Aufbaukurs Eis 2013 Taschachhaus / Ötztaler Alpen

| 7. August 2013 | 5 Kommentare

Vom 22.06. – 29.06.2013 fand auf dem Taschachhaus in den Ötztaler Alpen erneut der Aufbaukurs Eis statt. Diesmal unter ganz besonderen, in dieser Form noch nicht erlebten Umständen. Zumindest, was das Wetter betraf!

Was wir in dieser Woche so alles erlebt und gelernt haben, können Sie/Ihr diesem ebenfalls etwas „anderen“, vielleicht ungewohnten Bericht entnehmen.

 

Teilnehmer:

Simone Stopperich, Mario Lotz, Andreas Haupt, Rolf Thone, Dominik Lotz,
Dirk Gorges, Jörg Kaiser
Ausbilder: Heike Schuster-Hulley, Friedhelm Hulley

 

Ins Pitztal ging ́s, zum Taschachhaus,
hier kennen sich Heike und Friedhelm gut aus.
Sie wollen mit uns viele Gipfel besteigen
und uns Theorie und Praxis zeigen.
Ein winziges Lager für sieben Personen.
Wer will auf welcher Matratze wohnen?
Schnell wurde alles klar gemacht,
ruhig schliefen wir, Nacht für Nacht.

 

Am ersten Morgen, wer hätt ́s gedacht,
die Tiroler Sonne vom Himmel lacht.
Voll Freude ging man zum Taschachfernerbruch,
hier sind die Eiswände hoch genug.
Während Friedi tote Männer und Eisuhren gräbt
haben wir mit Heike Standplätze geübt.
Perfekte Topropes mit leichtem Überhang,
wir nahmen ́s in Angriff, zögerten nicht lang.
Dominik machte eine perfekte Figur.
Mario geriet zuvor aus der Spur.
Er wollte auch ein Ötzi sein
und brach in eine tiefe Spalte ein.
Nur eine dünne Schneedecke hielt ihn noch.
Hatte er Angst? Heike half ihm hoch.
Dirk gab alles an der Wand
mit zerrissenen Gamaschen und blutiger Hand.

 

Gegen Abend brach eine Kaltfront herein,
bei Blitz und Donner begann es zu schnei ́n.
Drei Tage lang verzauberte die weiße Pracht
das Pitztal in eine Winterlandschaft.
Mehr als kniehoch schneiten wir ein.
Wir haben doch Sommer, muss das denn sein?
Die Bergung aus echten Spalten wollte man üben,
wir gaben uns mit einem Schneefeld zufrieden.
Schneeballschlacht statt T-Shirt-Wetter,
die Schneeschuhe waren erlösende Retter.
Zum Pitztaler Urkundsattel tasteten wir uns rauf,
trotzdem kam keine schlechte Stimmung auf.
Hier küsste Heike den roten Frosch ins Gesicht
und verlor abends beim Mensch-ärgere-Dich-nicht.
Simone traute ihren Augen kaum,
sie traf Holländer im Trockenraum.
Andreas erklärte, warum er schlecht schlief:
„Je größer die Höhe, desto tiefer das Tief.“
Rolf, unser Weckdienst, hatte alles im Griff,
nur den Herrn Oberst, den mimte er nicht.

 

Die Verpflegung auf dem Taschachhaus
fiel ganz besonders lecker aus.
Als „Schlechtwetterzulage“ gab ́s warme Croissants,
das hielt die Stimmung in der Balance.
Drei Gänge waren es jedes Mal,
vegetarisch oder Fleisch, wir hatten die Wahl.
Eier wurden hier von Rindfleisch umhüllt,
Salat vom Büffet, der Bauch war gefüllt.
Nur der Jagertee, den Dirk abends genossen,
kam 1:1 wieder rausgeschossen.

 

Die Hälfte der Woche war schon vorbei,
dem Wetter war das einerlei.
Mit den Schneeschuhen, die wir bekommen,
haben wir Kurs auf die Bliggscharte genommen.
Nebel und Schneefall, die Orientierung fiel schwer.
Jörgs Spurarbeit gefiel uns sehr.
Der Schnee war weich und auch sehr tief,
wir haben aus allen Poren getrieft.
Hier sollte eine Show abgehn –
Andreas war weg, nur sein Kopf noch zu sehn.
Steil ging ́s bergab, der Schreck saß tief,
Rolf hat ihn aus dem Schneeloch gehievt.

