Das erste Podium – IFSC Paraclimbing Weltcup Edinburgh 2017

| 6. Oktober 2017 | 2 Kommentare

Der zweite Paraclimbing Weltcup 2017 führte uns in das International Climbing Centre Edinburgh, die größte Indoor-Kletterhalle der Welt. Nicht ahnend, was uns dort erwarten würde, blieb uns erst einmal der Mund offen stehen, als wir aus dem Eingangsbereich in die Kletterhalle hinunter blickten: Die Kletterhalle ist in einen alten Steinbruch hinein gebaut, in dem bis zu 30 m hohe Kletterwände stehen, im Außenbereich gibt es auch am Felsen einige Routen. Unter den Kletterwänden sind z.B. eine Speedkletterwand oder eine komplett per Kettenzug neigungsverstellbare (!) Wand, an der der Lead-Weltcup ausgetragen wurde.

Vor 550 Zuschauern startete der Lead-, Speed und Paraclimbing Weltcup statt, parallel mit der Lead Qualifikation begann auch die Paraclimbing Qualifikation. In der ersten Route war der Kletterspaß schon nach den ersten Zügen apprupt beendet, da die Kante sehr technisch und für meine Einschränkung einfach unmögliche Züge forderte. In der zweiten Qualifikationsroute lief es deutlich besser, sodass ich um Haaresbreite den Einzug ins Finale der besten vier Kletterer schaffte, womit ich aufgrund der schlechten Wertung in der ersten Qualifikation überhaupt nicht gerechnet hatte. Die Qualifikation in meine Klasse RP1 war insgesamt sehr anspruchsvoll, da die gleichen Routen für die deutlich schwerer kletternde Klasse RP2 vorgesehen waren, was sich der Routenbauer dabei gedacht hat, entzieht sich unserer Kenntnis – entsprechend gering waren die erreichten Höhen in unserer Klasse bei fast allen Athleten. Da die Bedingungen aber für alle Athleten gleich sind, hilft jammern wenig, einzig festhalten und das Beste aus der Lage machen war angesagt ??.

Die Finalrouten bestanden zu unserer Überraschung leider nicht aus völlig neuen Routen, sondern „nur“ aus bereits vorhandenen Routen der Qualifikation vom Vortag, die in der jeweiligen Klasse noch nicht geklettert wurden. Meine Finalroute bestand aus einer überhängenden Verschneidung mit einem kniffligen Start, der mir nach der Besichtigung riesiges Kopfzerbrechen bereitete. Der erste Tritt war auf einem Volumen auf Oberschenkelhöhe angebracht, für meine nicht vorhandene Hüftbeweglichkeit ein echtes Hindernis … ich habe den Zug im Boulderraum der Isolation in etwa nachgestellt und schnell wurde klar: Über den vorgesehenen Tritt auf dem Volumen geht es einfach nicht. Übrig blieben ein paar wackelige Strukturen in der Wand und die Gewissheit, dass es ein ziemlich kurzes Finale für mich werden könnte, das schon direkt am ersten Zug endet. Nach cirka 2 Stunden in der Isolation ging es dann hinaus ins Finale: Strukturen angetreten, beherzt gezogen, umgetreten und schon hatte ich den dritten Griff in der Hand. Wow dachte ich nur, an dieser Stelle hatte ich meine recht niedrigen Erwartungen schon übertroffen – meine Befürchtung war durchaus berechtigt, denn mein Mitstreiter Fedde Benedictus aus den Niederlanden ist an genau dieser Stelle mit einer anderen Lösungsvariante aus der Wand auf den Allerwertesten geflogen. Der Routenbau im Paraclimbing hat hier aus meiner Sicht noch etwas Nachholbedarf, bei einer über 15 m hohen Wand gibt es keine Not, schon am Einstieg mit potentiellen „Groundern“ zu selektieren.

Die weiteren Züge durch die steile Verschneidung waren knifflig und an mehreren Stellen ging es nur an den Armen hängend ohne Füße von der einen zur anderen Wand der Verschneidung, bis dann passende Tritte und auch der Strom zu Ende waren. Am Ende reichte das für Platz 3, was mich total überraschte und damit aus dem gesamten Weltcup ein noch viel intensiveres Erlebnis machte …

Insgesamt hat das Deutsche Paraclimbing Team 4 Medallien errungen: 1x Gold (Kevin Bartke, AU2), 2x Silber (Nils Helsper RP1, Peter Kunze RP2) und 1x Bronze (Sebastian Depke). Des weiteren erreichte Günther Grausam den 9. Platz (AL2), Michael Füchsle den 5. Platz (RP2). Leider mit Magen-Darm-Infekt außer Gefecht war Andreas Band, der am Abend vor dem Wettkampf wohl die falschen Nahrungsmittel zu sich genommen hatte.

Text: Sebastian Depke

Stichworte: ,

Kategorie: Aktuell, Wettkampf

Kommentare (2)

Trackback-URL | Kommentarfeed

  1. Andreas Mützel sagt:

    Wow! Herzlichen Glückwunsch zu der Leistung, und weiterhin noch viel Spaß beim Klettern!

  2. Peter May sagt:

    Glückwunsch und höchsten Respekt, Sebastian, vor deinem Comback und dem sportlichen Erfolg, das ein Vorbild für alle Kletterer mit und ohne Handicap ist. Alles Gute auf deinem weiteren Weg!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.