Eis- und Hochtouren-Grundkurs; 2017 Kaunertal

| 21. Juli 2017 | Keine Kommentare

aperer Gletscher mit sichtbaren Spalten

Rutsch- und Sturzversuche

Gleichschritt mit Steigeisen

Spaltenbergungs Übungen

Wasserversorgung der Rauekopfhütte

Der Weg zur Weissseespitze

 

 

Sonne, Wolken, Regen, Hagel… und wieder Sonne. So in etwa lautet die Kurzbeschreibung des Wetters für unsere Woche auf der Rauhekopfhütte. Trüb war die Stimmung jedoch ganz und gar nicht. Wir haben bei der Grundausbildung Hochtouren ganz viel gelernt, gelabert und gelacht.

Hochmotiviert und mit zu wenig Schlaf im Körper traten wir die Anreise ins Kaunertal um 4:30 aus Koblenz an. Kurze Zeit und vier Kaffee später trafen alle am Parkplatz zum Gepatsch Ferner ein. Über sattgrünen almen, plätschernden Bächen führte uns Norbert hoch zum Gletscher. “Steigeisen an! Pickel braucht ihr nicht!” Nach kurzer Einführung liefen wir dem Gletscher einfach mal 200 Hm neben kleinen und großen Spalten hoch. “Zum Ende der Woche werden sich die Eisen wie Pantoffeln anfühlen”-lachte Norbert über die ersten schüchternen Schritten. Später oben zwischen den Felsen haben wir sogar zwei Schneehühner gesehen. In den folgenden Tagen haben wir dann nur noch welche gehört.

An der Hütte angekommen erwarteten uns die Wirte für die Woche: Ursel und Dieter. Da haben wir große Augen gemacht als sie jeden einzeln die Hand gaben als Begrüßung. Majestätischer Empfang, wie beim Sterne Hotel. Ganz gemütlich wurden Betten belegt, Klamotten ausgepackt, erste Biere und Skiwasser getrunken. Das Essen wurde von Anfang bis Ende der Woche mit viel Liebe und gutem Geschmack serviert. Suppe, Hauptgericht und Dessert haben immer gemundet. Mit der Zeit kamen dann die Wirte auch an den Tisch und somit ergaben sich schöne Gespräche. Wir lernten nicht nur den Berg, sondern uns gegenseitig auch kennen.

Frühstück um 7- wir sind ja im Urlaub, da kann man mal ausschlafen. Im Nebel und Nässe brachen wir auf um die ersten Übungen durch zu rutschen, wortwörtlich. Norbert macht es vor, Paul fängt auf. Wir sind in allen erdenklichen Lagen einem Schneehang runter gesaust um uns dann wieder zu fangen. “Grundstellung! Liegestütz!”- rief Norbert jedem zu. Manche fanden sehr viel Spaß an der Sache, anderen gab es Flugzeuge im Bauch. Am Ende haben wir alle souverän die Hürden gemeistert, da hieß es auch “sehr gut Conny!” Noch kurz gespurt, dann ging es zurück zur Hütte um Spaltenbergung zu üben. In 4-er Mannschaften haben wir alle Stationen einer Seilschaft durchgespielt damit jeder weiss was zu machen ist wenn jemand in eine Gletscherspalte fällt. Vor dem Abendessen ging es dann um die Tourenplanung auf die Weißseespitze. Vier Stunden 22 Minuten, klingt gut, mal schauen wie es wird.

Es wurde schnell, und erschöpfend, zumindest für Janos, der sich als Seilschaft Führer freiwillig gemeldet hat für die Tour. Schon beim Aufschwung zum Gletscher hieß es immer wieder: “Mach langsam!” 3,5 Stunden spuren und zwei Pausen – und ein paar hüft-breite Spalten – später standen beide Seilschaften neben dem Gipfelkreuz auf der Spitze 3526 m über dem Meeresspiegel. Markus übernahm die Führung um das Tempo ein bisschen gemütlicher zu halten. Jetzt wissen wir auch warum ein Teil des Gletschers Sumpf heißt: in der Nachmittagssonne hat sich die Schneedecke aufgeweicht, aus jedem Tritt wurde eine Pfütze.

