Eiskurs 2015 Bordierhütte CH

| 14. Oktober 2015 | Keine Kommentare

Auch in diesem Jahr ging es für den Grundkurs Eis wieder in die Walliser Alpen. Statt der Turtmannhütte – Ziel der vergangenen Jahre – sollte der diesjährige Ausgangsstützpunkt unserer Tagestouren die Bordierhütte sein.

Nachdem die Ausrüstung bereits beim Vortreffen besprochen wurde, ging es am frühen Morgen des 12. Juli 2015 los. Mit Norbert startete der Hauptteil der Gruppe gegen 4:00 Uhr in Koblenz und wurde nur kurz durch einen vergessenen Eispickel aufgehalten. Dafür ging es dann ohne Stau oder weitere Verzögerungen in Richtung Grächen, wo wir gegen 11:00 Uhr ankamen und sich unsere Gruppe mit Paul und den restlichen Teilnehmern vervollständigte.

Gut gelaunt und bei bestem Wetter schlugen wir gegen Mittag unseren Weg in Richtung Bordierhütte ein. Der sehr abwechslungsreiche Pfad war bereits ein sehr schöner Einstieg für uns. Aus dem Ort heraus zog sich der Weg entlang der alten Wasserrinne immer weiter in Richtung  Riedbach, dessen Ursprung unser Ziel war: der Riedgletscher. Mit Überquerung des Baches bekamen wir den Gletscher zum ersten Mal zusehen und gleichzeitig auch vor Augen geführt, wie weit unser Weg noch war. Bei einer alten Schäferhütte rasteten wir, um noch einmal Kräfte für den nun deutlich strapaziöseren Anstieg zu sammeln.  Auf dem folgenden schmalen Serpentinenpfad zog sich das Feld etwas auseinander, da hier jeder sein eigenes Tempo ging. Letztendlich traf man sich jedoch auf dem Gletscher wieder, um gemeinsam diesen zu überqueren und den letzten Anstieg über Treppen und Leitern zu meistern. Wir erreichten schließlich, auch nahezu pünktlich zum Abendessen, erleichtert die Hütte. Zur Erfrischung gönnte man sich erst einmal den verschwenderischen Luxus einiger Kaltgetränke. Begleitet von der Steinbock-Show lernte man sich noch etwas näher kennen, ging dann aber nach einem doch sehr langen Tag zeitig ins Bett.

Der nächste Tag startete pünktlich um sieben Uhr mit dem Frühstück unter den wachen Augen von Pius, unserem Hüttenwirt. Der sah es gar nicht gerne, wenn wir in dem Versuch uns das Geld für ein Lunchpaket zu sparen, eine Scheibe Brot oder Käse in unseren Taschen verschwinden ließen. Die Rucksäcke wurden gepackt und es ging zeitig über Blockwerk in Richtung Gletscher. Die ersten Gehversuche mit Steigeisen standen nun auf dem Plan. Nachdem man ein geeignetes Plätzchen gefunden und die Steigeisen festgezurrt hatte, begannen wir mit ersten Grundübungen. Wir stampften und sprangen, liefen in Polonaise bergauf und bergab. Einige Tritte in steileres Eis und Pickeleinsatz folgten, dabei immer den sauberen Zackeneinsatz beachten – Einigen musste man dies in den kommenden Tagen öfter erklären. Wir übten auch das Einrichten von Standplätzen im Eis, mittels Eisschraube oder Eissanduhr. Dabei schafften etliche Zugversuche das nötige Vertrauen in diese Konstruktionen. Schließlich kamen wir – in Seilschaft – noch mit Gletscherspalten in Kontakt, bevor es am Nachmittag zurück zur Hütte ging. Nach einer kleinen Pause stand dort Knotenkunde auf der Terrasse an. Der Abend klang, wie an den folgenden Tagen auch, mit sehr unterhaltsamen und lustigen Gesprächen aus.

