Grundkurs Eis und Schnee vom 02.06. bis 09.06.2012

| 20. Oktober 2012 | Ein Kommentar

Ort: Simonyhütte, Dachsteingebirge

Teilnehmer: Simone, Yvonne, Martina, Helmut, Mario, Rolf und Andreas

Ausbilder: Paul Pütz und Uwe Michael

 

Treffpunkt für eine sehr spannende und fordernde Tour war der Gasthof Hunerkogel auf 1.700 m, direkt an der Dachstein Gletscherbahn.

Pünktlich um 14:Uhr ging es los, wobei wir die ersten Höhenmeter mit der Bahn zurücklegten, um anschließend eine „leichte Wanderung“ zur Simonyhütte mit unserem „kleinen“ Gepäck in Angriff zu nehmen.

Beim Start schien noch die Sonne, aber nach kurzer Zeit änderte sich das Wetter total. Es wurde erst windig, dann zogen Wolken auf und schließlich kam noch Nebel dazu. Dass Pauls GPS versagte und die Orientierung immer schwieriger wurde, machte die Sache nicht leichter. Doch bevor wir uns auf die Wegsuche machen konnten, mussten wir uns erst mal wärmer anziehen, die Steigeisen anschnallen und uns ans Seil knüpfen. Wir befanden uns nämlich schon auf dem Gletscher. Nach recht beschwerlichen Kilometern mal in die eine und dann in die andere Richtung konnte sich der Sportkletterer Uwe gegen den erfahrenen Alpinisten Paul durchsetzen und, siehe da – die Simonyhütte kam in Sicht.

Gegen 18 Uhr konnten wir unsere nassen Sachen in einer nur unwesentlich nach Brackwasser duftenden Hütte ausziehen.

Wir wurden von Christoph, dem Hüttenchef, begrüßt, der gleich mal sehr deutlich zum Ausdruck brachte, wer das Sagen hat.

Unsere Männer hatten ein Lager für 12 Personen, das aber voll in Anspruch genommen wurde und nicht kleiner hätte sein dürfen. Die Bergfeen bekamen ein schönes 4-Bett-Zimmer mit ein wenig knarrenden Betten, deren Lärm nur von Simones Husten übertönt wurde.

Unser ganz famoser Koch Florian aus Bayern zauberte ein sehr schmackhaftes Abendessen und erklärte uns, dass die Küchenvorräte so ziemlich der Neige zugingen, da der Hubschrauber schon seit 5 Tagen nicht landen konnte. Mit diesen rosigen Aussichten gingen wir gegen 22 Uhr ins Bett, um am nächsten Morgen die Berge des Dachsteingebirges erobern zu können.

 Nach einer gehörigen Mütze Schlaf wollten wir den Hohen Ochsenkogel besteigen und machten uns nach dem wir gefrühstückt hatten auf den Weg. Der Wetterbericht war nicht so toll. Es sollten Gewitter im Anmarsch sein. Und tatsächlich zog es schneller zu, als erwartet. Aus Sicherheitsgründen wurde der Rückweg rund um den Schöberl angetreten. Das Wetter verhielt sich dann doch nicht wie versprochen und am Nachmittag schien wieder die Sonne, sodass wir uns auf den Weg zu einem schönen Schneehang machten, um dort alle Facetten des Gehen und Fallens bzw. Stürzens im Schnee zu trainieren. Schon diese Übungen waren kraftraubend und auch für den Kopf ziemlich anstrengend, da es doch gar nicht so einfach ist, am Steilhang einen Sturz kontrolliert in die richtigen Bahnen zu lenken.

Ausgepowert erreichten wir wieder unsere Hütte und kuschelten uns nach mehr oder weniger Körperpflege am warmen Kachelofen an, den wir gleich am ersten Abend auf Dauer gemietet hatten und auch gegen Fremde erfolgreich verteidigen konnten.

Nach dem leckeren Abendessen wurde ein Plan für den nächsten Tag gemacht, für den Regen angesagt war. Aber auch das sollte kein Hindernis für einen anstrengenden Ausbildungstag werden.

Wie immer frisch gestärkt ging es los und wir machten uns durch Regen und Nebel auf die Suche nach der der Kletterhalle. Diese erwies sich nicht als Halle im herkömmlichen Sinn, sondern als „überdachtes Loch“, wie Paul sie bezeichnete. Dabei mussten wir feststellen, dass dieser überdachte Felsen total genial für die Ausbildung am Fels ist, vor allem bei solch schlechtem Wetter. Der Klettersteig war gar nicht so ohne. Außerdem wurden Abseiltechniken trainiert und Spaltenbergung. Nebenbei haben wir Wurfübungen mit Steinen auf Köpfe gemacht, was wohl am besten geklappt hat. Nach dieser erfolgreichen Disziplin wurde dann die Helmpflicht auch für Hallen ausgesprochen. Es war ein super Tag für alle werdenden Alpinsten.

Abends verfolgten wir gespannt den Wetterbericht, der nicht so toll daher kam, wie gehofft. Es wurde dennoch der Plan gefasst, am nächsten Morgen sehr früh zum Dachstein aufzubrechen.

