Engadin-Pontresina Tour 2006

| 14. August 2006

„Wir fahren ins schöne Engadin,“ ließ Gerd Krischer im August 2006 bei der Vorbesprechung zu unserer Oberengadin-Tour verlauten. Deshalb machte sich unsere kleine überschaubare Gruppe von sieben Personen am Morgen des 21. September 2006 auf den Weg in die Schweiz.

Oberengadintour 2006 – „Wenn Engel reisen ….“

Teilnehmer: Gerd Krischer, Dirk Fergen, Dr. Paul Groll, Peter Foitzik, Claudius und Renate Pons, Michael Bersch

Die Anreise verlief auffällig mühelos, so dass genug Zeit blieb, die Züricher Rushhour zur Mittagszeit mit all ihren Annehmlichkeiten vollens auszukosten. Nach einem Abstecher durch die Lenzer-Heide kamen wir schließlich über den Julier-Pass gegen Nachmittag an der Jugendherberge in Pontresina an. Der Rest dieses Donnerstags diente der Akklimatisierung und der Routenplanung für den nächsten Tag.

Freitagmorgen um 8°° starteten wir unsere erste Tour. Per Zug und anschließender Seilbahnfahrt erreichten wir die Bergstation Diavolezza, um von dort aus auf den Munt Pers zu gelangen. Gegen 10:45 erreichten wir den Gipfel in 3.207 m Höhe. Traumwetter! Keine Wölckchen am Himmel, nur Sonnenschein! Nach einer Pause folgte der Abstieg vorbei an der Diavolezza hinunter zur Morteratschgletscherzunge um unsere Gletscherwanderung, mit Zwischenstopp auf der Isla Pers, zu beginnen.

Da Gletscherzungen die unliebsame Eigenschaft haben, ihr Terrain jährlich zu verändern und wir bei der Routenplanung am Abend zuvor anscheinend einige Höhenlinien übersehen hatten, wurde der Gletscherabstieg recht abenteuerlich. Während es überall heißt, dass sich die Gletscherzungen in den letzten Jahrzehnten ständig zurückbildeten, hatten wir zeitweise den Eindruck als würde die des Morteratsch immer länger werden. Irgendwann kamen wir aber doch noch sichtlich erschöpft und leicht verspätet an der Morteratsch-Bahnstation an. Endlich Zeit für’s Abendessen und Flüssignahrung!! Die anschließende Erkundung des Nachtlebens von Pontresina scheiterte daran, dass Pontresina kein Nachtleben zu haben schien!!

Am folgenden Samstagmorgen wollten wir, im wahrsten Sinne, zu hoch hinaus! Wir fuhren mit dem Auto nach Silz-Maria um von dort mit der Seilbahn bis hinauf zur Bergstation zu gelangen. Allerdings fuhr die Bahn aufgrund der Sommersaison nicht bis ganz oben, weshalb wir auf der Mittelstation (2.313m) „rausgeschmissen“ wurden und den restlichen Weg zu Fuß gehen mussten …., was sich aber als nicht weiter tragisch heraus stellte.

Denn unterwegs kamen wir an vielen sehenswerten Aussichtspunkten vorbei. Unter anderem mit Blick auf die Maloja-Schlange, wie sie sich langsam durchs Tal in Richtung St. Moritz zu bewegte. An der im Sommer verlassenen Bergstation Furtschellas (2.791 m) machten wir eine kurze Pause, bevor wir uns dazu entschlossen, einen Abstecher zum Piz Chüern zu machen, wo wir schließlich auch gegen 14°° ankamen. Die Mittagspause verbrachten wir dort oben in 2.689 m Höhe unter strahlender Sonne. Auch der Abstieg zurück nach Silz-Maria hatte einiges zu bieten. Der Weg führte teilweise an steilen Hängen vorbei und sorgte so für sehenswerte Panoramabilder. Nach einem kurzen Halt zur Stärkung im Schweizer Hof am Maloja-Pass fuhren wir nach Pontresina.

