Durchquerung des Berner Oberlandes auf dem Bärentrek

| 8. Oktober 2017 | Keine Kommentare

Auf der Gspaltenhornhütte

Ende August starteten Petra, Marion, Christof, Günter, Harald, Thomas und Wolfram bei strömendem Regen zu einer Bergtour in die Schweiz. Trotz des Schienenersatzverkehrs auf der Bahnstrecke zwischen Raststatt und Baden Baden erreichten wir Meiringen im Haslital fast zur geplanten Zeit. Bei strahlendem Wetter fuhren wir bis zur Rosenlaui Gletscherschlucht mit dem Post-Bus den Berg hinauf.  Begleitet wurde die Fahrt in den engen Serpentinen vom charakteristischen Hupen Dreiklang vor jeder Kurve. Nach der langen Anreise mit Zug und Bus freuten wir uns auf die Durchwanderung der engen Felsschlucht entlang der tosenden Wassermassen und zwischen engen Felsspalten (Bild 01). Anschließend wanderten wir zu unserer ersten Unterkunft der Brochhütte, die nach einer guten Stunde erreicht wurde. Von der Terrasse der SAC-Hütte hatten wir einen herrlichen Blick auf die Engelshörner(Bild 02)  und konnten hinter der Großen Scheidegg auch schon Eiger und Mönch sehen(Bild 03). Die Hütte war zum Wochenende mit knapp 50 Personen ausgebucht und da hatte Susanne, die Hüttenwirtin, viel zu tun mit der Bewirtung der Gäste. Da sie die Hütte alleine bewirtschaftet, war mit der Hilfe der Gäste die Essensverteilung und der Abwasch schnell bewältigt. Auf Empfehlung von Susanne gingen wir dann am Sonntagmorgen auf dem Romantikweg über die Pfanni-Alm zur großen Scheidegg. Unterwegs trafen wir auf eine große Ziegenherde, die uns eine Weile begleitete und sich nicht abschütteln ließ (Bild 04). Erst einer jungen Frau und einem Jungen, die von der nahen Alm angerannt kamen, gelang es die Herde zum Berg hinaufzutreiben. Von der Großen Scheidegg ging es den Berg hinunter ins weite Tal der Lütschine Richtung Grindelwald (Bild 05). Wie angekündigt zogen sich die Wolken immer mehr zu. Daher fuhren der Großteil der Gruppe mit der Jungfernjochbahn Richtung Kleine Scheidegg hinauf zu unserem nächsten Ziel dem Berghaus Alpiglen. Christof und Wolfram wählten den Fußweg und mussten durch kleinere Regenschauer wandern. Zum Abend verzog sich dann der Regen und so konnten wir nach einem guten Abendessen den herrlichen Blick von der Terrasse unterhalb vom Eiger auf Grindelwald genießen.

