47. Alpiner Grundkurs – Aus der Sicht einer Teilnehmerin

| 22. April 2019 | 2 Kommentare

Wer kennt es nicht, dass der Alltag hektischer wird. Viele Dinge wie Job, Familie, Freunde, Hobby etc. unter einen Hut zu bringen sind.

Umso bemerkenswerter, dass sich Bergbegeisterte Menschen bereit erklären, ehrenamtlich tätig zu sein. Ihre Zeit „opfern“ um einer Gruppe wissbegieriger Menschen die Leidenschaft für die Berge näher zu bringen. Und so viel sei vorab verraten: Die Trainer unseres Kurses haben genau das geschafft.

In der Winterzeit trafen wir uns mit dem Ziel, unser Wissen rund um die Alpinen Themen zu vertiefen. Schnell stellte sich heraus, dass unterschiedliche Vorkenntnisse vorhanden waren. Für einige sind Bergwanderungen ein vertrautes Hobby. Es waren sogar Teilnehmerinnen unter uns, die bereits Höhenluft geschnuppert haben. Aber genauso gab es auch die Anfänger, die eben noch nicht so oft in den Bergen gewandert oder auch noch nie geklettert sind. Jene, die nicht in den Bergen „Zuhause“ sind. Umso mehr ist die Leistung der Trainer zu loben. Denn sie haben es geschafft, alle dort abzuholen, wo der Einzelne gerade steht. Und dazu gelernt hat jeder etwas. Der Kurs ist thematisch breit gefächert und umfasst alle Sparten des Bergsports. Er eignet sich für alle Berginteressierten. Vom Bergwanderer und Klettersteiggeher bis hin zum Hochtourengeher. Er ist auch Voraussetzung für weitere alpine Kurse im Gebirge.

Und jeder, der den ersten beiden Modulen „Gefahren in den Bergen“ und „Höhenmedizin“ aufmerksam gelauscht hat, bekam spätestens jetzt eine Vorstellung davon, dass in den Bergen auch Gefahren lauern. Wir wurden dafür sensibilisiert, dass es einiges zu beachten gibt, wenn wir uns sicher in den Bergen bewegen wollen. Und wurden auch darauf vorbereitet, was zu tun ist, wenn es dann doch einmal zu einem Unfall gekommen ist. Und auch hier konnten die Ärzte und Krankenpfleger unter uns etwas dazu lernen. Denn Höhenmedizin unterscheidet sich in manchen Details von der herkömmlichen Medizin.

Die Theorieeinheiten Wetterkunde & Orientierung-Karte-Kompass verlangten dann nochmal einiges von uns ab.

Damit es nicht nur bei der Theorievermittlung bleibt, sondern wir auch eine echte Kompetenzsteigerung erreichen, wurde die Theorie durch wertvolle Praxiseinheiten ergänzt. Das Klettern im Kanditurm und der Praxistag an der Sektion Koblenz-Ehrenbreitstein untermauerten das theoretische Wissen und ließen auch zu, dass wir uns näher kennen lernen konnten.

Aber das Abschlusswochenende an der DAV Hütte Teufelsley übertraf dann alle Erwartungen.

Nicht nur, dass der Wettergott mit Sonnenschein auf unserer Seite war. Die gemütliche Lagerfeuer-Atmosphäre am Freitagabend ließ uns als Gruppe zusammen wachsen. Mit aller Offenheit wurden Geschichten aus dem Leben geteilt. Was den einzelnen gerade bewegt. Wie Beziehungen entstanden sind. Welche Herausforderungen des Lebens gerade zu bewältigen sind. Es wurden Herzen berührt und herzhaft gelacht.

So dass wir am nächsten Tag gut in den Praxisteil einsteigen konnten. Ausdrücklich wurde gelobt, dass wir das erlernte Wissen vom Ehrenbreitsteiner Praxistag nochmal wiederholen und vor allem vertiefen konnten. Bevor es dann ans Eingemachte ging. Gute Möglichkeit, dieser verflixten aber überaus wichtigen Knotenkunde eine weitere Chance zu geben.

