Die Eisenkrone – auf anspruchsvollen Steigen über den Wilden Kaiser

| 19. Oktober 2015 | Keine Kommentare

Die Überschreitung des Massiv des Wilden Kaisers wird auch „Eisenkrone“ genannt. Die Eisenkrone haben sich die Mitglieder der Bergsteigergruppe (Angelika, Jutta, Elisabeth, Cornelia, Jakob, Volker und Michael ) auf ihrer 7- tägigen Hüttenwanderung vom 07. -15.08.2015 aufgesetzt.
Ausgangspunkt war Scheffau, wo wir nach Ankunft am Freitagnachmittag noch ein erfrischendes Bad im Hintersteiner See genommen haben.
Am Samstag stand die „Eingehtour“ von Scheffau zur Kaindlhütte mit Überschreitung des Scheffauer auf dem Programm. Bei heißen Temperaturen erreichten wir über die Kaiser-Hochalm und steiles Felsgelände den Kamm zum Scheffauer. Dies hat uns viel Kraft und Kondition abverlangt, sodass nur ein Teil unserer Gruppe den Aufstieg zum Gipfel des Scheffauer unternahm. Der Abstieg zur romantisch gelegenen Kaindlhütte führte uns über einen der ältesten Steige im Kaisergebirge, den Wildauersteig .
Die zweite Etappe führte uns zwischen den Gebirgszügen von Zahmen – und Wilden Kaiser zum Stripsenjochhaus. Zuerst ging es 800 hm bergab über den Bettlersteig zum Anton-Karg-Haus. Nach einer Rast ging es schweißtreibend den langen Aufstieg zum Stripsenjochhaus hinauf. Unser Tagesziel erreichten wir am frühen Nachmittag, sodass wir noch Zeit hatten, in der Sonne zu relaxen und das herrliche Bergpanorama mit Blick auf die markanten Felswände des Wilden Kaisers zu genießen.
Den dritten Tag verbrachten wir auf dem Stripsenjochhaus. Ausgerüstet mit leichtem Rucksack und Klettersteigset haben wir den Stripsenkopf Klettersteig hinauf zum Stripsenkopf in Angriff genommen. Der Klettersteig war nicht sehr lang, bot aber doch einige Raffinessen. Zum „warm“ klettern und zur Einstimmung auf die weiteren Herausforderungen genau das Richtige. Vom Stripsenkopf ging es dann weiter auf dem Kamm zum Feldberg. Hier bot sich eine tolle Aussicht auf den Zahmen Kaiser und das Alpenvorland und auf die mächtigen Felswände des Wilden Kaisers. Wir holten uns „Appetit“ auf die morgige Tour, die uns durch das „Herz des Wilden Kaisers“ führen sollte. Vom Feldberg stiegen wir steil ab zur Grieseneralm, wo wir uns mit selbstgebackenem Kuchen stärkten, bevor wir am Stripsenjochhaus unsere heutige Tour beendeten.
Der Dienstag sollte wiederum ein großartiger Tag werden. Er führte uns vom Stripsenjochhaus, von der herben Nordseite durch das „Herz des Wilden Kaisers“ auf die liebliche Südseite zur Gaudeamushütte. Über den Eggersteig gelangten wir auf den Sockel der Fleischbank und weiter zwischen den senkrechten Wänden von Predigtstuhl und Fleischbank durch die Steinerne Rinne hinauf zum Ellmauer Tor. Ein grandioser Aufstieg mitten im Fels. Mit leichter Kletterei ging es weiter hinauf zum Gipfel der „Hinteren Goinger Halt“, wo wir durch ein herrliches Panorama über die großen Kletter-Klassiker am Wilden Kaiser : Fleischbank, Christaturm, Totenkirchl, Predigtstuhl, belohnt wurden. Alle zum Greifen Nahe .
Zurück über das Ellmauer Tor ging es über ein Geröllfeld hinunter zur Gaudeamushütte. In der Hütte erwartete uns schon der Hüttenwirt mit seinem berühmten „Wilder“-Kaiser Schmarrn. Nach der Stärkung hatten einige noch Lust für den Übungs-Klettersteig Ellmau.. Den Hüttenabend verbrachten wir zusammen mit zwei über achtzigjährigen Bergsteigern, die uns interessante Geschichten/Anekdoten aus ihrer langen aktiven Bergsteigerzeit erzählten.
