Castor „by fair means“

| 9. November 2014 | Keine Kommentare

Nimmt man den zentralen Walliser Grenzkamm in Angriff, so startet man in der Regel komfortabel mit der Bahn auf das kleine Matterhorn und hat nur noch wenige Höhenmeter zum Gipfel von Breithorn oder Pollux zu überwinden. Das Unterfangen birgt jedoch zwei Unschönheiten. Zum einen ist die Bahn auf das kleine Matterhorn recht teuer und zum anderen setzt die große Höhe des Ausgangspunktes eine gute Akklimatisation voraus. Da wir einerseits die teure Schweiz ein Jahr meiden wollen und noch nicht genügend akklimatisiert sind, entscheiden wir uns, Castor und Pollux aus dem Ayastal anzugehen.

Bereits auf dem Weg durch das Ayastal stellen wir fest, dass sich, außer den Italienern selbst, kaum Touristen auf diese Seite des Monte Rosa Massivs verlaufen. So starten wir in aller Ruhe in Saint-Jacques zur nahe gelegenen Rifugio Ferraro, die nach der recht langen Anfahrt in einer angenehmen Stunde zu erreichen ist. Verwöhnt durch die gute italienische Küche starten wir am nächsten Morgen Richtung Rifugio Guide della Val d’Ayas. Der Weg ist abwechslungsreich und bringt uns schnell in hochalpine Regionen. Das Wetter ist wechselhaft gemeldet und so kommen wir auf den letzten Höhenmetern zur Hütte bereits in die Wolken.

Für den nächsten Tag steht der Pollux auf dem Programm, doch das Wetter bleibt leider wechselhaft. Bereits auf 3600m kommen wir in die Wolken und obwohl Auflockerung versprochen ist, bleiben die Gipfel verhüllt. Am Gipfelgrat angekommen, erweist sich dieser als unangenehm vereist und da die Chancen auf freie Sicht gleich Null sind, entscheiden wir uns in der Hälfte des Grates für den Abstieg. Der im Abstieg einsetzende Schneefall gibt uns Recht. Wir testen noch den Zustieg in Richtung Zwillingsjoch, doch das knietiefe Einsinken in der Flanke lässt unsere Hoffnung für den nächsten Tag schwinden.

Wir stehen schon kurz vor der Entscheidung unverrichteter Dinge ins Tal abzusteigen, da macht uns der letzte Wetterbericht des Hüttenwartes erneut Hoffnung. Es soll ein Schönwetterfenster von einem halben Tag kommen und für die kommende Nacht sind Minusgrade gemeldet. Wir hoffen auf ein wenig Glück und starten am nächsten Morgen in Richtung Castor. Wie versprochen war die Nacht kalt und klar und so gelangen wir bei bestem Trittfirn schnell zum Zwillingsjoch. Auch hier sind die Verhältnisse gut und so machen wir uns voller Zuversicht an den Aufstieg über den Gipfelhang. Die Flanke ist gut gefroren und so brauchen wir uns über Lawinengefahr keine Gedanken zu machen. Vorsicht ist jedoch trotzdem geboten, denn die Flanke erweist sich als steiler als vermutet. Das Sahnestück der Tour wartet in Form des schmalen Gipfelgrates, der leider etwas zu kurz geraten ist.

Der Gipfel empfängt uns mit schneidendem Wind und so machen wir nur ein kurzes Gipfelfoto, bevor wir den Abstieg antreten. Schön zieht sich der Abstieg den geschwungenen Grat entlang, bis die Spur am Felikhorn in Richtung Rifugio Quintino Sella abbiegt. Wir erhaschen noch einen kurzen Blick auf den Liskamm, doch bei diesem Wind und dem erneut schlecht gemeldeten Wetter, wird er wohl noch ein Jahr warten müssen. Schnell erreichen wir die Hütte und entscheiden uns schließlich für den Abstieg ins Tal.

Dieser startet mit einem schönen und interessanten Klettersteig, doch der Weg bis zum Bettaforca ist weit und so sind wir froh, als wir endlich an der Bahnstation angekommen sind. Wir nehmen die Bahn in Richtung Resy und stehen bald am Ausgangspunkt unserer Tour, dem Rifugio Ferraro. Hier genießen wir ein weiteres Mal die gute Küche und schauen gelassen in den nun eintretenden Regen. Haben wir auch nicht all unsere Ziele erreicht, so können wir doch auf eine schöne Tour zurückblicken. Die Berge bleiben eben unberechenbar und das ist auch gut so!

 

Alexander Werle und Bianca Urmersbach

Stichworte:

Kategorie: Aktuell, Hochtourengruppe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.