Hochtourenwoche der JuMa in der blauen Silvretta

| 4. Oktober 2017 | Keine Kommentare

Michi Becker, Vanessa M. Beutgen, Markus Hummrich, Julian Skorka *

*in alphabetischer Reihenfolge

Deutscher Alpenverein (DAV), Sektion Koblenz, Rheinland-Pfalz, Germany

Keywords:

#PizBuin, #dämlichgenug, #Zirbe&Marille, #Silvretta

Introduction

Die Silvretta ist ein Gebirgszug, dessen östlicher Teil in Österreich und der westliche in der Schweiz verläuft. Das in den Ostalpen gelegene Gebiet weist zahlreiche Dreitausender auf. Den Zusatz „Blaue Silvretta“ verdankt der österreichische Teil in Vorarlberg der hohen Anzahl diverser kleiner und größerer Gletscher. Der höchste und wohl bekannteste Berg in Vorarlberg ist der Piz Buin mit seinen 3312m.

Materials and methods

  • Pickel
  • Steigeisen
  • Tourenkleidung
  • Rucksack
  • Stöcke
  • Helm
  • Seil
  • 30kg Cliff Bar

Results

22.07.2017 Ankunft Jamtalhütte

23.07.2017 Hintere Jamspitze (3156m)

24.07.2017 Westliches Gamshorn (2987m)

25.07.2017 Rußkopf (2693m)

26.07.2017 Übergang zur Wiesbadener Hütte über Getschner-Scharte: Abgebrochen

27.07.2017 Übergang zur Wiesbadener Hütte über obere Ochsenscharte

28.07.2017 Piz Buin (3312m)

29.07.2017 Abstieg nach Galtür

Discussion

Im Juli diesen Jahres brachen vier Mitglieder der JUMA zu ihrer ersten selbst geplanten Hochtour auf. Das deklarierte Ziel war die blaue Silvretta, die sich mit vielen einfachen Dreitausendern sehr für die Festigung der alpinen Ausbildungsinhalte eignet. Bei strahlend blauem Himmel startete die Tour am 22.07. mit dem Aufstieg von Galtür zur Jamtalhütte. Die Hütte zählt mit ihren 180 Schlafplätzen zu den größeren DAV Hütten und nimmt mit ihrer modernen Ausstattung fast hotelähnliche Züge an. Unsere Unterkunft im 5-Bett-Zimmer mit Waschbecken, die Möglichkeit zur warmen Dusche im Waschraum und sogar eine kleine Indoor-Kletteranlage unterstreichen die luxuriöse Ausstattung der Hütte. Abends wurde noch die Tour für den nächsten Tag geplant und der Abend klang gemütlich aus.

Das gute Wetter hielt auch am nächsten Tag an und so brachen wir voller Tatendrang zur hinteren Jamspitze auf. Zunächst folgten wir dem Pfad in einfachem Gehgelände bis wir uns am Ausläufer der Gletscherzunge mit Steigeisen und Pickel ausrüsteten. Auf dem aperen Jamtalferner ging es nun in moderater Steigung Richtung Gipfel, wobei erstmals unsere Befähigung zur alpinen Wegfindung gefragt war. Nach kurzer Zeit erreichten wir den Gipfel auf 3156m und waren glücklich darüber unseren ersten gemeinsamen 3000er erklommen zu haben. Auf dem zügigen Abstieg wurden Mut und Technik beim Spaltenspringen erprobt und wir waren in Windeseile wieder auf der Hütte.

In den folgenden Tagen fiel unsere ursprüngliche Planung leider dem Wetter zum Opfer und so musste wieder einmal unser makelloses Talent zur Improvisation ausgeschöpft werden. Die geplante Besteigung der Haagspitze wurde verworfen und wir entschieden uns für eine Tour auf das westliche Gamshorn, bei der die Wegfindung auch bei schlechten Verhältnissen keine Schwierigkeiten bereiten sollte. Bei anfänglich noch guten Bedingungen machten wir zügig viele Höhenmeter, 150m vor dem Gipfel wurden wir jedoch von starkem, eisigem Regen eingeholt. Hier trennten sich die Wege der Gruppe. Während die toughen Mädels, dem Sturm zum Trotz, weiter gen Gipfel stiegen, traten die Heulsusen den verfrühten Rückzug an. Auch wenn es am Gipfel nur eine eingeschränkte Aussicht gab, hatte sich die Wanderung dennoch gelohnt.

Auch der nächste Tag versprach keine Besserung des Wetters und so traten wir eine weiter leichte Wanderung ohne Gletscherkontakt an. Mit dem Ziel des Rußkopfes gingen wir im einsetzenden Schneegestöber los. Nachdem die ersten Höhenmeter hinter uns lagen, bedeckte der Schnee nunmehr die ganze Landschaft. Markus fühlte sich wieder ganz in seinem Element und fand zielsicher den besten Weg zum Gipfelkreuz. Auch bei widrigen Bedingungen war das Gipfel-Selfie Pflicht bevor es zum Mittagsschläfchen (wir haben ja Urlaub…) zurück zur Hütte ging. Zudem sollte der nächste Tag auch einer der anstrengendsten werden.