 

Am Donnerstag gab ́s ein kurzes Zwischenhoch,
um halb vier fuhren wir aus den Betten hoch.
Endlich erhörte Petrus unser Beten,
mit Schneeschuhen haben wir den Taschachferner betreten.
Die Wildspitze ist unser großes Ziel,
fünf bis sechs Stunden, (k)ein Kinderspiel.
Mit Friedhelm und Heike allen voran,
zu viert und zu fünft bleibt das Seil straff gespannt.
Hier bergzusteigen ist für alle ein Traum,
die Schönheit der Bergwelt, man glaubt es kaum.
Riesige Eisbrüche, tief verschneit,
bei solcher Kulisse ist kein Weg zu weit.
Doch kurz vor dem Gipfel war ́s gar nicht mehr nett.
Das sieht fast schon aus wie der Hillary-Step!
Jeder, der hier ist, ob Frau oder Mann,
peilt heute natürlich die Wildspitze an.
Die letzte Felsstufe ist bald geschafft,
der stürmische, eiskalte Wind kostet Kraft.
Gipfelkuss und -photo, mehr ist hier nicht drin,
das Gefühl in den Händen schwindet dahin.
Schnell treten wir den Rückweg an,
in sulzigem Schnee kommt man zügig voran.
In Rekordzeit zur Hütte, es ist kurz vor Drei,
hier schmeckt dann der Obstler, was ist schon dabei.

 

Der letzte Tag brachte nur Schneefall und Dunst,
das Wetter war wieder mal verhunst.
Wir nutzen Seminarraum und Kletterwand,
Jörg ist ein Profi und reicht uns die Hand.
Klettertechnik für Männer und Frau,
er hat ́s echt drauf, das sieht man genau.
Selbstrettung mit Prusik und Gardaknoten,
das wird uns von Heike und Friedhelm geboten.
Ob Gletscherkunde, Kompass oder Karte,
theoretisch finden wir jede Scharte.
Rückwärtseingeschnitten, wo immer ich bin.
Wie heißt dieser Gipfel? Macht vorwärts nur Sinn.

 

Dieser Aufbaukurs in Fels und Eis
versank fast im Schnee, in endlosem Weiß.
Uns allen hat ́s riesigen Spaß gemacht,
wir haben viel gelernt und noch mehr gelacht.
Alpinismus gab ́s hier aus erster Hand,
an Heike und Friedhelm ein ganz großer Dank!

 

Mit Berg Heil und frohem Sinn
grüßt herzlich Simone – eine Dichter- und Denkerin.

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Kategorie: Ausbildungsberichte

Kommentare (5)

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  1. Yvonne Eberz sagt:

    Hey Ihr Verrückten :)!! War wohl eine geniale Tour beim Ötzi! Simone…Toller Bericht und Bilder! Viele Grüße Yvonne

    • Friedhelm sagt:

      Hallo Yvonne, der Kurs war allerdings genial! Zum einen, weil wir so tolle Teilnehmer hatten, und zum anderen weil keiner dem Ötzi Gesellschaft geleistet hat ;-))
      Liebe Grüße Friedhelm

  2. Jana Kohler sagt:

    Selten habe ich einen so langen Beitrag mit Begeisterung gelesen, sehr gut geschrieben und sehr informativ, danke 🙂

    • Friedhelm sagt:

      Hallo Jana, freut mich, dass dir der Bericht gefällt. Ich werde das Kompliment an die Autorin weitergegeben. Vielleicht würde dich eine Teilnahme an unseren Kursen ebenso begeistern?

      Liebe Grüße Friedhelm

  3. Paul sagt:

    Bei dem super s… Wetter, eine gute unvergessliche Ausbildungstour zu machen ist schon eine super Leistung.
    Die dann noch in tolle Verse zu verpacken ist wie Sahne auf dem Eis, da möchte ich auch mal mit!

    herzlichst Paul

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