Grundkurs Klettersteige Frankenjura 25.-27.Mai 2018

| 7. Juni 2018 | Keine Kommentare

…..aus der Sicht von zwei Ü-50ern

Gott sei Dank – es gibt noch mehr Teilnehmer in unserem Alter war unser erster Gedanke als wir im Laufe des Freitag Nachmittag zehn weitere Teammitglieder zwischen Anfang 30 und Mitte 60 kennenlernen durften. Trotz vieler Staus erreichten alle Kursteilnehmer die herrliche Unterkunft in der Berg- und Skihütte Jura alpin pünktlich zum Abendessen. Dabei konnten erste Bekanntschaften gemacht, die Anspannung von der langen Anfahrt gelöst, ein sehr leckeres Essen genossen und die ersten kühlen Biere zu sich genommen werden.

Nach der Zimmerverteilung (zu unserer Freude mit richtigen Betten und Bettwäsche und nicht wie erwartet einfache Pritschen mit kratzenden Pferdedecken) trafen wir uns zur Vorstellungsrunde mit anschließendem theoretischen Teil. Die meisten von uns waren wirkliche Anfänger und wenige sind schon mal leichte Klettersteige gegangen. Die am häufigsten genannten Erwartungen der Teilnehmer an den Kurs waren persönliche Grenzen zu erfahren, mehr Sicherheit beim Klettersteig gehen zu erhalten und Materialkunde.

Unsere beiden Ausbilder Paul und seine Partnerin Elke stellten uns mit Hilfe technischem Equipment wie PC, Beamer, allerlei Steckern und Kabeln eine perfekt ausgearbeitete Power-Point Präsentation vor. Darin enthalten waren die einzelnen Etappen des Höhenglücksteigs und das Programm der nächsten beiden Tage.

Die Tatsache, dass unsere für morgen vorgesehene Klettersteigtour auch Passagen der Grade D/E beinhaltet, erzeugte für viele von uns ein etwas mulmiges und flaues Bauchgefühl. Nichtsdestotrotz erschienen wir alle mutig und motiviert am nächsten Morgen zu einem ausgiebigen Frühstück mit allem was das Herz begehrt.

 

Gut gestärkt und bei herrlichem Wetter mit Sonnenschein trafen wir uns alle zur Materialausgabe. Dort erhielten wir Helme, Klettersteigsets, -gurte und allerlei Karabiner und Schlaufen. Irgendwie waren wir mit dem ganzen „Gelumps“, wie Paul die an uns herum baumelnde Ausrüstung nannte, noch etwas überfordert und hatten uns noch ganz und gar nicht damit angefreundet.
Klappernd ging die ganze Karawane (ähnlich läutend wie beim Almabtrieb) Richtun

…des Abends bei der Erholung

Ganz großes Kino an der Widman-Schikane

Erstmals Pause und ausruhen…

…am Einstieg gleich eine doppelte E Stelle heftig

… mit zusätlicher Sicherung an schwierieger Stelle.

sicher ist sicher

Hurraaa…a, geschaft.

g Wald, Richtung Klettersteig, Richtung Grenzen-erleben-erfahren-und-zittern.

Schon beim Einstieg in den Bambini-Klettersteig machten wir uns Gedanken, wo denn hier die Bambini-Stelle sein sollte. Wie wir dann durch unseren Ausbilder erfuhren, stellt jeder Einstieg in einen Klettersteig zugleich auch den Wächter da, der entscheidet: du bist gut, du darfst rein oder du bist nicht gut, du bleibst draußen. Natürlich hatte jeder von uns den Ehrgeiz den Klettersteig für Kinder ohne Abstürze und Blessuren zu überstehen. So ging es anschließend leicht schwitzend und immer noch skeptisch weiter zum Höhenglücksteig Teil 1.

Der Einstieg hatte es wirklich in sich. Spätestens hier wurde jedem klar, dass es sich nicht um einen Spaziergang handeln würde. Die Schwierigkeitsstufe E machte uns, trotz Unterstützung von Paul mit einem zusätzlichen Sicherungsseil, einige Probleme. Zu allem Übel rutschte eine Teilnehmerin auf einer glatten Stelle aus und stürzte dabei schmerzhaft  auf den Steiß. Das machte uns alle betroffen und noch vorsichtiger.

Bei der Wittmann-Schikane legten wir eine Rast ein und irgendwie hatte dabei jeder das Gefühl sich sein Essen redlich verdient zu haben. Hier gab es dann, wie Paul es nannte „großes Kino“ zu schauen. Das bedeutete, dass alle einem mutigen Teammitglied zuschauen konnten, der eine schwierige, kniffelige und kraftraubende Passage meisterte, woraus die Zuschauenden lernen konnten. Abends hatten wir vom ständigen Nach-oben-Schauen Nackenschmerzen, die aber positiv zu sehen waren, denn sie lenkten von den Schmerzen in den Armen, Beinen und Schultern ab.

 

Wir erlangten, dank der Unterstützung unserer Ausbilder immer mehr Sicherheit und jeder freute sich, wenn er wieder ein weiteres Stück des Höhenglücksteigs gemeistert hatte. Paul und Elke an unserer Seite zu haben gab ein beruhigendes Gefühl, ebenso die Möglichkeit, dass man schwierige Passagen immer umgehen konnte.

