Hochtour im Wallis – eine heiße Angelegenheit

| 16. Dezember 2015 | Keine Kommentare

Wir, das sind Andi Vohs, Dieter Engel, Dirk Zengerli und Pia Finken, starteten in der Nacht vom 26.6. auf den 27.6. zu unserer Hochtour ins Wallis. Am Vormittag des 27.6. begannen wir von Zermatt aus bei bestem Wetter unseren Aufstieg Richtung Furi Bahnstation. Dank Andis guter Orientierung lernten wir auf dem Weg auch das malerische Dörfchen Z’mutt kennen. Wer möchte schon auf dem direkten Weg aufsteigen, wenn in der Gegend so ein Kleinod geboten wird? Dass wir nicht in einem der schönen Biergärten hängen geblieben sind, ist nur der äußersten Disziplin der Gruppe zu verdanken gewesen. Von Furi aus nahmen wir dann die Bahn Richtung Schwarzsee, um von dort aus unseren Aufstieg zur Gandegghütte fortzusetzen. Für die technisch Interessierten gab es auf dem Weg noch einen Raupenbagger im Steilhang zu bewundern. Während des Aufstiegs bot sich uns eine imposante Kulisse: Matterhorn und Breithorn. Die Gandegghütte (3.030 m) erreichten wir am Nachmittag. Bereits der erste Blick in die Speise- und Getränkekarte zeigte uns, dass die Schweizer das mit dem Einstellen der Kursdeckelung des Franken ernst meinen. Zur Gandegghütte ist insgesamt zu sagen, dass sie recht teuer ist und die Stube leider auch nicht beheizt wurde. Das Frühstück ist allerdings ausgezeichnet.

Am nächsten Morgen starteten wir unseren Aufstieg mit Ziel Rifugio Guide di Ayas (3.425 m). Da das Wetter fantastisch war, die Bedingungen auch zunächst recht gut waren und wir zügig voran kamen, beschlossen wir, das am Weg liegende Breithorn (4.162 m) zu besteigen.

Als wir auf 4000 m Höhe zustiegen, merkten wir die fehlende Akklimatisation. Wir erreichten den Gipfel aber trotzdem ohne größere Schwierigkeiten. Da die Temperaturen langsam eher etwas von tropischen Verhältnissen als von Hochtour in der Schweiz hatten, hielten wir uns nur kurz am Gipfel auf und begannen unseren Abstieg Richtung Ayas im immer weicher werdenden Schnee. Der lange Weg zur Hütte war dann auch sehr kräftezehrend. Das häufige – teilweise hüfttiefe – Einbrechen im weichen Schnee machte uns mürbe und müde. Die Gletscherspalten waren beeindruckend. Einige Schneebrücken fehlten bereits, so dass wir ein paar gewagte Sprünge machen mussten. Endlich erreichten wir am späten Nachmittag die Rifugio Guide di Ayas.

Die Ayas ist eine sehr schöne gepflegte Hütte, die wie ein Adlerhorst auf der Felskante thront. Es gibt zwar keinen Handyempfang, dafür aber kostenfreies W-LAN. Die Preise sind moderat, das Hüttenpersonal sehr nett und es gibt eine Dusche, ebenfalls kostenfrei und ohne zeitliche Beschränkung. Alle weiblichen Teilnehmer der Tour haben diese dann auch voller Verzückung genutzt. Das einzige Manko ist das fehlende Umweltbewusstsein auf der Hütte. Es wird leider nur Einweggeschirr verwendet.

Am nächsten Tag legten wir einen Ruhetag ein. Wir stiegen zum Rifugio o. Mezzalama (3.036 m) ab – eine bescheidene kleine Hütte. Wegen der weiterhin sehr hohen Temperaturen sahen  und hörten wir einige Lawinenabgänge und Steinschlag. Der Gletscher knirschte und knackte. Nach kurzer Rast auf der Hütte stiegen wir wieder auf zur Ayas. Einer Tradition der HTG folgend, schützten die meisten Teilnehmer statt ihrer Köpfe lieber den Inhalt ihrer Rucksäcke durch außen festgebundene Helme vor dem drohenden Steinschlag. Beim Aufstieg begleitete uns ein Steinbock, der dann auch zielstrebig zur Terrasse der Ayas ging und dort die Wände nach Salz suchend ableckte. Ein beeindruckendes Tier, das sich bereitwillig beobachten und fotografieren ließ.

Am Abend diskutierten wir, ob bei den Schneeverhältnissen und der steigenden Lawinengefahr ein Aufstieg zum Pollux (4.092 m) am nächsten Tag zu verantworten sei. Wir entscheiden uns, den Aufstieg sehr früh zu beginnen in der Hoffnung, dass die Schneeverhältnissen dann noch gut sein würden.

Wir stiegen um 4:30 Uhr von der Ayas auf. Die Schneeverhältnisse waren akzeptabel, so dass wir um 7:50 Uhr nach einem Aufstieg über den Südwest-Grat den Gipfel erreichten. Der Aufstieg über Schnee, Fels und Firn und die gigantische Aussicht vom Gipfel bestätigten uns, dass die Entscheidung richtig war. Für den Abstieg wählten wir die Westflanke, die über 250 HM und 50 Grad Neigung über Firn führt. Andi, der immer wieder die traumhafte Kulisse fotografierte, stellte irgendwann fest, dass so ein Fotoapparat ganz schön schnell einen Firnhang runterrutschen kann. Aus reinem Forschertrieb ließ Dieter dann noch Andis Pickel hinterherrutschen. Und siehe da, das funktionierte auch. Dirk versuchte sich bei der Überwindung des Bergschrunds dann noch an einem Kunststück: Weitsprung mit Steigeisen. Dabei fanden wir heraus, dass die Flugeigenschaften von Steigeisen und dem menschlichen Körper unterschiedlich sind. Während die Eisen schon wieder fest auf dem Boden stehen, fliegt der Körper noch weiter. Leider ist das Dirks Knie nicht richtig gut bekommen. Trotzdem erreichten wir bester Laune nach dieser wunderbaren Tour bereits am späten Vormittag wieder die Ayas. Wir entschlossen uns allerdings wegen der stetig steigenden Temperaturen und der damit einhergehenden schlechten Schneeverhältnisse, sowie der steigenden Lawinengefahr unser Glück nicht weiter herauszufordern und die Tour abzubrechen. Am nächsten Tag stiegen wir nach Zermatt ab. In dem sulzigen Schnee richteten wir beim Abstieg eine Skipiste noch übelst zu. Die Überlegung, ob wir einen Skipass hätten lösen müssen und ob wir uns schadensersatzpflichtig machen, schoben wir schnell beiseite und verdrückten uns zügig Richtung Bergbahn. Obwohl wir die Tour leider früher als geplant abbrechen mussten, hatten wir eine großartige Zeit. Und wir haben einiges gelernt. Da diese Berichte auch dazu dienen sollen, Erfahrungen und erlerntes Wissen auszutauschen, hier die Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

  • viel Sonnenschein bedeutet nicht automatisch gute Bedingungen für eine Hochtour
  • die „Rutscheigenschaften“ von Fotoapparaten und Pickel in Steilflanken sind ähnlich (falls jemand noch weitere Geräte getestet hat, kann er sich gerne bei uns melden. Wir könnten dann irgendwann eine Liste dazu herausgeben ;-))
  • Weitsprung mit Steigeisen ist nur die zweitbeste Idee
  • nicht alle Teilnehmer brechen gleich tief im weichen Schnee ein (sorry, Andi ;-))

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Kategorie: Hochtourengruppe

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