Grundkurs Klettersteig vom 01.- 08. September 2012

| 5. November 2012 | Keine Kommentare

Zur Vorbereitung auf den Klettersteigkurs, Kennenlernen und Ausrüstungscheck trafen sich die Teilnehmer mit Ausbilder Paul Pütz  schon einmal im August am Bopparder Klettersteig, der auch gleich begangen wurde. Nachdem einige abgesagt hatten, waren wir froh, dass der Kurs dennoch stattfinden konnte.

Auf halbem Weg in die Dolomiten trafen wir uns gegen Mittag beim Dorfwirt in Weyarn an der A 8: Paul, Willi, Volker, Elisabeth und Gabi.  Unsere Unterkunft, das Rifugio Valentini, liegt unweit des Sellajochs auf 2213 m Höhe und ist eher ein gemütliches Bergsteigerhotel  als eine einfache Hütte. Kulinarisch wurden wir mit italienischer Küche auf hohem Niveau verwöhnt. Bereits während des Frühstücks musste eines von drei Abendmenüs ausgewählt werden, was bei dem Hüttenangebot nicht immer leicht fiel, weil einfach alles ausgezeichnet aussah und schmeckte!

Am Sonntag brachen wir im Frühnebel auf zum Klettersteig Cima Col Rodela. Hier ging es zur gleich Sache, nach den ersten paar Metern auf nassem Untergrund und glattem abgewetzten Dolomitgestein wollte Elisabeth bereits nach Hause. Der Psychostrick wurde erfolgreich eingesetzt und das erste von drei Gipfelzielen – für diesen Tag – wurde für Alle zum Erfolg. Nach einer sehr kurzen Mittagspause ging es weiter zu den Cir-Spitzen, Gehschulung und Klettersteigtechnik wurden bereits vertraut angewandt.

Am Montag fuhren wir vom Sellajoch aus mit der stark im Wind schaukelnden „Eiergondel“ hinauf zur Demetzhütte (2681 m) und stiegen dann erst mal wieder ab zur Langkofelhütte (2253 m). Von hier aus begann  der Aufstieg zum Plattkofel über den Oscar-Schustersteig. Auf dem Weg dorthin wurde heftig diskutiert, ob man am Anseilplatz vor dem Aufstieg oder viel früher was essen sollte, weil durch die Verdauung und das Völlegefühl die Kletterei und deren Genuss zu kurz kommen. Der Kompromiss ca. 20 min vor dem eigentlichen Anseilplatz wurde Pause gemacht und das Klettersteigset zur Zeitersparnis angelegt. Diese Vorgehensweise blieb ein einmaliges Erlebnis.

Jeweils abends, nach den opulenten Menüs, planten wir dann je nach Wettervorhersage die Tour für den nächsten Tag. Jeder sollte einmal eine Tour voll- und selbständig  planen, führen und erfolgreich – mit Gipfel – zu Ende bringen.

Am Dienstag war eine Nivellierungstour geplant, die einen steigen einfach und die anderen schwieriger zum selben Ziel auf. Nachdem wetterbedingt – es goss in Strömen – 3mal umgeplant wurde, fiel die Entscheidung auf den Sassongher, mit seilgesichertem Weg unterhalb des Gipfelplateaus. Von der Talstation Colfosco (Utia Edelweiß, 1832 m) führten schmale Pfade uns oberhalb von Felsbändern und Abbrüchen hinauf ins Geröll, von wo aus es über sandige Serpentinen auf den (Gipfel 2665 m) ging. Unterwegs konnten eindrucksvoll die Gefahren des Geländes, Abbrüche und rutschige Passagen gezeigt werden.

Am Mittwoch kam nun endlich die Nivellierungstour. Wir starteten in zwei Gruppen auf verschiedenen Wegen zu unserem gemeinsamen Ziel, dem Piz Boe (3152 m). Elisabeth und Gabi fuhren vom Passo so Pordoi (2239 m) mit der Gondel zum Rifugio Maria (2950 m) und liefen von dort aus inmitten einer grandiosen „Mondlandschaft“ mit  tollen Ausblicken auf dem Dolomiten-Höhenweg Nr. 627 zur Bamberger Hütte/ Rifugio Boe (2871 m). Hier machten sie eine Pause, um nicht auf dem kalten und windigen Gipfel zu lange auf Willi, Volker und Paul warten zu müssen. Die Drei haben sich nämlich den anspruchsvollsten Klettersteig der Dolomiten vorgenommen, die Ferrata Piazetta, und ihn auch ohne Hilfe glücklich geschafft! Bei diesem Aufstieg wurden alle Register gezogen und alle verfügbaren Kenntnisse live umgesetzt. Durch heftiges Ausatmen und leichtes Muskelflattern wurden die besonderen Aktionen auch hör- und sichtbar.

Zu guter Letzt haben Elisabeth, Paul und Willi auf dem Rückweg noch die Gondelabfahrt verschmäht und sind mit Spaß die Schotter-Serpentinen der Alta Via Dolomiti hinunter “gesurft“. “Surfen“ heißt in diesem Fall Abfahren ohne Ski.

Am Donnerstag bei schönem Wetter machten wir uns früh auf zum Klettersteig Pisciadu in der Nähe des Grödner- Jochs (Parkplatz, 1956 m). Eine der Teilnehmerinnen hatte in der Eile die strümpfe vergessen und lief unten ohne. Noch bevor weitere Kletterer uns voran gehen konnten, waren wir am Aufstieg. Es ging anfangs zum Aufwärmen recht leicht, zum Schluss hin wurde es immer anspruchsvoller. Das Highlight war ein leichter Überhang und die Überschreitung einer Hängebrücke über einen beachtlich tiefen Abgrund. Gottseidank gesichert!  An der Pisciadu-Hütte (2613 m) angekommen, trennten sich unsere Wege: Während die Mädels zum Kartenschreiben auf der Hütte blieben, machten sich die Jungs noch weiter  auf zum Gipfel  des  Pisciadu (2985 m). Den Rückweg traten wir dann gemeinsam an über den Dolomiten-Höhenweg Weg Nr. 666, wobei uns Paul nochmal mit den Abstiegstechniken – nach Möglichkeit: Vorwärts mit Sicht – vertraut machte.

Am Freitag hatten wir herrliches, sonniges Wetter. Pauls Blick begutachtete, wie schon am Tag zuvor, die Marmorlada, Steigeisen und Pickel lagen bereits im Kofferraum. Aber wir wollten doch lieber noch einen längeren Klettersteig gehen.  Also verschob er schweren Herzens das Projekt Gletschertour und Marmorlada Westgrat. Der Trincee wurde von Araba aus mit Gondelunterstützung angefahren. Von der Gondel aus konnte man die erste steile Felsnadel sehen. Wie sich später herausstellte, sollte es nicht die letzte gewesen sein. Aber die erste steile Stirnflanke dieses Vulkans mit griffigem und ziemlich rutschfestem Lavagestein hatte es in sich und verlangte zusätzliche Sicherungen. Ein Seil mit Rücklaufsperre und geringfügiger Unterstützung reichte vollständig aus, um diesen sehr langen und an jeder Ecke überraschenden Berg mit Brücke und dunklen Tunnels zu durchqueren.

Der Abschied fiel schwer, weil die Dolomitensonne bereits die Felsen vorgewärmt und hatte und einen herrlichen Klettertag erwarten ließ.

 

Kategorie: Ausbildungsberichte

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