zu gehen, sondern das Sellamassiv zu queren und zum Grödnerjoch abzusteigen. Also eine kurze Tour wird das nicht geben. Dies gaben wir Jutta über das Handy durch, damit sie uns später abholen konnte. Bild 4 Nach 3,5 Stunden Klettersteig erreichten wir sie Sellaspitze. Von hier hatte man eine tolle Aussicht über die Mondlandschaft des Sellaplateaus, dies galt es nun zu queren. Als es nach einer kurzen Pause auf der Sellaspitze weiterging, fing es an zu regnen und stürmen. Doch zum Glück hörte es schon kurz darauf auf. Wir stiegen ab zur Pisciadù-Hütte, wo es für jeden erstmal eine Gemüsesuppe gab. Nun stand aber noch der zweite Klettersteig des Tages bevor: Der Pisciadù Klettersteig, oder auch bekannt als ‚Rollator-Weg‘. Bild 5 Auf dem sonst so überlaufenen Klettersteig begegneten wir im dichten Nebel niemandem. Bild 6 Nachdem der Pisciadù Klettersteig überwunden war, ging es gemütlich zum Grödnerjoch. Doch als die letzte Kletterstelle zu bewältigen war, fing es noch einmal zu schütten an. Somit kamen wir völlig durchnässt auf dem Parkplatz unterhalb des Grödnerjochs an. Dort fanden wir Unterschlupf unter einer Markise eines Wohnmobils und warteten dort auf Paul, der zuvor schon von Jutta abgeholt wurde. Natürlich blieben wir nicht unentdeckt und ein freundlicher Belgier öffnete das Fenster des Wohnmobils und bot uns einen Obstler an. Nachdem jeder ein paar Schlucke genommen hatte kam auch schon Paul, um uns abzuholen.
Der 10. August begann mit einem späten Frühstück, da das Wetter über die Nacht nicht besser geworden war. Wir entschlossen uns erst am Nachmittag, bei schönerem Wetter, den kurzen Rodella Klettersteig zu gehen. Somit ging es am Vormittag nach Wolkenstein. Dort wurden die zahlreichen Sportgeschäfte aufgesucht. Tatsächlich wurde das Wetter nachmittags noch richtig schön. Also ging es Richtung Rodella. Ein markanter Hausberg, direkt hinter der Refugio, bekannt für die Skipisten. Als wir am Einstieg ankamen waren wir längst nicht die Einzigen. Der kurze Klettersteig ist als Halbtagestour besonders bekannt. Eigentlich hatten wir vor, mit dem Seil Sichern zu üben, aber aufgrund der zahlreichen anderen Kletterer wurde der Rodella Klettersteig ohne Sicherungsübungen relativ zügig von uns durchstiegen. Bild 7
Am nächsten Tag wurde das erste Mal das Auto zur Anreise zum Ausgangspunkt benötigt. Dies war für manch einen nicht allzu erfreulich, da nicht jeder kurvige Passstraßen bei Pauls Fahrstil verträgt. Als wir nach ein paar Zwischenstopps zum Durchatmen doch noch am Fedaia-Stausee ankamen, ging es einen relativ langen Anstieg bis zum Einstieg des Trincee Klettersteig. Direkt am Anfang des Klettersteiges galt es eine glatte Platte mit einer D Stelle zu überwinden. Doch diese Stelle wurde von allen mit Bravour gemeistert. Bild 8 Nun folgte ein historisch als auch landschaftlich interessanter Klettersteig über luftige Grate und durch lange Kriegsstollen. Bild 9 Ein stetiger Begleiter an diesem Tag war die Marmolada, auf die man von dem Klettersteig eine einmalige Sicht hat. Den Abschluss des Klettersteiges bildete ein ca. 300m langer alter Kriegsstollen worauf der Abstieg folgte. Ein Teil der Gruppe nahm den Sessellift und die Restlichen liefen mit rasanten Schritten die Skipiste hinunter um die Anderen mit dem Auto abzuholen. Aufgrund der Aussichten auf die Marmolada und des guten Wetters entschieden wir uns später am Abend dafür am nächsten Tag die Marmolada über den Westgrat-Klettersteig zu besteigen.
Also ging es am 12. August wieder Richtung Fedaia Stausee. Pünktlich um 8:30 Uhr nahmen wir die erste Gondel Richtung Marmolada. Der Korblift endete ein Stück unterhalb des Gletschers. Bild 11 Für uns ging es erstmal eine Weile durch Geröll. Als das erste Schneefeld zu passieren war, zogen wir unsere Steigeisen an. Nach dem Schneefeld begann der Klettersteig. Ein eher einfacher Klettersteig, doch an diesem Tag hatten wir mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Von dem Wetter des Vortages gab es keine Spur mehr. Es war neblig, eiskalt und windig, doch gerade diese Bedingungen machten die Tour umso abenteuerlicher. Der Klettersteig ist geprägt von langen Stücken mit Eisentritten in der Wand. Nachdem der Klettersteig überwunden war, zogen wir wieder die Steigeisen an und es ging weiter durch Schnee und Eis mit kaum Sicht bis zur Capanna Punta Penia. Dort wärmten wir uns mit einer Suppe auf. Von hier aus waren es nur noch wenige Schritte bis zum Gipfel. Bild 12 Nun hatten wir das Highlight unserer Woche geschafft, wir standen auf dem höchsten Punkt der Dolomiten. Bild 13 Hinab ging es über die Normalroute über den Gletscher. Bild 14
Am letzten Tag stand der schwierige Cesare Piazzetta zum Piz Boe auf dem Plan. Es ging vom Pordoijoch los. Vorbei an der Kriegsgräberstätte hinauf zum Einstieg. Schon beim Aufstieg wurde klar, dass einige von den Strapazen der letzten Tage etwas erschöpft waren. Deshalb entschieden sich nur Wolfram, Paul und Jens dazu den Klettersteig zu wagen. Nach ein paar Schwierigkeiten bei der Anfangspassage verlief auch dieser Klettersteig ohne größere Zwischenfälle. Bild 15 Der Rest der Gruppe gelangte über Wanderwege zum Gipfel des Piz Boes. Dort oben trafen wir wieder alle zusammen und genossen unseren letzten Gipfel für diese Woche auf der Terrasse der Capanna Fassa Hütte direkt am Gipfel. Alle gemeinsam gingen dann auf dem viel begangenen Weg bis zur Forcella Pordoi Hütte. Dort entschieden sich die Frauen mit der Gondel runter zu fahren und die Männer genossen die rasante Abfahrt durch das Geröllfeld bis zum Pordoijoch. Bild 16
Am nächsten Morgen stand schon die Abreise an. Alle Teilnehmer hatten eine tolle Woche mit vielen unvergesslichen Erfahrungen und Eindrücken. Das Résumé der Woche beläuft sich auf sieben Klettersteige in sechs Tagen und zwei 3000er. Besonders bleibt den meisten die Besteigung der Königin der Dolomiten in Erinnerung.
Jens

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Kategorie: Allgemein, Ausbildung, Ausbildungsberichte

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