Alpenkletterer arbeiteten als Müllmänner

| 6. November 2006 | Keine Kommentare

Verrostete Dosen, Flaschen, Zigarettenschachteln und einige Kuriositäten fanden sich am Rittersturz

KOBLENZ. Von den Aussichtspunkten oberhalb von Koblenz ist der Rittersturz sicherlich mit einer der spektakulärsten. Die negative Seite dieser Beliebtheit, den Müll, den unzivilisierte Zeitgenossen einfach die Böschung hinunterwerfen, haben nun rund 15 Mitglieder des Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion-Koblenz, ehrenamtlich in Angriff genommen.

Teils freihändig, teils aber auch mit einem Seil gesichert, befreiten sie den Abhang von allem möglichen Unrat. Verrostete Dosen, Flaschen, Zigarettenschachteln fanden sich später in den rund 25 Plastiksäcken ebenso wieder wie ein gut 50 Zentimeter großer Torso einer Keramikfigur und ein aus seiner Verankerung gerissener Stahlmülleimer.

„Es ist einfach unglaublich, wie gewisse Mitmenschen mit ihrer und unserer Umwelt umgehen, zumal wenn man bedenkt, dass auf dem Rittersturz auch mehrere Mülleimer bereitstehen“, sagt Thomas Leininger, Vorsitzender der Koblenzer Sektion des Alpenverein.

Für den Verein, der zurzeit rund 3200 Mitglieder in unserer Region zählt und der 1905 am Eck gegründet wurde, sind solche Aktionen in Sachen Müllbeseitigung dabei mittlerweile schon Tradition. „Solche Maßnahmen im unwegsamen Gelände führen wir eigentlich jährlich schon seit den 80er-Jahren durch“, erzählt Bernd Schmeißer, Naturschutzreferent beim DAV Koblenz. In der Vergangenheit säuberte man dabei unter anderem die Loreley und die Hänge der Festung Ehrenbreitstein. Für diese Aktion erhielt der DAV 1999 auch den Umweltpreis der Stadt Koblenz.

 Bei der Aktion am Koblenzer Rittersturz, wo 1948 Geschichte geschrieben wurde, als sich die Ministerpräsidenten von Westdeutschland zu einer Konferenz im damals noch bestehenden Hotel auf dem Rittersturz trafen, wurde der Hang allerdings nicht nur vom Unrat gesäubert. Auch das Gestrüpp wurde von Forstwirtschaftsmeister Anderl Buchner vom städtischen Forstrevier Koblenz entsprechend zurückgeschnitten, um auch weiterhin einen schönen Ausblick auf Koblenz und das Mittelrheintal zu gewähren.

Der DAV Koblenz, der unter seinen Mitgliedern rund 500 Jugendliche hat, ist in der Region allerdings nicht nur in Sachen Umweltschutz aktiv. So wurde unter anderem der Klettersteig im steilsten Weinberg Europas, dem Calmont an der Mosel, sowie der Mittelrhein-Klettersteig bei Boppard auch vom DAV Koblenz angelegt. Ein Vorgeschmack auf hochalpines Terrain lässt sich so auch schon an Rhein und Mosel erleben.    

Peter Karges

Rhein-Zeitung vom 6.11.2006

Kategorie: Natur & Umwelt, Presse

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