Herbst 2014 – Naturerlebnis und Wanderfreude im Naturpark Texelgruppe

| 8. Februar 2015 | Keine Kommentare

Der Naturpark Texelgruppe liegt mitten in den Zentralalpen und umfasst auf einem Gebiet von 33.430 Hektar wunderschöne Berg- und Tallandschaften. Im Norden wird die Texelgruppe vom Alpenhauptkamm, im Osten vom Passeiertal, im Süden vom Vinschgau mit dem Etschtal und im Westen vom Schnalstal begrenzt.

Nun zu unserer Bergtour: Ein Stück vom südlichen und ein Stück vom nördlichen Meraner Höhenweg sollte es schon sein. Höhepunkt allerdings, die Überschreitung der Texelgruppe.

Am Samstag den 13. September 2014 trafen sich die langjährigen AV-Mitglieder Cornelia, Elisabeth, Harald, Oswald, Achim mit dem Organisator Volker um 00.30Uhr im Hauptbahnhof Koblenz. Wir sollten trotz des frühzeitigen Beginns der Reise bis zum Sonntag den 21. September 2014 noch viele schöne Stunden und herrliche Erlebnisse haben. Der CNL verließ Koblenz pünktlich um 00.40Uhr. Die Sitz-Liegewagen haben bis München nicht das gehalten, was wir erwartet hatten. Durch die alten Waggons war der Geräuschpegel so hoch, dass ein Schlafen kaum möglich war. Entsprechend gerädert stiegen wir in München in einen EC nach Bozen um. In Bozen nutzten wir die Zeit, die Mädels mit shoppen, die Jungs testeten das Eis. Die Weiterfahrt nach Meran erfolgte im modernen Regionalzug, der Südtirol-Bahn. Das gebuchte Großraumtaxi wartete schon vor dem Bahnhof auf uns und brachte uns in 20Min. nach Vellau –oberhalb von Algund gelegen- zur Pension Haus Gilli. Gegen 16.00Uhr konnten wir uns bei herrlichem Sonnenschein in der Paradiesschaukel des Hauses niederlassen. Erst nach dem Genuss eines vorzüglichen Begrüßungs-Grappa führte uns die Wirtin in die schmucken Zimmer. Nach der 16-stündigen Anreise hatten wir die Ruhe des Hauses verdient und konnten bei guter Fernsicht die Aussicht auf Algund und Meran sowie die Berge von Meran 2000 und die rückwärtige Mutspitze begutachten. Zum Abendessen suchten wir ein nahes Restaurant auf, wo wir auch gut gegessen haben und somit neue Kräfte für den nächsten Tag speichern konnten. Spät wurde es nicht an diesem Abend, alle waren müde.

Für den Sonntagmorgen wurde das Frühstück auf 8.00Uhr bestellt. Schönes Wetter lies alle Bergfreunde pünktlich zum ausgesprochen reichhaltigen Frühstück erscheinen. Die Attraktion – ein Eierschalensollbruchstellenverursacher – stellte unser Gedächtnis auf harte Proben. Das Gerät hätten wir am liebsten mitgenommen. Später sollte die Wirtin das Teil besorgen und an uns verkaufen. Hierzu kam es allerdings nicht! Bereits kurz vor 9.00Uhr war die Truppe abreisefertig. Etwa 300m von der Pension entfernt startete ein Korblift, der uns 400 Höhenmeter bis kurz vor die Leiteralm katapultierte. An der Leiteralm erreichten wird den Meraner Höhenweg-Nr. 24. Diesem gut markierten Weg folgten wir in südlicher Richtung. Steile Wiesen zur Talseite wechselten mit Büschen und kurzen Waldstücken – zur linken Seite stets die guten Ausblicke auf das Etschtal und die Berge des Nationalparks der Ortler Gruppe. Einige besonders markante Aussichtspunkte waren mit Ruhebänken bestückt. Nach einem abfallenden Bachtal – mal runter und rauf – erreichten wir das Hochganghaus. Hier war aufgrund der ankommenden Seilbahn und dem schönen Wochenende reger Ausflugsverkehr. Wir wanderten auf fast gleicher Höhenlage über die Goidner Alm –Aussichtspunkt Hohe Wiege -Trablander Alm – abwärts zur Nassereith-Hütte auf 1.523m. Entlang des Weges hatten einheimische Künstler holzgeschnitzte Altärchen und die Natur Pilze dekoriert. Auf gleicher Höhenlinie erreichten wir durch den „Rammwald“ das Gasthaus Giggelberg. Die Eingehtour war geschafft, ca. 16 km. Giggelberg liegt oberhalb von Partschins und ist über die Texel-Kabinenbahn erreichbar. Hier kommen sogar Gartenzwerge sicher an.