 

Weiter ging es dann zu Teil 2 des Steigs und hier zogen sich unsere Arme immer länger. Wir lernten dabei einen wichtigen Teil unserer Ausrüstung besonders zu schätzen und auch ständig einzusetzen, nämlich die  Rast-Schlinge. Der zweite Teil des Steigs war kürzer als Teil 1, aber schweißtreibend und kräftezehrend. Jeder von uns fand für sich eine gute Möglichkeit die Herausforderung zu meistern. Teilweise wurde die Atmung deutlich hörbar lauter. Es wurde laut und vibrierend gesungen. Schimpfwörter waren zu vernehmen und jemand verlangte nach Kaffee und Teilchen. Letztendlich bemerkte Paul ganz trocken, dass der ein oder andere Helm wohl Undichtigkeit aufweisen würde, da  der Schweiß in Strömen über´s Gesicht lief. Eine dunkle, ungesicherte Höhle, durch die wir nach unten stiegen, bildete den Abschluss des 2. Teils. Unmittelbar danach erreichten wir den dritten Teil mit überwiegend D-Passagen.

 

Einige der Teilnehmer meinten noch Power zu haben um diesen Teil zu meistern. Jedoch als selbst Ausbilderin Elke sich doch tatsächlich zu einem „Puuuh“ hinreißen ließ, zitterte der eine oder andere von uns Teilnehmern noch ein wenig mehr. Mit häufigem Einsatz der Rastschlinge, neuem Entdecken von Muskelgruppen und krampfartigem Hangeln am Stahlseil schafften wir auch diesen Teil.

 

Beim 4. Teil des Höhenglücksteig waren dann alle mit viel Motivation, Freude und Durst dabei. Im Gasthof „Goldener Hirsch“ erholten wir uns bei kühlen Getränken und erfuhren von Paul, dass gute Kletterer nicht vom Fels fallen, sondern 100 Jahre alt werden und im Bordell sterben. …

 

Die erfrischende Dusche in unserer Herberge half uns die Schmerzen von überdehnten Sehnen, angeschlagenen Knien und Schienbeinen, sowie die blauen Flecken an den Gliedmaßen zu überwinden. Anschließend füllten wir unsere Kohlenhydrat-Depots bei einem schmackhaften und reichhaltigen Abendessen wieder auf. Unser unterhaltsamer Herbergsvater verwöhnte uns mit einem selbst hergestellten Zirbenschnaps und schwärmte mit viel Enthusiasmus von der Zubereitung. Bei Kerzenschein und kühlen Getränken ließen wir den milden Abend im Freien ausklingen.

 

Nach einem stärkendem Frühstück wurde weiteres Material verteilt. Spätestens jetzt hatte jeder Teilnehmer den Überblick völlig verloren über das „Gelumps“, das an seinem Klettergurt herabbaumelte.

 

Am Franken-Kamin des Norissteigs demonstrierten uns Paul und Elke Möglichkeiten sich sicher abzuseilen und erklärten uns die Funktion verschiedener Sicherungsgeräte. An Seilen, die Paul an Bäumen anbrachte, übten wir das Knoten einer Bremsschlinge. Obwohl es bei einigen Teilnehmern eher an eine Makramee-Arbeit erinnerte, ließen sich Paul und Elke nicht aus der Ruhe bringen und zeigten uns geduldig den Knoten immer und immer wieder.

 

Jetzt wurde es Ernst: über den Franken-Kamin hinauf sicherten wir uns gegenseitig und seilten uns danach aus ca. 12 m Höhe selbständig ab. Der Schritt rückwärts ins Leere und das Abseilen bedeutete für viele Teilnehmer eine Überwindung und Grenzerfahrung.

 

Wer aber dachte, dass das Programm an dieser Stelle enden würde, hatte sich getäuscht, denn es folgte noch eine weitere Herausforderung. An der Mittelbergwand erwarte uns ein schwieriger Einstieg entlang einer Felsspalte, gefolgt von einer Kletterpartie. Am Ende wurden wir am Gipfelkreuz mit einem fantastischem Ausblick belohnt.

 

Zum krönenden Abschluss des Kletterkurses fanden wir uns wieder im Teil 4 des Höhenglücksteigs „Goldener Hirsch“ ein. Erleichtert, dass wir das Wochenende alle ohne größere Blessuren überstanden hatten, genossen wir das reichhaltige Essens- und Getränkeangebot. Bei den gemeinsamen Gesprächen zeigte sich, dass alle mit dem persönlich Erreichten sehr zufrieden waren und die Erwartungen an den Kurs übertroffen wurden. Sogar unser Ausbilder Paul lobte den geringen Verbrauch von Pflaster- und Verbandsmaterial.

 

An dieser Stelle unseren herzlichen Dank an Elke und Paul für für euer Engagement, für die verständlichen und humorvollen Erklärungen, für eure Geduld und für die sichere Begleitung.

 

Resume des Kurses: : Ideales Wetter +  eindrucksvolle Landschaft +  tolles Team + zwei erfahrene  Ausbilder + anspruchsvolle Klettersteige = erlebnisreiches, herrliches Wochenende

 

Bettina Becker und Jürgen Kühn

Kategorie: Aktuell, Allgemein, Ausbildung, Ausbildungsberichte

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