“Morgen früh wird es bis Mittag trocken, dann kommen 5 Liter pro Quadratmeter runter.” Darauf haben wir uns eingestellt als wir ohne Regenüberhose auf den Gletscher unterhalb der Hütte gingen. Schade nur, dass es genau umgekehrt kam. Kaunertal… regen… wind… Dietmar’s Frisur sitzt. Bis auf einige pfiffige wurden alle am zweiten Ausbildungstag bis auf die Höschen nass.  Dabei hat es so viel Spaß gemacht mit den Steigeisen auf den Schuhen und Eispickel in der Hand 50° Steilen hoch zu rennen. Norbert hat uns sogar einen Fixseil eingerichtet doch nach 3 Stunden im Regen war es Schluss mit lustig. Als wir dem Aufschwung zur Hütte packten hat uns doch die Sonne den Rücken massiert – vergeblich, denn wir wollten alle nur noch wieder trocken werden. Es blieb nichts anderes übrig als die Klamotten auf zu hängen und warten dass sie trocknen. Also planten wir die nächste Tour, diesmal auf den Fluchtkogel, auf 3500 m, diesmal 5 Stunden 20 Minuten hoch. Die Tour musste aber warten, das Wetter war nicht gnädig genug. So haben wir uns in der Scheune von der Hütte auf 3 m Höhe hoch geprusikt. Wer das noch nicht kennt: es ist die Akt des hochhampelns am Seil. Macht Spaß, wenn man es das erste mal macht. Dann nicht mehr. Daher haben sich diejenigen die es schon gekannt haben im Gemeinschaftsraum mit Mensch ärger dich nicht vergnügt. Hypothesen wie man so einen oder mehrere Tage in einem Zelt aushalten könnte kamen und gingen. Irgendwann werden wir es wohl herausfinden.

Die Tage vermischen sich in meinem Kopf, ohne Termine und Plan zu leben ist ganz ungewohnt. So kann ich auch nicht mehr sagen wann wir genau nochmal Spaltenbergung geübt haben und an welchem Tag wir – um uns endlich mal zumindest ein bisschen zu bewegen – einfach an den Felsen hoch und runter gekraxelt sind. Eins weiss ich noch: geklettert haben wir auch noch. Und zwar mit Bergstiefeln. Ganz andere Schwierigkeit, aber auch die Erkenntnis: „Ja, die halten auch!“

Am vorletzten Morgen die Überraschung: 10-20 cm frischer Pulverschnee. Da hat sich Norbert angesprochen gefühlt der Truppe den Weg zu zeigen. Tatsächlich war es schwer zu erraten wo es zwischen Fels und Schnee hergehen soll. Zum Glück haben wir diese Strecke schon so oft gesehen bis dahin, dass es nicht lange gedauert hat bis wir uns am Gletscher wieder anseilen konnten. Markus war wieder an der Front, hat die ganze Strecke bis zum Gipfel hochgespurt. Das Tempo war viel angenehmer: “Toll gemacht Markus, da kam keiner aus dem Atem!” Bergauf langsam aber stetig, so holte uns das Unwetter auch ein. Beim rasten unterhalb der Brandenburger Haus mussten wir schon die Jacken anziehen, auf dem Weg zurück zur Rauhekopfhütte hat es dann richtig angefangen zu hageln. Windböen waren immer wiederkehrende Begleiter. Wie Stechmücken an einem heißen Sommertag, so lästig wurden die feinen Hagelkörner in der Kälte wenn sie ins Gesicht flogen. Der Wind hat unsere mühevoll eingestampfte Spur in kürzester Zeit fast komplett wieder mit Schnee zugedeckt.

An der Hütte angekommen hieß es dann wie fast an jedem Tag in der Woche: “Wer will Kuchen?”. Die Wirte waren besonders Gastfreundlich und professionell und das obwohl sie eigentlich ihr Urlaub so verbringen. Sind nämlich ehrenamtlich tätig im Rahmen der DAV Sektion Frankfurt.

So langsam die Woche wegen Wetter daher schlich, so rasch haben wir am Morgen der Abreise unsere “Koffer” gepackt. Entführten noch die Hüttenwirtin auf dem Weg, damit Sie auch in Kobenz etwas feines für uns kochen kann. Spaß bei Seite – ich glaube Sie wollte einfach in Gesellschaft absteigen. Grausam oder günstig, beim Abstieg hatten wir wieder super Wetter. So ließen sich später auch die Staus besser aushalten.

An dieser Stelle geht lob und Dankeschön an unsere Ausbilder Norbert Dötsch und Paul Pütz sowie die Hüttenwirte Dietmar und Ursula M. Ohne die vier wäre diese Woche nur halb so amüsant, lehrreich und komfortabel gewesen.

Lang leben die Schneehühner!

János Palik

Kategorie: Aktuell, Allgemein, Ausbildung, Ausbildungsberichte

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