Bei strahlendem Wetter starteten wir am nächsten Tag zur Kleinen Scheidegg. Den ganzen Tag hatten wir herrliche Blicke auf die gewaltige Gebirgsszenerie von Eiger, Mönch und Jungfrau. Auf der kleinen Scheidegg herrschte reger Rummel von den zahlreichen ausländischen Gästen aus aller Welt, die nur ein Ziel haben – mit der Bahn zum Jungfernjoch zu fahren (Bild 06). Wir verlassen diesen Umsteigebahnhof nach einer kurzen Rast und sind bald wieder allein unterwegs. Bald schon können wir das nächste Tagesziel sehen die Ortschaft Mürren. Dazwischen liegt allerdings das tiefe Lauterbrunnental, in das erst abgestiegen werden muss. Oberhalb des Lauterbrunnentals fanden wir einen schönen Platz für unsere Mittagspause und genossen den Blick auf den gegenüber liegenden Ort Mürren und die umgebenden Berge. Nach Überquerung der gewaltigen Schluchtenverengung des Trümmelbaches auf einem schmalen Steg geht es in zahlreichen Serpentinen und teilweise über drahtseilgesicherte Felsenstufen in den Talgrund des Lauterbrunnentals (Bild 07). Bei der Mündung der Trümmelbachwasserfälle endet der Bergsteig und wir wandern im Talgrund zur Talstation der Schilthornbahn. Mit 2 Seilbahnen geht es über Gimmelwald nach Mürren. Von der Bergstation mussten noch steile 200 Hm bis zur Suppenalp zurückgelegt werden. Auf dem Giebel des mehrstöckigen altehrwürdigen Holzhauses steht der Spruch „Erhebet eure Stirn zu Berg und Firn Lasst trüben Sinn hier fahren, Lauscht dem Weiheklang am Alpenhang dem Heimatsang  dem wunderbaren“. Wir fanden die Beschallung der Hütte mit rhythmischer Beatmusik wunderbar und entspannten auf der von der Sonne beschienene Terrasse mit Blick auf das Bergmassiv des Dreigestirns, das uns den heutigen Tag begleitet hat (Bild 08). Bemerkenswert ist auch, dass für die Suppenalp an einem nahegelegenen Mast der Schilthornbahn ein Ausstieg gebaut wurde, der aber nicht mehr benutzt werden darf (Bild 09). Das Abendessen schmeckte so gut wie es die Gerüche aus der Küche vermuten ließen und so schliefen wir gut im großen Schlafsaal, den wir für uns allein hatten. Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es wieder bei strahlendem Sonnenschein los über die Schiltalp, Rotstockhütte zur Sefinenfurgge. Der Weg führte vorbei am Fuß des Schilthorn mit der Bergstation der Luftseilbahn und einem gigantischen Drehrestaurant. Diese Gebäudekulisse wurde durch den James-Bond-Film– Im Geheimdienst Ihrer Majestät – 1969 weltberühmt und wird heute noch entsprechend vermarktet. Nach anstrengendem Aufstieg zur Sefinenfurgge machten wir auf dem Pass eine ausgiebige Pause (Bild 10). Durch eine hochgebirgige Felslandschaft ging es dann weiter zur auf 2455 Hm gelegenen Gspaltenhornhütte (Bild 11). Diese Hütte ist so gestaltet, dass sie sich kaum von der Felslandschaft abzeichnet. Von der Sonnenterrasse hatte man herrliche Blicke auf die umgebenden Gletscher. Die Hütte war gut besucht mit Gästen aus aller Welt und so bekamen wir Platz in einem großen Schlafsaal mit vielen anderen Wanderern. Die Hütte wurde von mehreren jungen Frauen souverän bewirtschaftet und zur Begrüßung gab es einen Schluck Wein. Nicht nur hier hatten wir allerdings Probleme das Schwyzer Deutsch zu verstehen. Am nächsten Tag starteten wir früh zur Blümlisalphütte. Zuerst ging es über Moränen und über die Ausläufer des schuttbedeckten Gamchigletschers. Bis zur Schnattweng stiegen wir auf fast 2000Hm ab. Nach einer ausgiebigen Rast ging es steil hinauf zum Hohtürli 2778 Hm (Bild 12). Die restlichen ca. 100Hm zur Blümlisalp waren schnell zurückgelegt. Das Wetter schlug wie angekündigt um. So hatten wir keine gute Fernsicht und konnten den Thunersee nur erahnen. Wir erkundeten den Blümlisalpgletscher in der Nähe der Hütte, dann kam auch schon starker Wind auf. Schnell wurden die Tische und Bänke auf der Terrasse gesichert (Bild 13). Die Hütte war gut besucht und wir wurden mit einem heißen Tee freundlich begrüßt und gut versorgt. Wie bereits auf den vorherigen Hütten spielten wir auch hier aus der Spielserie „Anno Domini“ die Ausgabe über die Schweiz und lernten so viele interessante Dinge über unser Wanderland kennen. Wegen der schlechten Wetteraussichten brachen wir am nächsten morgen früh von der über den Wolken liegenden Blümlisalp auf Richtung Kandersteg. Bald waren wir mitten in den Wolken und es kamen vereinzelt Regenschauer runter. Auf dem Weg mussten wir sehr aufpassen, dass wir nicht auf die zahlreichen