​ Bolivien: Unterwegs zu den Gipfeln der Cordillera Real

| 11. August 2017 | Ein Kommentar


Nach 15h reiner Flugzeit plus 11h Wartezeiten kam ich mitten in der Nacht in la Paz an. Jedoch hat mein Magen schon auf dem Flug revoltiert und so ging es mir nicht sehr gut und ich war froh im Hotel zu sein. Hier brauchte ich erstmal 2 Tage um mich wieder zu erholen, mich an die Höhenluft zu gewöhnen und natürlich an diese verrückte Stadt auf 3700m. Nachdem Stefan eingetroffen war haben wir erstmal die Gegend ausgiebig erkundet, eingekauft, Sightseeing gemacht und unsere Transport zum Zongopass gebucht. Wir waren froh endlich aus diesem Moloch raus zu kommen. Auf 4700m gab es mehrere Refugios wir nahmen das was unser Fahrer ansteuerte der noch 2 Schweizer Touristen dabei hatte die den Potosí mit Guide gebucht hatten. Wir waren hier definitiv die Ausnahme mit unserem Zelt nebenan auf der Wiese und ohne Bergführer. Aber diese waren trotzdem sehr nett zu uns und gaben uns Infos und waren sehr interessiert was wir so machen und wer wir sind. Am nächsten Tag machten wir eine leichte Tagestour auf den 5392m hohen Cerro Charquini. Hierfür ging es 4km teils sehr ausgesetzt am Viadukt entlang der in den steilen Fels gehauen wurde. Danach ging es über Moräne und Gletscher zum Gipfel Aufschwung der nochmal etwas anstrengend war. Wow, Mein erster 5000er und der ging relativ locker von der Hand. Die Aussicht war einfach grandios und direkt gegenüber von uns überragt der Huayna Potosí die Gegend, unser nächstes Ziel für das wir jetzt bereit waren. Zurück am Lago Zongo warteten wir auf unseren Freund Lars mit dem wir uns hier verabredet hatten. Leider gab es kein Empfang mit dem Handy und so konnten wir ihn erst am nächsten morgen in einem Refugio auf der gegenüberliegenden Seeseite finden. Schnell machten wir drei uns nach einer ordentlichen Mahlzeit und kurzem Rucksack packen auf den Weg zum Campo Alto auf 5100m. Ein schönes gemauertes Refugio kurz unterhalb vom Gletscher Einstieg. Die Bergführer starten hier schon um 1 Uhr nachts mit den unerfahrenen Gästen um möglichst früh wieder unten zu sein und die nächsten aufs Hochlager zu schleppen, alles nur Geschäft. Wir jedoch starteten erst um 3 und liefen mit Stöcken über die gut gespurte „Autobahn“ bis auf 5900m kurz unter den Gipfel. Hier kamen uns ausgerechnet an der schwierigsten Stelle 3 Seilschaften entgegen. Kurze Zeit später standen wir jedoch im Sonnenlicht auf dem 6.088m hohen Huayna Potosí. Ein Gipfelfoto, ein Riegel, etwas Tee und wieder runter vom Grat, denn der Wind blies schon sehr stark. Wieder auf dem Gletscher und im Schutz des Gipfelaufschwungs machten wir eine weitere kurze Pause, denn beim Aufstieg hatten wir keine. Voller Enthusiasmus stiegen wir wieder über den Gletscher ab. Kurz vor dem Hochlager merkte ich erst wie erschöpft ich bin und konnte diese Pause gut gebrauchen. Als wir dann wieder am Lago Zongo im Refugio ankamen, war es erst 11 Uhr, da wurde mir klar das wir ganz schön schnell waren und deswegen so geschlaucht. Wir konnten das Mittagessen genießen und anschließend dank guter Connection mit den Guides per Taxi nach La Paz fahren. Noch am selben Tag organisierten wir unseren Transport nach Sorata, der am nächsten Mittag starten sollte.
Wahnsinn, gestern morgen noch auf dem Gipfel des Potosí und jetzt schon im nächsten Taxi über die Autobahn des Altiplano entlang der Cordillera Real, die schönsten 6000er aufgereiht wie eine Perlenkette. Als es nach Sorata bergab ging und wir in die Wolken eintauchten merkten wir langsam das hier alles grüner ist. Leider konnten wir die Schönheit der Perle der Anden, wie man Sorata nennt, im dichten Nebel nicht sehen. Jedoch am nächsten Morgen als wir von der Sonne geweckt wurden erschlug uns dieses Panorama fast und dann erst der Anblick des fast 4000m höheren Illampu von der mit Palmen bewachsenen Plaza im Stadtkern.