In den kommenden Tagen ging es wie gehabt den Berg hinauf. Zur Akklimatisierung stiegen wir über die Abbruchkante bis zum Sattel zwischen Balfrin und Ulrichshorn auf und schienen so dem Wochenziel schon ziemlich nah. Auch hier wurden wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Beim Abstieg gingen die Seilschaften unterschiedlich geeignete Wege über die zerklüftete Kante. Während sich eine Gruppe auf dem vermeintlich einfacheren Weg verrannte und auf den ersten ernsthaften Eisschraubeneinsatz angewiesen war, stieg die Zweite die bekannte Aufstiegsroute wieder ab. Runter kamen schließlich beide Gruppen und genossen die Pause auf dem sonnengewärmten Fels. Ausgeruht machten wir uns daran, unsere Pickel als „toten Mann“ in den Schnee einzugraben und diesen Fixpunkt, dieses Mal mit geballtem Mannschaftszug, auf die Probe zu stellen. Die Spaltenbergung in unterschiedlich großen Seilschaften stand am nächsten Tag auf dem Programm. Hier konnten alle Teilnehmer jede mögliche Position als Trockenübung durchspielen. Der Abstieg erfolge an diesem Tag erstmalig über den Gletscher. An Fixseilen gesichert, ging es die steile Flanke hinab. Allgemein gestaltete sich das gesamte Programm sehr abwechslungsreich und trotz aller bedeutsamen Inhalte, kam der Spaß an keiner Stelle zu kurz. Geschult aus den letzten Tagen ging es schließlich am Mittwoch auf das Ulrichshorn.

Das frühe Aufstehen, mit Frühstück um 3:00 Uhr, war im Hinblick auf das Tagesziel nebensächlich. Im Schein der Stirnlampen startete um 4:00 Uhr der inzwischen routinierte Aufstieg über die bekannte Route bis zum Gletscher. In der ersten Dämmerung nahm man seine Position in der Seilschaft ein. Es folgte ein steiler Weg über die Abbruchkante und im Anschluss ein meditatives Stampfen über die Gletscherebene. Am Fuße des Gipfelaufschwungs angekommen, wurde es dann noch einmal so richtig anstrengend. Schritt um Schritt gingen wir in unseren Seilschaften Richtung Gipfel. Der kräftezerrende Anstieg schien nicht enden zu wollen. Doch dann hörte man irgendwann die ersten Jubelrufe von jenen, die den Gipfel bereits erreicht hatten. Mit diesem Ansporn erreichte kurz danach auch die zweite Seilschaft die Spitze. Die komplette Gruppe hatte den Aufstieg gemeistert, was Norbert sichtlich erfreute. Paul stand buchstäblich Kopf. Bei grandiosem Wetter genossen wir alle den Ausblick und schossen unsere Fotos. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es direkt wieder auf den beschwerlichen Rückweg, bevor der Schnee zu sulzig wurde. Der Abstieg, gerade bis auf die obere Gletscherebene, war sehr anstrengend. Uns allen steckten die Strapazen des Aufstieges in den Knochen. Wir waren froh, als wir den gewohnten Rastplatz erreichten und unsere Steigeisen abschnallen konnten. Zurück an der Hütte, gab es für diesen Tag noch etwas „schonende“ Theorie. Mit Karte, Planzeiger und Marschtabelle wurde der Tag rekonstruiert und gleichzeitig verglichen, wie Theorie und Praxis zueinander passen. Nach diesem anstrengenden Tag wurde beim Essen besonders zugeschlagen. Mit reichlich Bier und Wein wurde das Erreichte gebührend gefeiert.