Am Montag starteten wir kurz vor 9.00Uhr zur Fortsetzung unserer Tour. Unser GPS gestützter Freund Harald -verweist auf den Wegweiser Ornalm, d.h. über Hochforch durch mehrere Taleinschnitte mit Wasserfällen von ca. 50 Meter Fallhöhe bis zur 1000-Stufen-Schlucht. Die vielen Stufen unterschiedlicher Höhe zeigten mögliche Konditionsmängel auf. Eine Hängebrücke ersparte uns weitere 500 Stufen. In kleinen Gasthöfen –Innerforch + Lint + Waldhof – können sich die Wanderer versorgen lassen. Wir streben jedoch unserem Ziel zu, dem Untervernatschhof oberhalb von Katharinaberg. Übrigens, der Dorfplatz in Katharinaberg teilt den Meraner Höhenweg in einen Nord- und einen Südabschnitt.
Der kleine Bauernhof – direkt am Weg-Nr.24 gelegen – ersparte uns jedoch den Abstieg nach und Wiederaufstieg von St. Katharinaberg. Der Bauernhof aus dem Jahr 1593 wurde nach Kräften von einer alten Bäuerin betrieben welche ihren Gästen eine vorzügliche Südtiroler Küche bereitete. Die Treppe zu den urigen Schlafzimmern erforderte bergsteigerische Erfahrung und Trittsicherheit.

Der Dienstag beginnt mit Morgennebel und erfüllt das Schnalstal, er verlässt uns den ganzen Tag nicht. Katharinaberg liegt wie eine Schöpfung von König Ludwig im Tal. Auf dem guten Wanderweg geht es nur aufwärts im Pfossental – von ca. 1.500m, vorbei an der urigen Mittelkaseralm bis in den hintersten Talkessel, zur Eishof-Alm in 2.076m. Mittagsrast wird zwischendurch auf ungewöhnlichen Steinen gehalten, die mit ihrer Zusammensetzung eine erdgeschichtliche Bedeutung mit Hinweis auf Meeresböden haben. Kurz nach 14.00Uhr erreichen wir die Eishof-Alm. Majestätisch präsentieren sich vor uns die Gipfel der Texelgruppe wie in einem überdimensionalen Amphitheater.

Der neue Morgen des Mittwoch hatte seinen besonderen Reiz: die Sonne schaffte es, den leichten Morgennebel und Nieselregen zu vertreiben. Auf dem alten Militärweg ging es mit stetigem Anstieg bis zum Abzweig Nr. 25A und weiter zur Johannesscharte. Der geplante Weg zur Stettiner Hütte wurde nicht begangen, da Lawinen diese Hütte im letzten Winter zerstörten. Links des Aufstiegs zur Johannesscharte war ein Feld von über 500m Breite mit weißem Marmor. Daher kommt sicher der Name der Berge: Kleine Weiße und Hohe Weiße. Der teilweise versicherte Aufstieg zur Johannesscharte war etwas für Bergfexe. Beim Abstieg waren die Probleme kleiner. Von 2.854m Höhe kamen wir ohne Schwierigkeiten durch das Zielbachtal zur Lodner-Hütte auf 2.262m. Bereits in der Nacht zum Donnerstag wurden wir durch leichtes Rauschen informiert – es regnete.