 Wie gesagt, so getan. Nach ca. einer Stunde mussten wir feststellen, dass wir nichts mehr sehen konnten außer Nebel. Uns blieb nur die Umkehr zur Hütte, was auch schon beschwerlich genug war. Auch eine bedeutende Erkenntnis für uns: Bei schlechtem Wetter geht so gut wie nichts mehr! Ohne Orientierung ist man sehr hilflos.

Auf der Hütte zauberte Florian für uns mit den verbliebenen 3 Eiern einen leckeren Kuchen. Genau wie wir wartete unser Koch immer noch auf gutes Wetter, um den Hubschrauber mit frischen Lebensmitteln in Empfang nehmen zu können.

Am Nachmittag wurde es etwas besser, sodass wir uns auf den Weg machen konnten die Spaltenbergung zu üben. Auch da ging es ganz gut zur Sache. Es wurde gezehrt und gegraben, gehalten und gezogen. Am Ende mussten wir Simone noch als „Schwerverletzte“ bergen, was sicherlich noch einiger Wiederholungsübungen bedarf, um der Verunglückten nicht noch mehr Schaden zuzufügen und ihr auch Schmerzen zu ersparen, die sie ganz offensichtlich hatte.

Am Abend hörten wir dann einen sehr interessanten Vortrag über einen tatsächlichen Unglücksfall am Dachstein. Günter, der gute Geist der Hütte und langjähriges Mitglied der Tiroler Bergwacht, zeigte uns ein Video über eine Rettungsaktion am Hallstätter Gletscher, an der er maßgeblich beteiligt war.
Unser Respekt vor den Bergen und der Bergwacht stieg an diesem Abend nochmals an. Nach der Wettervorhersage für den 06. Juni, konnten wir den Angriff auf den Dachstein erneut planen.

 Paul ließ uns diesmal ganz früh antanzen und nach dem Frühstück ging es direkt los.

Es war viel Neuschnee gefallen, sodass der Anmarsch zum Hohen Dachstein schon sehr beschwerlich war. Aber Simone bahnte uns einen tollen Weg. Während unserer Tour über den Gletscher versanken wir zum Teil bis an die Hüften im Schnee. Nach ca. 2 Stunden standen wir am Einstieg zum Normalweg, dem Randkluftsteig (Kategorie A/B, bei Normalen Bedingungen) und waren froh, alle Gletscherspalten gut überwunden zu haben.

Der Klettersteig war z.T. verschneit und vereist, es war eine richtige Winterbegehung. Wir musste uns deshalb mit dem Seil sichern. Es war eine spannende Tour auf den Gipfel und für uns alle ein unvergessliches Erlebnis. Dort oben tummelten sich allerdings 3 Gruppen, sodass es ziemlich eng zuging. Als wir uns das Gipfelkreuz endlich erkämpft und das obligatorische Gipfelfoto geschossen hatten, kam die Frage auf, wie wir wohl wieder runter kommen würden. Auch für uns sollte sich, wie für die meisten Bergsteiger, der Abstieg als schwieriger als der Aufstieg erweisen.

Wir nahmen den gleichen Weg nach unten, indem wir uns mit 2 x 30 m und 1 x 15 m langen Seilen abseilten. Simone machte wieder den Anfang, da sie von uns Möchtegernalpinisten diejenige mit dem meisten Durchblick bzw. Bergerfahrung war. Unten angekommen musste sie sich im Schnee eingraben, da der Standplatz sehr ungünstig war.

Dabei gelang es ihr dennoch, den von Rolf fallengelassenen Handschuh aufzufangen. Mario war völlig genervt von der Seilmarkierung (quasi eine Stolperstelle für den Prusikknoten), so dass er bei gefühltem Blutdruck von 300 seine Steigeisen abwarf. Paul musste nochmal ein Stück nach oben klettern, da sich das Seil verfangen hatte. Es ging ihm alles nicht schnell genug. Aber ein Anfängerkurs ist eben keine erprobte Seilschaft.

Allem zum Trotz kamen wir bis zu Simone und auch weiter, immer weiter, obwohl Paul ein bisschen unzufrieden mit unserer Marschleistung über den Gletscher war. Man spürte schon ganz ordentlich die Erschöpfung, wobei die Eine oder der Andere sogar für unseren ausgeglichenen Uwe zu laut waren, sodass er die Flucht nach vorn antrat. Manche Teilnehmer hatten wiederum gänzlich andere Probleme, in etwa mit Magen und Gedärm.

Hatten wir für den Weg auf den Gipfel ca. 4,5 Stunden gebraucht, erreichten wir die Simonyhütte nach ungefähr 5 Stunden. Es war so toll, uns wieder an den warmen Kachelofen kuscheln zu können. Alle waren geschafft und um einige Erfahrungen reicher. So manch einer war an seine Grenzen bzw. in deren Nähe gekommen.

