Hessische Polizei und Feuerwehr üben in der Ettringer Lay

| 14. April 2016 | Keine Kommentare

Einsatz Hubschrauber und Höhenretter proben die Bergung Abgestürzter
Von unserem Mitarbeiter Julian Turek

Ettringen. In der Ettringer Lay sind Kletterer abgestürzt und haben sich dabei verletzt. Die Rettungskräfte sind alarmiert. Ein Polizeihubschrauber kreist über der Felswand. Im Cockpit sitzt Polizeihauptkommissar und Pilot Andreas Bruns. Unten baumelt ein Feuerwehrmann am Seil. Seine Aufgabe: das Opfer zu retten, das mitten in der Kletterwand hängt.

So lautete eines der Szenarien einer zweitägigen Übung, zu der die Polizeihubschrauberstaffel Hessen und die Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr Wiesbaden nach Ettringen gekommen waren. Hier probten sie gemeinsam mit der Feuerwehr der Verbandsgemeinde Vordereifel und Spezialisten des Deutschen Alpenvereins den Ernstfall. Die rheinland-pfälzische Polizeihubschrauberstaffel aus Winningen war auch dabei.

„Die Höhenrettung ist fester Bestandteil unserer Arbeit“, informiert Pilot Bruns im Gespräch mit der RZ. Mehrere Sicherheitsunterweisungen und einige Trainingsstunden im Jahr sind Pflicht. „Jeder von uns muss einen gewissen Trainingsstand erreichen und halten. An beiden Tagen haben wir deswegen ständig durchgewechselt“, erklärt Bruns. Er agierte daher auch als Windenoperator. Als solcher hatte er die Aufgabe, bei geöffneter Tür des Helis dem Piloten zu erklären, wie er zu fliegen hat. Jeder Handgriff muss sitzen, und das in der kürzestmöglichen Zeit, um die verunglückte Person zu retten. Sechs Piloten flogen abwechselnd durch das Gelände.

Warum es die Hessen nach Ettringen verschlagen hat, erklärt Bruns so: „Wir kooperieren mit unseren Kollegen und sind immer daran interessiert, dort zu üben, wo wirklich etwas passieren kann. Außerdem ist es für uns wichtig, im Ernstfall mit einer gewissen Erfahrung an die Sache heranzugehen.“

Die Einsatzkräfte durchlaufen eine spezielle Ausbildung. Muss ein Mensch wie bei der Übung in der Ettringer Lay aus der Luft geborgen werden, wird die Höhenrettung angefordert. Die Rollen bei einem Einsatz sind dann klar verteilt: Die Polizei fliegt, die Feuerwehr seilt sich ab. „Heute haben wir uns praktisch gegenseitig gerettet“, meint Bruns, der selbst aus Mayen stammt und seit einigen Jahren für die Polizeiflieger in Hessen aktiv ist. „Die meisten Kollegen haben einen Hang zum Klettern oder Ähnlichem“, verrät er.

Bei der Übung wurde ein Spezial-Hubschrauber mit einer Rettungswinde eingesetzt. Über einen solchen verfügt die hiesige Polizei nicht, sie müsste diesen in Hessen anfordern. Die dortige Polizeihubschrauberstaffel ist somit bei ähnlichen Einsätzen auch im Saarland und in Rheinland-Pfalz zur Stelle.

Der Ablauf ist in der Regel immer gleich. „Zunächst bringen wir Rettungskräfte zu einer verletzten Person, dann fliegen wir diese nach erfolgter Versorgung zur weiteren medizinischen Behandlung aus“, berichtet Bruns. Und: „Als Pilot sieht man von der Rettungsaktion eigentlich gar nichts, man vertraut komplett den Worten des Operators und orientiert sich im Gelände. Dann sucht man sich beispielsweise einen markanten Baum aus und versucht die Bewegungen zu kontrollieren.“

Das Gelände der Ettringer Lay hat es in seinen Augen in sich. Unfälle in der Vergangenheit haben gezeigt, wie schwer es ist, eine verletzte Person aus diesem Bereich zu bergen. Die Möglichkeiten einer Feuerwehr sind bei solchen Rettungseinsätzen natürlich begrenzt. Das zeigt auch ein Fall aus St. Johann. Vor einigen Jahren verletzte sich dort ein Kletterer. Erst nach drei Stunden konnte er über eine Menschenkette gerettet werden. Bruns und Co. benötigten gerade einmal drei Minuten pro Durchgang. Nach rund 50 Durchläufen an beiden Tagen wurde die Übung erfolgreich beendet. „Wir sind sehr zufrieden. Es war anstrengend, hat aber auch Spaß gemacht“, so das Fazit des hessischen Piloten.

RZ Koblenz und Region vom Donnerstag, 14. April 2016

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Kategorie: Presse

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