Mit vollem Marschgepäck stand der Übergang zur Wiesbadener Hütte an. Da die Sichtverhältnisse weiterhin schlecht waren, suchten wir eine Route ohne Gletscherbegehung aus. Ziel war es über Getschnerscharte und Radsattel zu queren. Die zunehmend schlechter werdende Sicht durch den immer stärker werdenden Schneefall zwang uns jedoch zum Abbruch der Tour, da eine sichere Wegfindung nicht mehr möglich war. Auch bei größter Anstrengung konnten wir keine Wegmarkierungen erkennen und dem vermutlichen Wegverlauf in eine verschneite Rinne zu folgen erschien doch sehr fragwürdig. Geschlagen traten wir den Rückweg zur Jamtalhütte an, auf dem uns ein Steinbock begegnete, der den Verhältnissen sehr viel müheloser trotzte als wir dazu in der Lage waren. Einige Meter tiefer wandelte sich der Schnee zu Regen und wir wähnten uns schon fast auf der Hütte als sich uns ein ganz neues Problem stellte… „Ernsthaft?!“, „Und was jetzt?“, „Naja, wenn wir genug Lärm machen laufen sie vielleicht weiter“ … „Hossa! Hossa!“ schallte es aus Julians heiserer Kehle, aber die Rinderherde bewegte sich nur sehr zäh und unbeeindruckt weiter entlang des schmalen Gebirgspfades. „Dämliches Rindviech…“. Da wir nicht eingeplant hatten, den restlichen Tag unter Kühen zu verbringen, blieb uns nur die Abkürzung durch die Latschenkiefern. Wenigstens haben wir danach gut gerochen…Später am Abend: „Ich hab mir ja schon fast gedacht, dass die Orientierung auf dem Weg bei den Verhältnissen nicht möglich sein wird“ „Aber wir waren dämlich genug es zu versuchen“ … was an Wahrheitsgehalt kaum zu übertreffen war.

Neuer Tag neues (Gipfel?-)Glück. Da zumindest der Niederschlag ein erträgliches Maß angenommen hatte, kehrten wir zum ursprünglichen Plan zur Querung der oberen Ochsenscharte mit Option zur Besteigung der Dreiländerspitze zurück. Sofort nach dem Frühstück brachen wir auf. Am nunmehr schneebedeckten Gletscher seilten wir uns an. Michi schaltete als Seilschaftserste in den Dampflok-Modus und wir folgten ihrer makellosen Spur. Nach einer Weile erreichten wir eine Spalten-Zone, die eine erhöhte Konzentration von uns forderte. Julian führte nun die Seilschaft an und ihm gelang es nach mehreren eindeutigen Anweisungen von Markus den Weg durch die Dangerzone zu finden. Eine dicke Wolkensuppe hing über dem Gletscher und erschwerte die Navigation. „Dunkel Grau, dunkel Grau, hell Grau, dunkel Grau… Ok, das hellere ist die Scharte!“. Und so passierten wir die obere Ochsenscharte und fanden uns auf dem Vermuntgletscher wieder. Die Dreiländerspitze mussten wir leider wegen der schlechten Sicht links liegen lassen und entschieden uns von hier direkt zur Wiesbadener Hütte abzusteigen. Hier erwarteten uns ein fantastisches Hüttenteam und ein paar kühle Getränke. Die Atmosphäre in der Wiesbadener Hütte war eine ganz andere als in der Jamtalhütte. Wir fühlten uns im heimeligen, warmen Ambiente sofort wohl und konnten unsere Kräfte für den nächsten Tag sammeln.

An unserem letzten Tourentag sollte der höchste Gipfel der Woche erklommen werden, der Piz Buin. Früh starteten wir Richtung Ochsentalgletscher. Um die grüne Kuppe wanderten wir Richtung Gletschertor. Beim Einstieg auf den Gletscher mussten wir zunächst eine relativ steile Eisflanke überwinden bevor wir uns auf dem sonst mäßig ansteigenden, schneebedeckten Gelände anseilten. Auf der Autobahn zum Piz Buin kamen wir gut voran. Neben uns waren noch viele weiter Seilschaften unterwegs zum Gipfel. Der Gletscher war sehr spaltenreich und so wurde der Weg durch kleine Sprungeinlagen bereichert. Als wir die Buin Lücke erreichten hing die Wolkendecke ganz dicht über uns. Die letzten 300hm zum Gipfel mussten in felsigem Gelände bewältigt werden. Wir banden uns vom Seil aus und ließen Steigeisen und Rucksäcke zurück. Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf den Weg in leichtem Gelände, der an einigen Stellen durch leichte Kletterei unterbrochen wurde. Das Gipfelkreuz schon im Blick bezwangen wir die letzten Höhenmeter. Geschafft! Oben angekommen riss die Wolkendecke auf und wir genossen für ein paar Minuten den warmen Sonnenschein. Wir verweilten jedoch nicht lange, da die Sonne uns nur einen kurzen Besuch abstattete und der Wind wieder auffrischte. Beim Abstieg nutzten wir dankend die von unseren Hüttengenossen eingerichtete Abseilstelle und boten dafür an, das Seil anschließend aufzunehmen. Die Konsequenzen dieses Angebotes wurden uns jedoch erst wenig später bewusst, als wir begannen das 80m(!) Einfachseil(!) der Kollegen sauber zur Seilpuppe zu binden. Nach dem langen Abstieg freuten wir uns auf der Hütte sehr über die warme Mahlzeit und den weltbesten Kellner. Später hatten wir noch eine längere Unterhaltung mit einem Pärchen namens Zirbe und Marille, aber an die Details kann ich mich nicht mehr so genau erinnern…

Der letzte Tag unseres Urlaubs war gekommen. Kopf und Beine waren schwer. Mit dem Abstieg nach Galtür, vorbei am Silvretta Stausee, endete unsere Reise und etwas schwermütig verließen wir die traumhafte Bergwelt.

Ich denke jeder von uns konnte neue Erfahrungen sammeln und die Berge, die Kameraden und sich selbst etwas besser kennenlernen.

 

 

 

 

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Kategorie: Berichte, Juma

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