Die Nächte in Sorata verbrachten wir im Hostal las Piedras, wunderschön gelegenen am Stadtrand und von deutschen gegründet fühlt man sich hier sehr wohl. Hier haben wir am Abend der Ankunft auch schon direkt mit dem Trekking-Guide den Transport zum Basislager in Aguas Calientes organisiert.
Stefan hatte sich nach dem Potosí leider eine Erkältung eingefangen und am Abend vor der Abreise nach Aguas Calientes fing es bei mir auch an mit Halsschmerzen und Schnupfen. Trotzdem stiegen wir mit den Maultieren die 1000m in Basislager auf. Eine wunderschöne Oase inmitten der Felslandschaft gelegen empfing uns. Stefan und ich ware extrem fertig und mussten am darauf folgenden Tag im Lager bleiben. Lars entschied sich dazu es allein zu probieren. Mittags kamen noch 4 Bergsteiger aus La Paz an die nach kurzer Pause direkt weiter Richtung Hochlager stiegen.
Stefan und ich hatten arg langweile im Hochlager und waren sehr erfreut am dritten Tag kurz vor Sonnenuntergang Lars wieder zu sehen. Er hatte alles gegeben und war Solo bis 200m unter den Gipfel zur großen Gletscherspalte gekommen jedoch war diese für ihn ohne Absicherung nicht passierbar.
Am nächsten Tag holten uns 2 Jungs mit den Mulis ab und wir gingen gemütlich zurück nach Lackathiya und wurden von dort zurück ins Hostel gebracht. Schon auf der Rückfahrt haben wir mit dem Fahrer den Transport zum Ancohuma ausgemacht, wir wollten wenigstens noch einen 2. 6000er besteigen.
Nach einer weiteren Nacht in Sorata wurden wir Montags morgens um 9 mit einem Jeep abgeholt der uns bis zur Laguna Chilata brachte. Von dort aus stiegen wir voll gepackt und diesmal ohne Maultiere 1100hm bis zur Laguna Glacier auf. Dieser Ort ist einfach unbeschreiblich schön und selbst mit Bildern kaum wieder zu geben wenn hier Abends die Sonne untergeht und alles in malerisches Orange taucht.
Die Nacht war leider nicht so erholsam und wir waren schon vor dem Wecker wach. Schnell Tee kochen, anziehen und inmitten der Dunkelheit los. Zum Glück war der Weg auf die Moräne gut gekennzeichnet sodass wir 2 1/2h später bei Sonnenaufgang den Gletscher betraten. Trotz mehrerer Pausen waren wir ziemlich fertig, das Hochlager weg zu lassen rächte sich jetzt. 400hm vorm Gipfel konnte ich nicht mehr und machte Rast. Die anderen beiden versuchten ihr Glück auf dem Nord-West-Pfeiler allein und kehrten 3 Stunden später zurück zum Gletscher. Sie hatten es geschafft, waren aber auch am Ende ihrer Kräfte. Gemeinsam schleppten wir uns den Weg über die zahlreichen Spalten und durch das Labyrinth aus Eis und Schnee zurück zur Moräne. Nach insgesamt 13 Stunden waren wir völlig entkräftet endlich wieder bei den Zelten. Am nächsten Morgen mussten wir nochmal 1100hm absteigen um endlich wieder eingesammelt zu werden. Nach einer kurzen Mittagspause mit Sandwich und Bier ging es zurück nach La Paz wo wir erstmal ordentlich Mojitos tranken und feierten.
Für Stefan und mich endete hier die Reise, am nächsten Morgen ging es in 30h und 3 Flügen zurück nach Deutschland, nur Lars blieb noch 2 Wochen in Bolivien.
Text: O. González

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Kategorie: Allgemein, Sonstige Touren

Kommentare (1)

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  1. Peter May sagt:

    Hallo Lars, Stefan und Olli,

    tolle Touren, die Ihr da gemacht habt. Glückwunsch!

    Viele Grüße
    Peter May

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