Der Berg ruft Kammerlander schon sehr früh

| 15. November 2011

Extremsportler zu Gast beim Alpenverein – Von der Faszination hoher Gipfel, von Glück und Tragödien

Koblenz. Im kleinen Bergdorf Ahornach, hoch über den Dächern des Tauferer Ahrntals, bricht der damals achtjährige Hans Kammerlander Mitte der 60er-Jahre auf, um die Welt der Berge zu erkunden und schließlich die höchsten Gipfel zu meistern. Der Extrembergsteiger und Allrounder hat etwas zu erzählen. Das tat der 54-jährige Südtiroler auf Einladung des Koblenzer Alpenvereins.

Das Haus Horchheimer Höhe ist mit 360 belegten Plätzen ausverkauft. Kammerlanders Bilder- und Filmreportage heißt „Am seidenen Faden, von Südtirol zum Jasemba“. In den gut zwei Stunden wird deutlich, dass die Bergsteigerlegende ist früh vom Gebirge „verführt“ wurde. Aber als Bub, der nur mit einem Apfel in der Tasche heimlich seinen ersten Dreitausender hoch über dem elterlichen Bauernhof erklimmt, ahnt er noch nichts von späteren Höhenflügen, mit denen er seinen Lebensunterhalt wird verdienen können.

Gefrorene Wasserfälle erklimmen

Seine Liebe zum Matterhorn, seine erste schwierige Klettertour als 16-Jähriger mit dem älteren Bruder, seine „Lehrjahre“ mit Reinhold Messner, seine Dolomiten-Erfahrungen, seine Achttausender-Erfolge, seine Patagonien-Faszination, seine Nepal-Begeisterung oder seine Lust, gefrorene Wasserfälle zu erobern: All das packt der Mann, der auch auf Skiern 60 Grad steile schmale Rinnen herunterfährt, in kleine, spannende Geschichten. Doch die Schattenseiten lässt er nicht aus. Am Südpfeiler des 7350 hohen Jasemba im Himalaja liegen Glück und Tragödie ganz nah beieinander. Drei Anläufe braucht es (2005–07), um diese schwierige Linie zum Himmel zu knacken. Ein erster Versuch mit zwei Südtiroler Kollegen scheitert. Beim zweiten Versuch lässt Alois Brugger sein Leben. Ein Jahr später stirbt am Nanga Parbat auch Karl Unterkircher. Mucksmäuschenstill ist es im Saal. Große Betroffenheit macht sich breit, als Kammerlander Filmaufnahmen eines Rumänen zeigt. Chinesische Soldaten erschießen im Himalaja-Gebirge Pilger im Schnee.

Kammerlander, der früher ein Gipfelstürmer war, der viel riskierte, hat mit der Zeit gelernt, auch kurz vor dem Gipfel zurückzukehren. Auch sein Blick für Menschen, Kultur, Fauna und Flora am Fuß der hohen Berge änderte sich. Als junger und waghalsiger Extremer, der noch 1992 in 24 Stunden viermal das Matterhorn (4478 Meter) über die vier Grate bewältigt, hat er dafür keine Zeit.

Südtiroler unterstützt Nepalhilfe

Vor allem für Kinder im Himalaja setzt sich Kammerlander ein. Stolz ist er, dass die Nepalhilfe Beilngries, die er unterstützt, bislang 15 Schulen, ein Altersheim und ein Waisenhaus errichten ließ. Auch der Verein Rheinland-Lorraine-Nepal Koblenz hat sich dem guten Zweck verschrieben. Kalender mit Nepal-Fotos (unter anderem von Kammerlander), deren Erlös diesen Projekten zugutekommt, finden unter den begeisterten Zuhörern Abnehmer.

Autor: Michael Schaust
RZ Koblenz und Region vom Dienstag, 15. November 2011, Seite 19

Kategorie: Presse, Vorträge

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