Alpensalamander traten. Wir kamen auch an einer größeren Herde Steinböcke vorbei, die wir im Nebel fast übersehen hätten. Vorbei ging es auch an der Alm Oberbärgli mit einer großen Sonnenterrasse, die verlassen im Nebel lag. Von dem angekündigten schönsten Schweizer Bergsee, dem Oeschinensee war leider nichts zu sehen. Unter einem Felsvorsprung geschützt vom Regen machten wir eine Pause. Da öffnete sich der Wolkenvorhang und gewährte einen kurzen Blick auf den malerisch in einen Felskessel gelegenen See (Bild 14). Wir gingen dann zur Bergstation der Luftseilbahn und bekamen wegen des schlechten Wetters einen Rabatt auf den Fahrpreis. Da für den Nachmittag die Schneefallgrenze auf 2000 Hm angekündigt war, schien es nicht ratsam über den Bundergrat zu gehen. Daher fuhren wir von Kandersteg mit dem Bus nach Adelboden-Margelibrügg. Bei strömendem Regen verließen wir den Bus und stiegen hoch zur Bonderalm. Hier wurden wir herzlich empfangen, waren froh im Trocknen zu sitzen und hatten viel Zeit uns mit der Wirtin über das Leben in der Schweiz, die Almbewirtschaftung, die Käseherstellung und vieles mehr zu unterhalten. Da die Hüttenbesitzer Mitglieder der Heilsarmee sind, gab es keinen Alkohol. Es war auch mal schön die einzigen Gäste auf einer Hütte zu sein. Am nächsten Morgen war es zwar noch bewölkt, aber trocken. Auf Almwegen ging es oberhalb von Adelboden vorbei an Laueli nach „Unter dem Birg“ der Talstation der Luftseilbahn zur Engstligenalp. Diesmal entschieden wir uns zu Fuß zu unserer Herberge aufzusteigen. Wir gingen an den Engstligenfällen vorbei. Der Bergpfad war gut zu gehen aber total verdreckt von Kuhfladen. Als wir die auf 2000 Hm gelegene Engstligenalp erreicht hatten, war von dem idylisch gelegenen Hochplateau am Fuße des Wildstrubel nichts zu erkennen. Alles war in eine wassergetränkte Wolke gehüllt. Da es nur wenige Gäste gab, bekamen wir für unsere Gruppe zwei 8-er Zimmer. Auch wurde unsere nasse Kleidung im Tumbler getrocknet. Wegen der für den nächsten Tag ganztags angekündigten Niederschlägen mit Schneefallgrenze auf Höhenlage unserer Unterkunft, musste wieder umgeplant werden. Auf Empfehlung der Hüttenwirtin von der Iffigenalp, unserem letzten Ziel, wählten wir die Strecke über den Hahnenmoospass und nicht die vorgesehene Strecke über den über 2400Hm hohen Ammertenpass. Am nächsten Morgen wurden wir früh von lautem Kuhglockengeläut geweckt. Zahlreiche Kühe wurden begleitet von mehreren Bauern an unserer Unterkunft im leichten Regen vorbei getrieben. Nach einem reichhaltigen Frühstück in einem riesigen Speisesaal mit Blick auf die schneebedeckte Terrasse und nur wenigen Gästen, brachen wir zur Bergstation der Seilbahn auf. Diese war nur 5 Min. entfernt, aber wegen des dichten Nebels nicht zu erkennen. Auf der Seilbahnfahrt konnten wir sehen, wie die Kühe auf dem Bergpfad, den wir am Tag zuvor aufgestiegen waren, zu Tale getrieben wurden. Es war der letzte Tag des Almabtriebs und so sahen wir einige schön geschmückte Kühe mit riesigen Kuhglocken, wie sie bei der Talstation ankamen und Richtung Adelboden weiter getrieben wurden (Bild 15). Wir fuhren mit dem Bus über Adelsboden nach Gelsbüel. Ab hier wanderten wir über den Hahnenmoospass nach Bühlberg. Hier stiegen wir in den Bus nach Lenk ein, wurden von dem Busfahrer begrüßt und erhielten ein 2 Tage gültiges Busticket, das von der Wirtin der Iffigenalp für uns hinterlegt worden war. Auf der Iffigenalp wurden wir herzlich begrüßt. Die Übernachtungszimmer waren in einem hölzernen, mehrstöckigen Berghaus untergebracht, das den Charme früherer Zeiten bewahrt hat (Bild 16). Am Abend ließen wir die vergangene Woche noch mal Revue passieren. Es hat uns allen gut gefallen, und wir waren froh, dass wir zumindest am Anfang unserer Tour schönes Wetter hatten. Am Sonntag war das Wetter wieder besser und es war für den ganzen Tag Sonnenschein angekündigt. Gerne wären wir weitergewandert, aber pünktlich kam der Bus um uns zum Bahnhof nach Lenk zu bringen. Bei strahlendem Wetter ging es zurück und zur geplanten Uhrzeit kamen wir in Koblenz nach mehreren Umstiegen an. Wir wollen aber alle noch mal wiederkommen, um auch den Teil des Bärentreks über die Gebirgspässe zu wandern, die wir umgangen haben.

 

Text und Bildauswahl:Marion und Wolfram

 

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Kategorie: Allgemein, Bergsteigergruppe, Gruppen

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