Die nächsten Tage ließen wir es etwas ruhiger angehen. Das Kursziel war erreicht, so dass Nobert und Paul entspannt mit uns im Eis „spielen“ gehen konnten. Dieses Mal stiegen wir den uns nur vom Aufstieg bekannten Teil hinab. Dort erwartete uns etwas steileres Gelände, wo wir noch einmal das Gehen am Fixseil übten. Die Gruppe um Paul konnte sich mit Eisgerät und Frontzackeneinsatz noch im Eisklettern versuchen, bevor es in den flacheren Teil des Gletschers ging, wo Norbert bereits die realistische Spaltenbergung mit Mannschaftszug übte. Hier, vor der nächsten Abbruchkante, konnte man wunderbar in die Spalten einsteigen und sich von seinen Kollegen „befreien“ lassen. Pünktlich zum Abschluss unserer letzten Übung, setzte letztlich Regen ein. Da wir bis dahin von der Sonne verwöhnt wurden, konnte dies unseren Spaß nicht mehr trüben. Gesellig verbrachten wir den Abend in der Stube und ließen uns von Norberts Anekdoten unterhalten. Wir planten für den nächsten Tag einen weiteren 3000er in Angriff zu nehmen. Sofern das Wetter passt, sollte das „Große Bigerhorn“ bestiegen werden. Mit einer etwas reduzierteren Mannschaft – Simon entschied sich arbeitsbedingt für einen früheren Abstieg – ging es am Morgen mit leichtem Gepäck los. Diesmal ohne Steigeisen, dafür aber mit etwas mehr kraxeln, bestiegen wir den Geröllhaufen vor unserer „Haustür“. Trotz des bewölkten Himmels, war die Sicht vom Gipfel hervorragend. So ging der Blick zurück auf das Ulrichshorn und zukünftige Ziele wurden ins Visier genommen. Da wir beim Aufstieg einige Umwege in Kauf nehmen mussten, wurde es beim Abstieg zur Aufgabe gemacht, möglichst jede Gelegenheit zu nutzen, um Steinmännchen zu bauen. Ein Teil der Gruppe machte noch einen Abstecher zum Gipfel des Kleinen Bigerhorn, bevor wir wieder zurück zur Hütte gingen. Mit dem Wissen, dass dies der letzte Ausflug für diese tolle Tour war, freute sich die jeder auf den Abschluss auf der Hütte. Unser Hüttenwart Pius ließ gleich nach unserer Rückkehr die erste Flasche des Selbstgebrannten herumgehen. Norbert, der frisch von seiner Ausbilder-Schulung kam, wollte uns noch die Selbstrettung mit der Garda-Rücklaufsperre näher bringen und demonstrierte uns die anstrengende Übung direkt bei der Hütte. Diese kräftezerrende Aufgabe war dann aber nur noch für wenige reizvoll, was vielleicht auch ein kleines bisschen an dem Birnenschnaps lag. Nach dem Abendessen sollte eine weitere Schnapsrunde von Pius folgen und es wurde wieder ordentlich gefeiert. Die Hüttenruhe wurde etwas überschritten, was aber selbst den Hüttenwirt nicht mehr zu stören schien. Dies führte jedoch dazu, dass unser 3.00 Uhr-Frühstück etwas verspätet startete.

Wir hatten uns am Abend entschieden früh abzusteigen, da der Heimweg schließlich lange genug war und am Tag drauf einige wieder arbeiten mussten. Etwas angeschlagen, aber immer noch mit einem Lächeln im Gesicht, starteten wir in den Tag. Wir verabschiedeten uns herzlich und stiegen noch im Dunklen ab. Ein letztes Mal wurden beim Überschreiten des Gletschers Steigeisen angezogen. Der weitere Abstieg zog sich hin. Unser Trott lief so gedankenverloren, dass wir etwas länger unterwegs waren, als gewollt. Trotz unseres Umweges kamen wir doch wieder in Grächen an, wo wir es kaum erwarten konnten, unsere Bergstiefel auszuziehen und gegen bequeme Turnschuhe zu tauschen. Wir verabschiedeten hier den privat angereisten Teil, sattelten auf und machten uns auf den Heimweg. Nach einem sehr guten Essen auf einem Rasthof, kamen wir gegen 18:00 Uhr am Sonntag den 19. Juli wieder am Sektionshaus an.

Unser Dank gilt Paul und Norbert für eine hervorragende Tour. Es hat uns zu jeder Zeit sehr viel Spaß gemacht und wir sind froh, dass wir bei solch einem Traumwetter, welches (fast) die ganze Woche hielt,  so viel unternehmen konnten.

Teilnehmer vom Grundkurs Eis 2015 waren Katrin, Kerstin oder Kirsten, Michael, Eric, Timo oder Tobi? Wer war Stefan? Bastian und Hilmar, jeweils zwei Norberts und Pauls, davon jeweils einer als Ausbilder. Simon, Peter und Helmut, äh Herbert, nein Hermann… – Egal, eigentlich waren wir nur ein Haufen von Chefs und Schooofen. Und das Wichtigste natürlich: Wir hatten viel Spaß!

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Kategorie: Ausbildungsberichte

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