Für den heutigen Donnerstag war der Aufstieg zur Rotegg-Spitze geplant. Das Rotegg ist mit 3.337m der höchste Gipfel der Texelgruppe, überragt die danebenliegende Texelspitze um 20m und ist eigentlich ein leichter Dreitausender. Handgefertigte Manderl weisen den Aufstieg zum Gipfel. Eigentlich, denn im oberen Abschnitt kurz vor dem Gipfelaufbau gibt es eine ausgesetzte Kletterstelle.
Achim hatte schon am Mittwoch seinen „Urlaubstag“ angemeldet und konnte sich entspannt zurücklehnen. Trotzdem frühstückten alle gemeinsam und blickten mit finsteren Mienen nach draußen. Zum Glück ist die Lodner-Hütte geräumig, so dass der Unmut durch „Spaziergänge“ in der Hütte etwas abgebaut werden konnte. Gegen 10.00Uhr setzte der Regen etwas aus und die Sicht erlaubte ca. 50-100m „Fernsicht“. Volker + Harald + Oswald + Conni + Elisabeth sattelten den Rucksack mit Regenschutz. Mit geschlossenen Anoraks und Kopfbedeckung ging es los. Achim schaute verträumt hinterher – noch mal Glück gehabt. Die Langeweile konnte er nur kurzzeitig mit „Berghütten-Literatur“ vertreiben. Werbezeitschriften und etwas über die Geschichte des Vinschgau gab es ausreichend; die Geschichte von Südtirol wurde in alten Bänden bis zu Johann Hofer aufgezeigt. Interessant, aber kein Ersatz zum Vertreiben der Langeweile. Gegen 12.00Uhr ließ der Regen nach, die Sicht erweiterte sich auf gute 300 bis 500m. Also nichts wie raus zu den nahen Hügeln und zu den Murmeltieren. Nach ca. 6 Stunden kamen die Alpinisten von ihrem Unternehmen zurück. Dichter Nebel und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt hatte den Gipfelsturm und Gipfelkuss etwa 30 Höhenmeter vor dem Kreuz versagt. Es war zu gefährlich bei diesen Bedingungen die Kletterei auf den Gipfel zu wagen. Etwas bedrückt und unzufrieden waren die „Alpis“ trotzdem.

Der Freitagmorgen überrascht uns mit leichtem Nebel ohne Regen aber mit verdeckter Sonne. Die Tagestour sollte durch die zentrale Texelgruppe vorbei an den Spronser Seen bis zur Bocker Hütte auf 1.700m führen. Von der Lodner-Hütte wurde der Pfad Nr.7 bis zum Trablander-Lacken auf 2.808m gewählt und dann der Weg über Blockgestein bis zur Milchseescharte. Gleich nach dem Übergang ist das Biwak Guido Lammer auf 2.707m aufgestellt und für mindestens 6 Personen eingerichtet. Guido Lammer war der Initiator des Meraner Höhenweges. Wieder ging es bergab, zuerst zu den beiden Milchseen, die tatsächlich einen weißen Schimmer hatten. 2 Artisten versuchten den Tanz auf dem See. Entlang des großen Langsees stellten wir uns vor, hier im Sommer zu baden. Den Grünsee streiften wir nur kurz. Die Spronser Seen, die mit etwa zehn Seen die größte, hochalpine Seenplatte von Südtirol auf einer Höhe von 2.100 bis 2.600 Metern bilden, war ein beeindruckendes Erlebnis. Alle Seen verdanken ihren Ursprung den Gletschern, die über lange Zeiträume die Flussbecken aus den Felsen ausgegraben und somit das Fundament der wunderschönen Spronser Bergseen gelegt haben.
Mit schnellen Schritten erreichten wir die Oberkaser-Hütte auf 2.131m. Nach kurzer Rast wurde das letzte Stück der Tagesetappe zur Bocker Hütte auf 1.700m gemeistert. Die Bocker Hütte ist relativ klein und einfach; Alpengeher sind ja in der Regel recht anspruchslos. Das Essen war gut und ausreichend, zu trinken gab es genug.