Mit hoher Professionalität hatten die Trainer einen Klettersteig am Felsen aufgebaut und mehrere Abseilstellen eingerichtet. Für mich war es das erste Mal, dass ich einen Klettersteig bestiegen habe. Es ging darum, meinen Weg zu finden. Füße, Hände so zu platzieren, dass ich den Fels erfühlen und somit auch mit einem sicheren Gefühl besteigen kann. Besonders beeindruckt hat mich persönlich dabei die Ruhe und Unterstützung, die ich durch die Trainer an den unterschiedlichen Stationen erfahren durfte. Durch viel Ruhe und Souveränität ging das Gefühl von Vertrauen auf mich über. Das war auch notwendig, denn dann kam sie: die Abseilstelle. Jetzt ging es wirklich um Vertrauen. Vertrauen in das Material, dass es tatsächlich trägt. Vertrauen in die eigenen neu erworbenen Kenntnisse. Dass ich das erlernte Wissen nun am Fels richtig umsetzen kann. Und auch hier wieder die Mut machende Unterstützung durch die Trainer. Dieser Moment, als nochmal kurz alles kontrolliert wurde. Der Knoten, der Karabiner etc. Das gab mir das Gefühl von Sicherheit, dass ich benötigte, um mich tatsächlich vom Fels in den Klettergurt zu legen.

Für mich steht dieses Abseilen unter der Botschaft: „etwas trotzdem zu tun“.

Für die einen, es trotz Erkrankung oder Handicap zu tun. Hut ab vor allem auch vor denen, die sich dieser Herausforderung trotz Höhenagst gestellt haben. Für wieder andere war es keine so große Herausforderung mehr, da sie es schon öfter getan haben.

Und bei allem ein schönes gemeinsames Erlebnis, da es alle getan haben. Trotz der unterschiedlichen Umstände.

Das gemeinsame Grillen, die mitgebrachte Salatvielfalt, der Wein, das Bier. Alles schien am Abend wohlverdient und bildete einen genialen Abschluss am Ende eines tollen Tages.

In ausgelassener Stimmung ließen wir den Tag Revue passieren und lernten uns noch besser kennen.

Ganz ohne Hektik und nach einem ausgiebigen Frühstück begann mit etwas Wehmut der letzte Tag. 3 Gruppen machten sich auf, ihr Wissen rum um Orientierung – Karte – Kompass zu vertiefen. Schnell stellte sich heraus, ob die am Vortag erarbeiteten Routen ausreichend komplex ausgearbeitet wurden. Oder ob der Wald an der ein oder anderen Stelle hätte „querfeldein“ durchquert werden müssen. Aber alle 3 Gruppen haben die Hütte bei Sonnenschein und gut gelaunt wieder erreicht.

Und dann neigte sich ein lehrreiches Wochenende dem Ende zu.

An dem Menschen zusammen gekommen sind, die alle eine Leidenschaft für die Berge teilen. Menschen, die an diesem Wochenende Kontakte geknüpft haben, die auch über den Kurs hinaus weiter bestehen können. Die Sehnsucht, weiter zu machen, konnte geweckt werden. Denn nur wer am Ball bleibt, ist gut für die Berge gewappnet. Was bleibt ist die Dankbarkeit, dass ihr Trainer eure Leidenschaft ehrenamtlich teilt. Etwas von eurer Zeit für uns gewidmet habt.

Euer Ziel habt ihr erreicht und nicht nur Wissen vermittelt, sondern Kompetenzen gesteigert.

Ich kann jedem nur raten, der sich sicher in den Bergen bewegen möchte, diesen Kurs zu besuchen. Sei es bei einfachen Wanderungen oder bei größeren Herausforderungen. Er ist halt mehr als nur eine einfache Wissensvermittlung. Und das ist durch die Sektion Koblenz ohne große Anreise quasi noch vor der „Haustüre“ möglich.

Ich wünsche allen viel Spaß beim Vertiefen des Gelernten. Wundervolle Bergmomente und Berg heil!

 

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Kategorie: Allgemein, Ausbildung, Ausbildungsberichte

Kommentare (2)

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  1. Norbert Dötsch sagt:

    Genau das macht die Gemeinschaft im DAV aus!

  2. jutta sagt:

    Hallo Ihr Lieben,

    beide Gruppen waren toll. Bei dem einen Kurs gab es Lagerfeuer-Romanik bei dem Anderen gemütliches Zusammenrücken in der Hütte.
    Beides waren tolle Gruppen.

    Liebe Grüße
    jutta

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