Die fünfte Etappe führte uns hinauf zur Gruttenhütte. Die wunderschön gelegene Hütte mit traumhaft schöner Sonnenterrasse erreichten wir über den Klammlsteig. Auf der Gruttenhütte erleichterten wir unseren Rucksack, bevor wir unsere Etappe mit leichtem Gepäck fortsetzten. Zuerst ging es über den Jubiläumssteig wieder Richtung Ellmauer Tor. Der Jubiläumssteig ist ein sehr schöner Höhenweg und fasziniert durch interessante Felslandschaften und wunderschöne Aussichtspunkte.  Danach nahmen wir noch den Klamml Klettersteig in Angriff. Der Klettersteig besteht aus zwei Sektionen, die über eine Zwei-Seilbrücke miteinander verbunden sind. Die erste Sektion haben wir noch gemeinsam gemeistert. Die zweite Sektion mit einer senkrechten Wand und spärlichen Griffmöglichkeiten haben wir unseren „Könnern“ Angelika und Volker überlassen.
Am Donnerstag stand unsere „Königsetappe“ mit der Überschreitung des höchsten Gipfels im Wilden Kaiser der „Ellmauer Halt“ auf dem Programm. Gestartet sind wir mit leichtem Gepäck und kompletter Klettersteigausrüstung um 08:00 Uhr von der Gruttenhütte. Den Gamsängersteig, einen mittelschweren Klettersteig erreichten wir nach ca. 1 Std. Weiter im Steig führte uns der Weg über die Jägerwand, eine Treppe mit 74 Trittbügeln, am Babenstuberhüttchen vorbei (Biwakhütte) hinauf auf den Gipfel der Ellmauer Halt ( 2.344 m ). Bei „Kaiserwetter“ rasteten wir auf dem Gipfel und genossen den umfassenden Blick bis zu den Firngipfel der Tauern. Ein Blick auf die Uhr gab uns das sichere Gefühl, dass wir gut in der Zeit seien und die Gruttenhütte am späten Nachmittag wieder erreichen sollten. Es sollte anders kommen ! Der Abstieg erfolgte über den Kaiserschützensteig. Nebenbei haben wir auch noch den Gipfel der „Gamshalt“ mitgenommen. Nun merkten wir langsam, dass wir nicht mehr in unserem Zeitplan waren. Der Abstieg in das Kaisertal war sehr mühsam und kostete viel Zeit. Am späten Nachmittag erreichten wir den Abzweig zum Scharlinger Boden, der uns über ein steiles Geröllfeld wieder hinauf zur „Rote-Rinn-Scharte“ führte. Von hier hatten wir noch ca. 1,5 Stunden Gehzeit bis zur Gruttenhütte. Wir teilten die letzten Wasservorräte untereinander auf und machten uns auf die letzte Etappe des heutigen Tages. Mit leeren Wasserflaschen, durstig und mit müden Beinen erreichten wir mit Anbruch der Dunkelheit wieder die Gruttenhütte. Es war ein sehr anstrengender Tag, aber ein Tag mit vielen tollen Erlebnissen, die wir nicht vergessen werden.
Am siebten Tag unserer Kaiserumrundung war das Ziel der Gasthof Jägerwirt in Scheffau. Wiederum bei tollem Sommerwetter ging es am Hang entlang von der Gruttenhütte über den Wilden-Kaiser-Steig bis zum Häferl. Der Weg bot wunderschöne Ausblicke auf die südlichen Kaiserdörfer und den Hintersteiner See. Am Häferl bestand die Möglichkeit auch noch den dritthöchsten Gipfel des Kaisergebirges, den Treffauer zu erklimmen. Wir hatten noch den gestrigen Tag in den Knochen und wählten daher den direkten Abstieg zum Jägerwirt.
Der Jägerwirt ist ein gemütlicher Gasthof, bekannt auch aus der Fernsehserie „SOKO Kitzbühel“. Den Abend verbrachten wir mit einem vorzüglichem Essen und erlesenen Obstsorten in flüssiger Form und ließen die vergangene erlebnisreiche Woche mit Erlangung der „Kaiserkrone“ nochmals an uns vorüberziehen.
Der Heimreisetag am Samstag begann mit einem unvergesslichem „Kaiserblick-Frühstück“. Mit den Erinnerungen an eine tolle Woche traten wir die Rückreise nach Koblenz an.

Text: Michael Stahlhofen

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Kategorie: Aktuell, Bergsteigergruppe

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