Bei gutem Wetter und aufgehender Sonne begann der letzte Wandertag, der Samstag. Gleich hinter der Bocker Hütte ging es steil bergan durch den dichten Waldweg Nr. 22A mit Ziel „Mutspitze“. Nach etwa einer Stunde erreichten wir den Jägersteig, dem wir westwärts bis zur Weggabelung Nr. 25B folgten und dann Richtung Taufenscharte gingen. Hier war eine Abzweigung zum Weg Nr. 25 –Mutspitze-. Ohne große Schwierigkeiten marschierte die inzwischen trainierte Gruppe durch den felsigen Weg zuerst talwärts und dann zum Gipfelsturm auf die Mutspitze. Die Mutspitze ist mit 2.294m ein prächtiger und leichter Aussichtsberg über Meran und östlicher Eckpfeiler der Texelgruppe. Oben angekommen waren schon mehrere Bergsportler, die z.T. von der Hochmuth Alm oder der Mutkopf Bahn die 900 bzw. 600m hinter sich hatten Nach kurzer Verweildauer auf dem Gipfel und dem smal talk mit einer hübschen Meranerin, die mehrmals im Jahr ihren Hausberg erklimmt, gingen wir den gut gesicherten Weg nach unten bis zur Station Mutkopf-Bahn auf dem Tiroler Höhenweg bis zur Bergstation der Hochmuth Seilbahn. Hier beginnt der Vellauer Felsenweg, den wir dann bis Gasthaus Oberlechner zum Abstieg nutzten. Von dem Vellauer Felsenweg hat der Wanderer herrliche Ausblicke in die Tallandschaften um Meran, in den Vinschgau sogar bis in die Dolomiten. Er ist exponiert angelegt und in großen Teilen durch Seile gesichert. Nur gehen und gleichzeitig die Landschaft betrachten, das ist lebensgefährlich. Gegen 17.00Uhr erreichten wir unseren Ausgangspunkt, die Pension Gilli. Der Wirt begrüßte uns wieder mit einem guten Grappa und ersatzweise mit einem Eierlikör aus der Region. Die Paradiesschaukel zeigte den müden Wanderern die Annehmlichkeiten eine empfehlenswerten Pension. Nach dem Abendessen im Gasthaus Gasteiger gingen wir wieder zur Pension, ließen bei einem Glas Tiroler Rotwein kurz Revue der vergangenen Tage passieren und fanden das alles gut gelungen war und trotz der wenigen Regenstunden eine sonnige Tour hinter uns lag. Wir waren alle glücklich und zufrieden ohne Unfall oder „Verluste“ die Tour überstanden zu haben.

Der letzte Tag, ein Sonntag, begann wieder sonnig. Das reichhaltige Frühstück mit Gillis Eierschalensollbruchstellenverursacher und die tolle Aussicht aus der Höhe und auf die Mutspitze empfiehlt sich von selbst und festigte den Wunsch, hier fahren wir nochmal hin. Kurz nach 10.00Uhr fuhr unser bekanntes Großraumtaxi vor und chauffierte uns nach herzlicher Abschiedszeremonie von den Gastleuten zum Meraner Bahnhof. Wir hatten geplant noch ca. 2Std. in Meran zu verweilen. Bei der Auskunft im Bahnhof erfuhren wir jedoch, dass auch in Italien Bahnstreiks angesetzt waren (Generalstreik der Zugführer). Eine genaue Auskunft konnte uns nach ca. 30 Minuten gegeben werden: der EC-Zug von Verona ist gestartet, dieser Zugführer streikt heute nicht! Das bedeutete für uns, sofort von Meran nach Bozen zu fahren, da es ungewiss war, ob in 2Std. der Zugführer von der Südtirolbahn nicht auch streikt. Tolle Freiheiten einzelner Berufsgruppen! Es hat geklappt, der Zug von Meran kam pünktlich in Bozen an. Nach kurzem Aufenthalt ging es dann zügig von Bozen mit dem EC über München bis Koblenz, wo wir genau nach Plan um 00:55Uhr landeten.

Achim Richter

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Kategorie: Bergsteigergruppe

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