Nach einer erholsamen Nacht und einem schönen Morgen ging es im Sonnenschein endlich aufs Eis. Paul hatte sich eine schöne Stelle für die Ausbildung ausgesucht. Leider hatte er nicht mit einer Verweigerin gerechnet. Martina hatte sehr unangenehme Erfahrungen auf Eis gemacht und noch nicht das nötige Vertrauen in die Steigeisen und ihr Können. Aber alle anderen zeigten sich wissbegierig und lernwillig.

Paul demonstrierte dann auch eindrucksvoll, wie es funktioniert, wenn eine Eisschraube nicht hält, das war schon aufregend.

Zum Mittag hatten wir uns Kaiserschmarren gewünscht. Der war eine Klasse für sich. Der Hubschrauber hatte endlich wieder Lebensmittel auf die Hütte gebracht, sodass Florian uns sehr verwöhnen konnte. Am Nachmittag marschierten wir zum Schöberl. Auf dem Monisteig (Kategorie A/B) ging es locker hinauf und auf dem Mingmasteig hinunter. Es war eine sehr angenehme stressfreie Tour.

Der letzte Tag war wieder ein Gipfeltag. Über den Wildkar-Klettersteig(Kategorie C/D) wollten wir zunächst auf das Vordere Niedere Kreuz (2.560 m). Frischen Mutes machten wir uns an die Arbeit. Rolf vorneweg. Prompt kam die D-Stelle, der Überhang, und schon hingen wir fest.

Mit einem Affenzahn zog Paul an Rolf vorbei, um ein Seil abzulassen und uns Hilfestellung zu geben, was auch bei fast allen Not tat. Die Stelle hatte es in sich.

Als alle glücklich oben waren -Helmut war in weiser Voraussicht gar nicht mitgekommen- wurde schon der nächste Gipfel ausgeguckt, das Hohe Kreuz. Martina übernahm beim Anblick des Weges dorthin die Überwachung der Gegend in einer entspannten Haltung. Aber auch die anderen Alpinisten ließen nicht lange auf sich warten. Der Zustieg war ebenfalls verschneit und vereist, sodass wieder nur mit Seil ein Aufstieg möglich gewesen wäre. Dafür reichte aber unsere Zeit nicht aus. Außerdem war Uwe nicht mitgekommen. Der suchte bereits den Weg für den Abstieg. Wir wollten ihn auch nicht zu lange warten lassen. Über den Hohen Ochsenkogel (2.527 m), den Hohen Trog (2.359 m) und den Wildkarkogel (2.163 m) ging es abwärts wieder in Richtung Hütte.

Am Abend fand ein Uno-Turnier unter verschärften Bedingungen statt.

Außerdem war eine neue Gruppe angekommen, die bei schönstem Wetter am frühen Abend die Spaltenbergung in der Hütte trainierte. Da waren wir also schon von anderem Format.

Irgendwann geht leider jeder Ausbildungskurs mal zu Ende und nachdem wir unsere Schulden bei Christoph bezahlt hatten (andere machen dafür 14 Tage All–Inclusive-Urlaub) mussten wir leider ins Bett. Der letzte Tag würde ein harter werden.

Unser letztes Frühstück, viele Lobes- und Dankesworte und schon ging es los bei schlechtem bis miesem Wetter. Vollbepackt durch tiefen Schnee, bei Regen und Nebel dauerte der Rückweg zur Hunerkogelbahn 3 Stunden. Die Flotten der Gruppe marschierten zügig voraus und dabei landeten sie recht bald an der Seetalerhütte. Auf dem Rückweg zum richtigen Weg trafen sie dann wieder auf den Rest der Gruppe, wobei sich wieder einmal die Weisheit bestätigte:

„Die Letzten werden die Ersten sein.“ Völlig durchnässt erreichten wir bei dichtem Nebel die Bahn. Von da an ging es abwärts und zum Schluss hieß es Abschied nehmen.

 Wir möchten uns bei unseren Ausbildern Paul und Uwe ganz herzlich bedanken, für die vielen Dinge, die wir gelernt haben und für das vermittelte Wissen, was wir noch alles lernen müssen. Es war ein super anspruchsvoller Grundkurs in Fels und Eis. Danke für die tollen Erfahrungen, die wir sammeln konnten. Wir machen auf die eine oder andere Weise weiter, denn jeder von uns liebt und lebt die Berge.

 Martina 2012

Kategorie: Ausbildungsberichte

Kommentare (1)

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  1. Friedhelm Hulley sagt:

    Toller Bericht! Herzlichen Glückwunsch allen Teilnehmern für diesen, nicht unbedingt alltäglichen und zum Sommer passenden Kurs. Denn das Wetter und die Bedingungen waren teilweise wohl eher winterhaft. Aber wie man dem Bericht entnehmen kann, habt ihr alle großen Spaß gehabt und viel gelernt. Und darauf kommt es letztlich an. Und eine Besteigung des Hohen Dachstein bei diesen Bedingungen ist schon ein großer Erfolg!

    Aber auch unseren Ausbildern Paul und Uwe möchte ich für die Durchführung und ihr Engagement ganz herzlich Danken!

    Friedhelm Hulley
    Ausbildungsreferent

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