Am Sonntagmorgen hieß es dann mutig sein! Dem schlechten Wetter zum Trotz fuhren wir von Muragl mit der Zahnradbahn, zwar ohne Regen aber im dichten Nebel hinauf nach Muottas Muragl in 2.454 m Höhe. Von da aus führte unser Weg zur Segantini-Hütte (2.731 m). Die weiße Nebelwand im Blick und die Berglandschaft vor dem geistigen Auge machten wir dort gegen Mittag unsere erste längere Pause. Das erste Mal in dieser Woche wurde es erforderlich die dicken Winterjacken auszupacken! Während wir anschließend den Steinbockweg entlang marschierten, der seinem Namen alle Ehre machte, klarte der Himmel langsam auf und die Sicht wurde immer besser! Daher begannen wir, wenn auch leider leicht deziminiert, den Aufstieg zum Piz Languard ( Zitat: „Ich bitte darum, mich unerlaubt von der Gruppe entfernen zu dürfen!“). Um ½ 4 auf 3.262 m Höhe angekommen, wurden wir mit einer der schönsten Aussichten dieser Woche belohnt. Der anschließende Abstieg wurde hin und wieder von ein paar Murmeltieren verzögert, so dass wir den Sessellift hinunter nach Pontresina erst kurz vor Torschluss erreichten. Das lang ersehnte Abendessen war wie an allen Tagen ein Highlight! Leider neigte sich ebenso wie das Wochenende, auch der Getränkevorrat in der Jugendherberge dem Ende zu. Man konnte die Erleichterung der Bedienung spüren, als unsererseits auf eine Nachbestellung verzichtet wurde („Gut, dass der DAV nur mit kleiner Mannschaft angereist ist!“)

Am Montag regnete es von morgens bis abends. Also wurde der „freie“ Tag genutzt, um einen Abstecher nach Livingno in Italien zu machen, die Tanks aufzufüllen und um diverse Einkäufe zu erledigen … na ja … was man halt so braucht zum Überleben!

Am Dienstagmorgen war Käse an der Reihe bzw. es drehte sich alles um Käse! Da das Wetter zwar trocken aber noch nicht wirklich „astrein“ war, konnte man sich, wenn man denn ein Käsefan war, in einer nahen Käserei das Produktionsverfahren und den Betrieb zeigen lassen. Nachmittags folgte dann eine kleine Waldwanderung von Pontresina in Richtung Süden.

Hin- und Rückweg glichen an diesem Tag, im Gegensatz zu den vergangenen Tagen, eher einem Spaziergang. Es war aber auch viel interessanter Gerds Tierfütterungen zu beobachten, als wie die Tage zuvor durchs Gelände zu peitschen! Ein Zwischenstopp zur Stärkung in einem kleinen Restaurant rundete den Ausflug erfolgreich ab.

Am Mittwoch stand schließlich die letzte Tour auf dem Programm. Erst jetzt wurde klar, dass die in den letzten Tagen so oft versprochene „Anfänger-Tour“ zum Piz Bernina nicht in Angriff genommen werden würde!

Stattdessen starteten wir gegen 9°° auf der Bergstation Marguns eine Wanderung zum Piz Padella. Gegen Mittag kamen wir schließlich auf dem Gipfel in 2.857 m Höhe an. Bei trockenem Wetter teilweise angenehmen Sonnenschein versuchte jeder von uns diesen letzten Tag in vollen Zügen auszukosten. Die Tour zum Padella war dafür optimal geeignet. Gegen 16°° in Pontresina zurückgekehrt, ließen wir anschließend den Tag in gemütlicher Runde ausklingen.

Allen Teilnehmern wurde in dieser Woche viel geboten. Die Touren waren alle sehr abwechslungsreich und gut geführt! Das Wetter war nahezu optimal und die Stimmung in der Gruppe stets ungetrübt.

Am Donnerstag hatte dann jeder Zeit genug, während der Heimfahrt die erlebnisreiche vergangene Woche Revue passieren zu lassen! Nach dem Julier-Pass, Zürich und der Schweizer Grenze warteten endlich wieder deutsche Autobahnen auf uns! Ist doch immer wieder ein schönes Gefühl, zu Hause zu sein … und sich dabei schon auf die nächste Reise zu freuen!

Michael Bersch

Kategorie: Ausbildungsberichte

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